© Deutsche Mugge (2007 - 2026)
20260306a 0 20260401 1177938412
 
Pöhla | Besucherbergwerk | 6. und 7. März 2026
Fotos von Daniel Nerling
 



Musik und Licht in geisterhafter Kulisse
Ein Bericht von Lutz Stolberg
 
Sie haben es getan! Takayo gingen in den „Untergrund“: Von den Höhlenwänden glänzten dazu die Zinnvorkommen, und hunderte faszinierter Fans lauschten ihrer Seelenmusik beim aktuellen Programm „Geige und mehr… Underground“.

Zwei Abende lang lud die beliebte Band aus Leipzig ins ehemalige Bergwerk nach Pöhla im Erzgebirge, wo die Aktiengesellschaft Wismut mehr als 40 Jahre lang Zinn abgebaut hatte, bis zur Stilllegung der gewaltigen Hohlräume nach der Wende und ihrer Herrichtung als Besucherbergwerk. Kenner wissen Bescheid: Musikevents an den entlegensten Konzertorten hat es in der Historie schon gegeben, ob in zehntausend Metern Höhe an Bord von Flugzeugen, auf hoher See, auf schwimmender Bühne an Stränden oder Meeresufern, im antiken Amphitheater oder – wie einst Gitarrengott Hendrix – am Fuße eines Vulkans. Jedoch Live-Konzerte im Inneren eines Bergmassivs, die haben wahrlich Seltenheitswert!





Takayo machte es möglich: Nach abenteuerlicher Anreise der Konzertbesucher mit der dunklen, engen Grubenbahn über schier endlos wirkende drei Kilometer, betraten die Publikumslieblinge Kayode Eschrich, Teufelsgeiger Ulrich Hermann-Schrödter und Bassist Jan Kirsten endlich die Bühne in der Lagerstätte „Hämmerlein“. Schon in den ersten Tönen entfalteten sie den Zauber ihres Repertoires: Über Folk und klassischen Rock oder Instrumentals wie dem noch immer ergreifend schönen „Drachensegler“ von Ulis und Kayos früherer Ostrockband Dialog, bis hin zu musikalischen Megawerken wie „Am Fenster“ oder „Stairway To Heaven“ - Takayo zelebrierten ihren Sound, begleitet von Licht und Laser. Die bunte Show in der geisterhaften Kulisse mit den glänzenden Wänden und einem Tropfsteinsee als natürlicher Begrenzung, erzeugte bei vielen Besuchern surrealistische Empfindungen in bislang ungeahnter Dimension. Eine kompakte spirituelle Reise, ein Erlebnis für die Sinne!


20260306b 1 20260401 1518283722



Dass sich die Musiker selbst den Unbilden der feuchtnassen Atmosphäre, wie etwa wässrigen Filmen auf ihren Instrumenten, zu erwehren hatten, gehörte zum überragenden Gesamteindruck dazu. Virtuose Rockmusik in dieser Naturkulisse gibt’s nicht alle Tage, wobei sich das Gewölbe in den größten Zinnkammern Europas mit seiner glasklaren Akustik als international konkurrenzfähige „Konzerthalle“ erwies. Dieses Fest der Sinne schreit buchstäblich nach einer Wiederholung!
 

 
 
Unser Konzert unter Tage – ein Abenteuer, das wir so schnell nicht vergessen
Bericht von Christiane und Mathias Schmidt

Eigentlich war es ein Konzert am Nachmittag. Zumindest laut Uhrzeit. Aber als wir im Besucherbergwerk Pöhla ankamen war klar: Unter Tage gelten andere Regeln – vor allem für die Zeit. Schon die Anreise fühlte sich luxuriös an: Ein vom Management organisierter Bus brachte uns ganz entspannt von Leipzig direkt zum Bergwerk. Wir mussten uns um nichts kümmern, außer darum, pünktlich einzusteigen. Ein guter Start.
 
20260306c 0 20260401 2047464833


Dann wurden uns Helme verpasst – und ab da wussten wir: Jetzt wird’s ernst. Die Grubenbahn wartete schon. Ein Gefährt, das eher an eine Mischung aus Abenteuerpark und Tetris-Level erinnerte. Der Einstieg war … sagen wir mal … sportlich. Eng, niedrig, und man musste sich so verrenken, dass wir kurz dachten, wir hätten heimlich für eine Yoga-Stunde unterschrieben. Dann ruckelte die Bahn los. Drei Kilometer in 15 Minuten, komplett im Dunkeln. Wir sahen nichts – wirklich gar nichts. Nur das Rattern, die feuchte Luft und das Gefühl, immer tiefer in den Berg hineinzufahren. Als wir endlich aussteigen konnten, waren wir alle froh, die Beine wieder ausklappen zu dürfen. Danach ging es noch etwa zehn Minuten zu Fuß durch die Gänge, bis sich der Konzertort öffnete.

Und dann standen wir in dieser Gesteinsnische. Warm beleuchtet, nebenan ein kleiner unterirdischer See, aus dem es leise tropfte. Ein Tropfen hier, ein Tropfen da – fast wie ein minimalistischer Percussion-Part. Die Luftfeuchtigkeit lag bei rund 80 Prozent, was die Musiker regelmäßig zum Nachstimmen ihrer Instrumente zwang. Und genau hier zeigte sich, wie professionell die Musiker sind: Keine Spur von Stress, kein Augenrollen, kein „Oh nein, schon wieder“. Sie haben das alles mit einer beeindruckenden Ruhe und Routine gelöst – als wäre das Nachstimmen in einer Tropfsteinhöhle einfach Teil ihres normalen Tour-Alltags. Und gespielt haben sie wie immer brillant. Warm, klar, kraftvoll – als hätten die Felswände selbst mitgesungen.
 
20260306d 1 20260401 1676274005


Wir saßen da, mit unseren Helmen, tief unter der Erde, völlig losgelöst vom Tageslicht und vom Gefühl für Zeit. Und wir waren uns einig: So etwas macht man wahrscheinlich nur einmal im Leben. Und genau deshalb bleibt es für immer. Ein Konzert, das man nicht nur hört. Sondern erlebt – mit Haut, Haaren, Helm und Herz.




Fotostrecke:
 




Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.