Ein Bericht mit Fotos von Thorsten Murr
Heute nun endlich (Sollte ich "endlich" im Kontext einer Abschiedstour besser vermeiden?) das wegen der Erkrankung einiger Bandmitglieder von Mitte Februar auf heute verschobene Konzert von PANKOW im Berliner Kesselhaus. Somit wird Berlin nun doch der Abschluss des ersten Teils dieser "Bis zuletzt"-Tour. In ein paar Monaten, vom 9. bis 13. Juli, gibt es noch einen Warm-up-Gig im "Theater am Rand" in Oderaue, den ebenfalls verschobenen Auftritt in Neuruppin und gleich darauf drei Open-Airs in Leipzig, Berlin und Dresden.
Seit Monaten ausverkauft
Statt "Keine Stars" wie im Song "Wieder auf der Straße", steht auch auf dieser Station der Tour "Ausverkauft" auf den Plakaten. Die Leute kommen zeitig, der Saal ist schnell voll. Wieder sehe ich viele Freunde und Bekannte umher. Nach dem Konzert, wenn sich alles auflöst, werde ich feststellen, dass es noch viele mehr waren, die ich zuvor in der Menge gar nicht entdeckt hatte. Die Stimmung vor der Bühne, wo die mir seit vielen Jahren vertrauten Immer-in-der-ersten-Reihe-Fans stehen, scheint etwas ambivalent. Einerseits ist da die Freude auf das heutige Konzert, andererseits die Wehmut, weil dieser Auftritt einer der letzten dieser ikonischen Band sein soll.
Keine Stars?
Ziemlich pünktlich geht es los mit "Bis zuletzt" - dem neuesten und bislang letzten Song von Pankow. Zuletzt hatte ich PANKOW im vergleichsweise kleinen und intimen Gewölbe der Torgauer Kulturbastion - gewissermaßen hautnah und fast auf Augenhöhe - erlebt. Jetzt, im großen Saal, kann ich wieder wie ein kleiner Junge zu ihnen aufblicken, meine "keinen" Stars bestaunen und bewundern. Für mich ist das eine wie auch das andere in Ordnung und beides hat seinen Reiz.
Mit ordentlich Druck auf die Ohren der Fans und gewohnt perfektem Sound geht diese Rock-and-Roll-Show voran. Alles sitzt, alles passt. Gefühlt ohne Pausen und mit gewohnter Präzision schießt die Band ihre Songs ins Publikum. Kaum dass es bei "Neuer Tag in Pankow" etwas verhaltener beginnt, kracht es gleich darauf wieder. Die Setlist hat sich nicht geändert, zumindest kann ich auf Anhieb keinen Unterschied zu den vorangegangenen Auftritten feststellen. Selbst wenn, wäre es mir auch irgendwie egal - es klingt nach PANKOW, es ist PANKOW. Und es ist das immer wieder aufs Neue Aufregende und auch das immer wieder Vertraute, das mich auch bei diesem Konzert meiner deutschen Lieblingsband umfängt. Wie ich schon früher einmal schrieb: Ich stehe da und staune und mache Fotos.
Ganz perfekt gelingt es allerdings nicht, denn ausgerechnet bei "Doris" hat André Herzberg tatsächlich einen Texthänger. Das Publikum nimmt es mit Humor - schließlich kennt fast jeder die frechen Worte aus Andrés Feder, die ihm gerade selbst fehlen. Höchst professionell werden die etwas verunglückten Zeilen einfach nochmal gespielt. Prima, so ein kleiner Ausrutscher ist vielleicht genau das eine Detail, um das Erlebte authentisch und einzigartig zu machen.
Ein Kessel Pankow!
Zum "Lied von der See'nsucht" gibt es von den anfangs erwähnten Fans in der ersten Reihe eine kleine Choreo: Seifenblasen steigen auf und zu den jeweiligen Stichworten im Text werden Fische, Muscheln und andere Dekoteile aus Pappe hochgehalten. Später, bei "Gabi" ist sogar ein "Kosmosanzug" zu sehen. Die Stimmung im Saal ist jedenfalls grandios. Wer das Kesselhaus Monate im Voraus ausverkauft, kann sich darauf verlassen, dass es kaum noch jemanden im Saal gibt, den man erst überzeugen müsste. Und trotzdem spielen sie wieder, als ginge es noch immer um alles, um das "ganz große Ding". Das ist wirklich faszinierend, das ist respektabel, das ist liebenswert - und es ist eine Freude, zu sehen und zu hören, wie sie selbst Freude daran haben, so vielen Menschen diese Freude zu bereiten.
