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Ein Konzertbericht mit Fotos von Bodo Kubatzki



Es ist Sonntagnachmittag und ein wunderschöner Frühsommertag. Eigentlich wäre es Zeit, ganz entspannt an einem See oder am Meer in der Sonne zu sitzen und ein Glas Wein zu genießen. Doch wir befinden uns im Hangar-312 auf dem geschichtsträchtigen ehemaligen Militärflugplatz in Neuruppin. An diesem Platz, der während zweier Weltkriege und bis zum Fall des Eisernen Vorhangs militärisch genutzt wurde, befindet sich seit einigen Jahren ein Veranstaltungsort. Dort erwartet uns heute ab 17:00 Uhr ein besonderes Konzerterlebnis. Die Zöllner im Trio Infernale laden im Rahmen ihrer STILL-Tour zu einem 360-Grad-Akustikkonzert ein. Was das bedeutet, wird uns erst klar, als wir den Hangar betreten.

In der Mitte der Location steht ein Keyboard, daneben ein Cello und eine Akustikgitarre. Außerdem ist ein kleiner Verstärker für das Keyboard zu sehen sowie zwei Teleprompter, die vermutlich für Texte und Noten genutzt werden. Um dieses Instrumentarium herum sind kreisförmig Dreiergruppen von Kinositzen angeordnet. Ich zähle elf dieser Sitzgelegenheiten und stelle fest, dass eine Sitzgruppe mit einem Gurt gesperrt ist. Es sind also tatsächlich nur dreißig Plätze für dieses 360-Grad-Akustikkonzert verfügbar. Das wird interessant, denke ich.

Zum Konzertbeginn um 17:00 Uhr sind nahezu alle Plätze besetzt, bis auf einen, den ich ab und zu zum Fotografieren nutzen werde. Als sich Keyboarder André Gensicke und Cellist Tobias Unterberg an ihre Instrumente begeben und Dirk Zöllner die Spielstätte betritt, wird das "Trio Infernale" mit gebührendem Beifall begrüßt. Tiefe Keyboardsounds und eine dezente Cello-Melodie untermalen einen von Dirk gesprochenen Text über das Licht, das Glück und die Erkenntnis, dass Gott die Liebe sein kann. Diese "Ouvertüre" mündet in das wunderschöne Liebeslied "Strohfeuer". Von der ersten Note an entfalten das Piano, das Cello und Dirks eindringliche Stimme - die wir an diesem Abend so unmittelbar und intensiv erleben dürfen - eine Kraft, die tief berührt und lange nachwirkt. Tobias und Gensi sitzen beim Konzert Rücken an Rücken, während Dirk ständig seine Position wechselt. So ist er den anwesenden Gästen immer ganz nah, was beim Publikum ein sehr intensives Empfinden zur Folge hat.
 
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Mit jedem weiteren Lied verdichtet sich diese besondere Atmosphäre. Es sind die wundervollen, vertrauten Melodien, die viele im Publikum im Herzen tragen, ebenso wie die poetischen, tiefgründigen Texte, die Dirk Zöllner mit seiner unverwechselbaren Stimme und Ausdruckskraft auf berührende Weise vermittelt. Genau darin liegt für mich die Magie dieser akustischen Darbietung. Songperlen - teilweise lange nicht mehr gehört - wie "Ans Licht" oder "Idylle im Krieg", "Nie mehr" und das intensive "Immer einer" passen zum Thema der Tour. Das Trio Infernale hat sie STILL benannt. Und es sind ausschließlich die ruhigen Lieder der Zöllner, die wir hören. Keine flotten Soulnummern oder von Polka-Rhythmen inspirierten Stücke finden sich im Programm. Dazu immer wieder die gesprochenen Texte, darüber, was Gerechtigkeit sein soll, oder über die Angst vor den Konsequenzen all unseres Tuns. Auch die Frage nach dem Glück thematisiert Dirk Zöllner in den gesprochenen Texten immer wieder. Wer seine Bücher gelesen hat weiß, wie geschickt er mit Worten zu jonglieren weiß.

Neben Klassikern wie "Sand", "Zwei Sonnen" oder "In Ewigkeit" berührt mich insbesondere das Peter-Gabriel-Cover "Hier kommt die Flut", das Dirk mit voller Inbrunst interpretiert. Für mich ein totaler Gänsehautmoment. Auch der titelgebende Song "Still" und das anschließende "Herzwinter" sind weitere emotionale Höhepunkte im Programm. Nach so viel Melancholie wird es dann doch etwas entspannter. Schon der einleitende, humorvolle Dialog zwischen Dirk und Tobias über die Frau, die ständig anruft und dann nichts sagt, sorgt für einige Lacher. "Keine schweigt wie du" nimmt das Thema auf. Bei "Heiligenschein aus Phosphor" wird dann sogar im Publikum kräftig mitgesungen.

Der Klassiker "Viel zu weit", der den Abschluss des Konzerts bilden soll, endet mit einem grandiosen Finale, bei dem Tobias mit seinem Cello und Dirk mit seiner Gitarre zur Freude des Publikums einige Runden im Kreis laufen. Dieser fulminante Abschluss, wie das Konzert an sich, führt zu Beifallsstürmen und stehenden Ovationen. Es klingt, als wären Hunderte Gäste im Hangar. Das Trio bedankt sich mit zwei Zugaben. 2006 startete der damalige Bassist der Berliner Band Rockhaus, Reinhardt Repke, sein Projekt "Club der toten Dichter". Das erste Album dieses Projekts enthielt Kompositionen zu Gedichten von Heinrich Heine. Repke spielte es damals mit den Zöllnern ein. Daraus hören wir an diesem Abend das Lied "Ich hab im Traum geweinet", bei dem auch Gensi und Tobias ihre Sangeskünste zeigen dürfen. Mit "Käfer auf'm Blatt" endet dann das Akustikkonzert der Zöllner im Trio Infernale und hinterlässt ein begeistertes Publikum und Musiker mit zufriedenen Gesichtern.

Als besondere Geste verneigen sich die drei Musiker vor den Gästen auf jeder zehn Sitzgruppen und Dirk schüttelt vereinzelt Hände. Mir fällt es schwer, in Worte zu fassen, was ich bei diesem besonderen Konzert empfunden habe. Ich kann nur jedem empfehlen, eines der Konzerte der STILL-Tour zu besuchen. Das Trio setzt die Tour noch bis Anfang August fort.






Fotostrecke:
 




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