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DIE SEILSCHAFT
Balsam & Balladen Tour
 
Schwerin | Speicher | 22. November 2025

Ein Bericht mit Fotos von Bodo Kubatzki



Zu Beginn dieses Jahres erlebte ich Die Seilschaft schon einmal auf ihrer "Balsam & Balladen"-Tour im Rostocker M.A.U.-Club. Es war der 21. Februar, der Tag, an dem Gundi Gundermann seinen 70. Geburtstag hätte feiern sollen. Gemeinsam mit den Fans und mit dem Liedermacher Felix Meyer als Gast feierte Gundis Band das Leben und die Musik des singenden Baggerfahrers aus der Lausitz mit einem bewegenden Konzert.


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Neun Monate später stehe ich wieder vor einer Bühne, um eines der letzten "Balsam & Balladen"-Konzerte dieses Jahres dieser Band zu erleben. Kurz vor Beginn des Konzerts werde ich in ein Gespräch mit einem etwa gleichaltrigen Pärchen verwickelt, nachdem ich einen günstigen Platz am Bühnenrand zum Fotografieren gefunden habe. Man fragt mich, ob ich von der Presse sei und für wen ich arbeite. Als ich erkläre, dass ich für "Deutsche Mugge" tätig bin, kommt die Frage nach dem Begriff "Mugge". Ich erzähle, dass er bei uns schon immer für "Musikalisches Gelegenheitsgeschäft" gestanden hat und dass ich einem solchen in den 70er- und 80er-Jahren nebenberuflich nachgegangen bin. Mit bayerischem Akzent werde ich gefragt: "Ach, konntet ihr das?" In diesem Moment wird meine Neugier geweckt: Wie kann es sein, dass jemand, der offensichtlich aus Bayern stammt, hier in Schwerin Musik von Gundermann und Die Seilschaft hören will? Die Antwort meines Gegenübers ist für mich nachvollziehbar. Auslöser war Andreas Dresens preisgekrönter Spielfilm "Gundermann". Der Film mit Alexander Scheer in der Titelrolle hat dem Leben und der Musik von Gundi ein bleibendes, gesamtdeutsches Denkmal gesetzt. Viele Musikbegeisterte wie ich begannen erst da, sich intensiv mit dem Schaffen von Gundermann zu befassen. Für seine herausragende Darstellung des Gerhard Gundermann in dem Film wurde Alexander Scheer 2019 mit dem Bayerischen Filmpreis als "Bester Darsteller" ausgezeichnet. Die Seilschaft ehrte diesen Moment als Laudator und brachte mit einer Live-Performance des Lieds "Keine Zeit mehr" dieses auf die deutschen Fernsehschirme.

Heute steht Die Seilschaft auf der Bühne im Schweriner Speicher und begeistert das Publikum erneut mit der eindrucksvollen Musik und den poetischen Texten von Gundermann. Ein besonderer Zauber geht dabei von Christian Haase aus, der seit 2008 als "neuer" Frontmann die Band prägt. Mit der kurzen Ballade "Kleine leise Traurigkeit" eröffnet er das Konzert. Doch es bleibt nicht lange ruhig: Die Seilschaft zeigt sich schnell als "bodenständige Rock'n'Roll-Band", wie es in ihrer Konzertankündigung heißt. Mit treibenden Beats und einem markanten Gitarrenintro geht es schwungvoll weiter, und die treuen Fans stimmen begeistert ein, wenn es heißt: "Alle oder keiner". So kommt von Anfang an echte Konzertfreude auf.


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Doch heute ist etwas anders. Saxofonist und Flötist Andreas Wieczorek steht nicht mit auf der Bühne. Er ist derzeit verhindert. Man habe nicht versucht, für Ersatz zu sorgen, denn Andy sei unersetzlich, erklärt Christian Haase. Doch die Band hat den großartigen Stephan "Schröder" Klingner mit nach Schwerin gebracht. Er wird den Sound der Band mit Violine, Mandoline, Shaker, Kuhglocke und seinem Gesang bereichern. Und das macht er gut. Mit offensichtlicher Freude fügt er sich in die Band ein, als würde er schon immer dazugehören. Schon das akustische Stück "Ich mache meinen Frieden" veredelt "Schröder" mit wunderschönen Klängen seiner Violine.

Mit dem Programm "Balsam & Balladen" präsentiert Die Seilschaft eine ausgewogene Mischung aus populären und weniger bekannten Songs von Gerhard Gundermann sowie eigenen Stücken von ihrem Album "Dein Paket". Sanfte Balladen, deren Melodien Gundermann-Fans im Ohr haben, und mitreißender Rock mit Folk-Elementen halten sich dabei die Waage. Dann höre ich ein Lied, das ich bisher noch nicht kannte. Auf der Setlist steht "Rau weht der Abendwind". Erst auf Nachfrage erfahre ich, dass es sich um ein neues Lied von Christian Haase und Michael Nass handelt, das irgendwann auf einem neuen Album erscheinen soll.