Mit so viel Freude umher vergeht der Abend ziemlich schnell. Als es etwa zu Beginn des letzten Drittels der Show "Langeweile" zu hören gibt, gehe ich mal vor die Tür. Vielleicht habe ich genau diesen Song nun doch schon "zu oft gehört". Nach einer schnellen Kippe mache ich, ein bisschen so wie "rumgerannt", mit der Kamera eine Saalrunde, um auch von der anderen Seite ein paar Aufnahmen zu bekommen. Die Bude ist wirklich richtig, richtig voll und alle scheinen ziemlich aufgekratzt, vermutlich wegen der Enge manchmal auch etwas gereizt, aber alles in allem freundlich und nachsichtig untereinander. Es ist ein Rockkonzert für die reifere Generation, die nicht mehr ganz so elastisch, wie vor 20, 30 oder 40 Jahren, aber trotzdem mit voller Aufmerksamkeit bei der Sache ist. Hinten im Saal kommt genauso viel Power von der Bühne an, wie vorn in den ersten Reihen. Richtig gut ist das alles, viel zu gut - dafür, dass es damit bald ein Ende haben soll.
"Ich bin da"
Soll es das haben? In einer seiner Zwischenansagen, in der André Herzberg Dankesworte und Komplimente gegenüber seinen Kollegen ausspricht, entwischt ihm eine Bemerkung, die wohl mehr Leute mit offenen Ohren vernehmen, als es möglicherweise beabsichtigt gewesen war. "Bis zuletzt" hieße ja nicht "Schluss". Darf man hoffen? Es liegt mir fern, ausgerechnet in diesem Medium hier Gerüchte in die Welt zu setzen. Aber ich weiß, dass es andere Fans im Saal auch gehört haben.
Was auch immer nach dem 13. Juli 2025 mit dieser Band noch passieren oder nicht passieren mag - man kann es sich ja wünschen und ein bisschen träumen. Und man kann sich daran erinnern, dass heute hier im Berliner Kesselhaus auch ein wunderschönes, eher leises Stück vom Album "Neuer Tag in Pankow" gespielt wurde, in dem es heißt: "Ich bin da, falls du mich suchst … Bin den langen Weg gegangen bis hierher, wo alles begann. Ab hier ist wieder alles offen, sieh mich an." So, nun aber genug "geschwurbelt" für heute - man sieht sich und hört sich im Juli wieder!
PS: Dafür, dass es im Kesselhaus ein besonderes Konzert war, gibt es dieses Mal auch ein paar Fotos mehr als sonst. Meine Rückblicke auf die Studiosession beim MDR im Dezember 2024, auf die Konzerte in Erfurt und Torgau im Januar und Februar dieses Jahres sowie einen Bericht über das Konzert in Rostock von unserem Kollegen Bodo Kubatzki gibt es hier auf Deutsche Mugge in der Rubrik Live-Berichte.
Seit Monaten ausverkauft
Statt "Keine Stars" wie im Song "Wieder auf der Straße", steht auch auf dieser Station der Tour "Ausverkauft" auf den Plakaten. Die Leute kommen zeitig, der Saal ist schnell voll. Wieder sehe ich viele Freunde und Bekannte umher. Nach dem Konzert, wenn sich alles auflöst, werde ich feststellen, dass es noch viele mehr waren, die ich zuvor in der Menge gar nicht entdeckt hatte. Die Stimmung vor der Bühne, wo die mir seit vielen Jahren vertrauten Immer-in-der-ersten-Reihe-Fans stehen, scheint etwas ambivalent. Einerseits ist da die Freude auf das heutige Konzert, andererseits die Wehmut, weil dieser Auftritt einer der letzten dieser ikonischen Band sein soll.
Keine Stars?
Ziemlich pünktlich geht es los mit "Bis zuletzt" - dem neuesten und bislang letzten Song von Pankow. Zuletzt hatte ich PANKOW im vergleichsweise kleinen und intimen Gewölbe der Torgauer Kulturbastion - gewissermaßen hautnah und fast auf Augenhöhe - erlebt. Jetzt, im großen Saal, kann ich wieder wie ein kleiner Junge zu ihnen aufblicken, meine "keinen" Stars bestaunen und bewundern. Für mich ist das eine wie auch das andere in Ordnung und beides hat seinen Reiz.

Mit ordentlich Druck auf die Ohren der Fans und gewohnt perfektem Sound geht diese Rock-and-Roll-Show voran. Alles sitzt, alles passt. Gefühlt ohne Pausen und mit gewohnter Präzision schießt die Band ihre Songs ins Publikum. Kaum dass es bei "Neuer Tag in Pankow" etwas verhaltener beginnt, kracht es gleich darauf wieder. Die Setlist hat sich nicht geändert, zumindest kann ich auf Anhieb keinen Unterschied zu den vorangegangenen Auftritten feststellen. Selbst wenn, wäre es mir auch irgendwie egal - es klingt nach PANKOW, es ist PANKOW. Und es ist das immer wieder aufs Neue Aufregende und auch das immer wieder Vertraute, das mich auch bei diesem Konzert meiner deutschen Lieblingsband umfängt. Wie ich schon früher einmal schrieb: Ich stehe da und staune und mache Fotos.