Auch heute ist es für mich ein emotionaler Höhepunkt, wenn Christian Haase die Ballade "Vater" singt. Dabei steht er allein auf der Bühne und wird nur von Michael Nass' sanften Pianoklängen begleitet. Bei dem Lied wird es ganz still im Speicher, weil alle andächtig Christians Interpretation lauschen. Es sind jedoch immer wieder die folkigen Rocksongs, bei denen Akkordeon und Violine zum Einsatz kommen, die für ausgelassene Stimmung im Saal sorgen. Besonders Stücke wie "Macht ja nischt" oder "7. Samurai" entfalten dabei ihre Wirkung. Noch deutlicher wird dies beim polkaartigen Stück "Wenn ich ein Räuber wär". Hier verlässt die Band zwischendurch die Bühne und "Schröder" erhält viel Raum für sein Solo auf der Violine, mit dem er das immer schneller werdende Finale des Stücks einleitet. Dabei hat auch Tina Powileit am Schlagzeug mächtig zu tun. Mit tosendem Beifall wird die Band belohnt. Tina und "Schröder" bekommen Rosen aus dem Publikum.


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Auch mit dem heutigen Konzert lässt Die Seilschaft das musikalische Vermächtnis von Gerhard Gundermann lebendig werden, das von musikalischer Vielfalt und poetischer Tiefe geprägt ist. Balladen wie "Keine Zeit mehr", das traumhafte "Gras" oder "Vögelchen" berühren Herz und Seele. Kracher wie "Einsame Spitze" oder das schon erwähnte "Wenn ich ein Räuber wär" gehen eher in die Beine. Sänger Christian Haase, Gitarrist Mario Ferraro, Keyboarder Michael Nass, Bassist Christoph Frenz und die treibende Kraft am Schlagzeug, Tina Powileit, sind mit sichtbarer Spielfreude am Werk. Und ihr Gast, Stephan "Schröder" Klingner, dem der Spaß ins Gesicht geschrieben steht, ist einfach Spitze. Obwohl Christian Haase mehrfach meint, jetzt käme das letzte Stück, setzt die Band immer noch eins obendrauf. Auch das Lied "Nach Haus", bei dem Mario Ferraro die Lap Steel-Gitarre spielt, entlässt die Fans noch nicht "nach Haus". Viel mehr gibt es dabei eine kurze Einlage des Klassikers "La Paloma", bei der alle Instrumentalisten nach vorn an den Bühnenrand kommen und das Stück stimmungsvoll ausklingen lassen. Das wunderschöne Lied "Einmal", seinerzeit von Gundi und Tamara Danz gesungen, fehlt bei den Zugaben natürlich auch nicht. Auch heute erntet Tina Powileit für ihren Gesangspart euphorischen Szenenapplaus.

Bei den Zeilen "... und was sollte besser sein als so ein Abend im Frieden ..." aus dem Lied "Brunhilde" fassen sich "Schröder", Tina Powileit und Christoph Frenz an den Händen, während sie singen. Dieser emotionale Moment bildet nach zweieinhalb Stunden den stimmungsvollen Ausklang eines grandiosen Konzerts, das Die Seilschaft hier in Schwerin gespielt hat. Beseelt und glücklich, dabei gewesen zu sein, machen wir uns auf den Weg "nach Haus", nach Rostock. Die Musik des Albums "Samurai 30/7" von Die Seilschaft begleitet uns auf dem Heimweg.
 
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Ich will es nicht versäumen, mich bei unserer Freundin Bea zu bedanken, die mich auf das Konzert in Schwerin aufmerksam gemacht hat, und vor allem bei Nina Baum, der Managerin der Band, die mich so kurzfristig akkreditiert hat.



Setlist:
Kleine leise Traurigkeit
Alle oder keiner
Ich mache meinen Frieden
Sag wolltest du nicht noch
Hauptsache gesund *
Wenigstens bis morgen
Hier bin ich geborn
Rau weht der Abendwind
Vater
Dein Paket *
Morgen morgen
Macht ja nüscht
Hey Bruder sag mir
Blau und blau
7. Samurai
Keine Zeit mehr
Wenn man liebt
Leine los
Gras
Vögelchen
Musst du weinen
Wenn ich wär (Räuber)
Einsame Spitze
Hör die Wölfe heulen
Weisstunoch
Nach Haus
Einmal
Brunhilde

Termine:
• 28.11.2025 - Leipzig - Anker
• 29.11.2025 - Saalfeld - Meininger Hof
• 02.12.2025 - Dresden - Boulevardtheater
• 05.12.2025 - Torgau - Kulturbastion
• 06.12.2025 - Hoyerswerda - Kulturfabrik KUFA






Fotostrecke:
 



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