Ganz perfekt gelingt es allerdings nicht, denn ausgerechnet bei "Doris" hat André Herzberg tatsächlich einen Texthänger. Das Publikum nimmt es mit Humor - schließlich kennt fast jeder die frechen Worte aus Andrés Feder, die ihm gerade selbst fehlen. Höchst professionell werden die etwas verunglückten Zeilen einfach nochmal gespielt. Prima, so ein kleiner Ausrutscher ist vielleicht genau das eine Detail, um das Erlebte authentisch und einzigartig zu machen.
Ein Kessel Pankow!
Zum "Lied von der See'nsucht" gibt es von den anfangs erwähnten Fans in der ersten Reihe eine kleine Choreo: Seifenblasen steigen auf und zu den jeweiligen Stichworten im Text werden Fische, Muscheln und andere Dekoteile aus Pappe hochgehalten. Später, bei "Gabi" ist sogar ein "Kosmosanzug" zu sehen. Die Stimmung im Saal ist jedenfalls grandios. Wer das Kesselhaus Monate im Voraus ausverkauft, kann sich darauf verlassen, dass es kaum noch jemanden im Saal gibt, den man erst überzeugen müsste. Und trotzdem spielen sie wieder, als ginge es noch immer um alles, um das "ganz große Ding". Das ist wirklich faszinierend, das ist respektabel, das ist liebenswert - und es ist eine Freude, zu sehen und zu hören, wie sie selbst Freude daran haben, so vielen Menschen diese Freude zu bereiten.
Mit so viel Freude umher vergeht der Abend ziemlich schnell. Als es etwa zu Beginn des letzten Drittels der Show "Langeweile" zu hören gibt, gehe ich mal vor die Tür. Vielleicht habe ich genau diesen Song nun doch schon "zu oft gehört". Nach einer schnellen Kippe mache ich, ein bisschen so wie "rumgerannt", mit der Kamera eine Saalrunde, um auch von der anderen Seite ein paar Aufnahmen zu bekommen. Die Bude ist wirklich richtig, richtig voll und alle scheinen ziemlich aufgekratzt, vermutlich wegen der Enge manchmal auch etwas gereizt, aber alles in allem freundlich und nachsichtig untereinander. Es ist ein Rockkonzert für die reifere Generation, die nicht mehr ganz so elastisch, wie vor 20, 30 oder 40 Jahren, aber trotzdem mit voller Aufmerksamkeit bei der Sache ist. Hinten im Saal kommt genauso viel Power von der Bühne an, wie vorn in den ersten Reihen. Richtig gut ist das alles, viel zu gut - dafür, dass es damit bald ein Ende haben soll.

"Ich bin da"
Soll es das haben? In einer seiner Zwischenansagen, in der André Herzberg Dankesworte und Komplimente gegenüber seinen Kollegen ausspricht, entwischt ihm eine Bemerkung, die wohl mehr Leute mit offenen Ohren vernehmen, als es möglicherweise beabsichtigt gewesen war. "Bis zuletzt" hieße ja nicht "Schluss". Darf man hoffen? Es liegt mir fern, ausgerechnet in diesem Medium hier Gerüchte in die Welt zu setzen. Aber ich weiß, dass es andere Fans im Saal auch gehört haben.
Was auch immer nach dem 13. Juli 2025 mit dieser Band noch passieren oder nicht passieren mag - man kann es sich ja wünschen und ein bisschen träumen. Und man kann sich daran erinnern, dass heute hier im Berliner Kesselhaus auch ein wunderschönes, eher leises Stück vom Album "Neuer Tag in Pankow" gespielt wurde, in dem es heißt: "Ich bin da, falls du mich suchst … Bin den langen Weg gegangen bis hierher, wo alles begann. Ab hier ist wieder alles offen, sieh mich an." So, nun aber genug "geschwurbelt" für heute - man sieht sich und hört sich im Juli wieder!
PS: Dafür, dass es im Kesselhaus ein besonderes Konzert war, gibt es dieses Mal auch ein paar Fotos mehr als sonst. Meine Rückblicke auf die Studiosession beim MDR im Dezember 2024, auf die Konzerte in Erfurt und Torgau im Januar und Februar dieses Jahres sowie einen Bericht über das Konzert in Rostock von unserem Kollegen Bodo Kubatzki gibt es hier auf Deutsche Mugge in der Rubrik Live-Berichte.
