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Schwarzbrenner: "Das Eichendorff-Album" (Album)

schwarzbrenner2026 0 20260504 2041428457VÖ: 09.03.2026; Label: Eigenverlag Wolfgang Becker; Katalognummer: CD 370956, Musiker: Wolfgang Becker (Gesang, Gitarren, Keyboards, Bariton-Ukulele, Bluesharp), Christoph Keisers (Schlagzeug), Marc Sokal (Schlagzeug Titel 2, 6, 7 und 13), Theofilos Fotiadis (Bass); Bemerkung: Dieses Album ist auf CD und digital erschienen. CD im Digipak mit 12-seitigem Booklet inclusive Lyrics nur erhältlich über www.schwarzbrenner.de;

Titel:
„Golden noch die Locken wallen“, „Ich hab manch Lied geschrieben“, „Zwiellicht“, „Das Leben draußen ist verrauscht“, „Vergangen ist der lichte Tag“, „Ein Wunderland ist oben aufgeschlagen“; „Nächtlich dehnen sich die Stunden“; „Der Mond ist trostreich aufgegangen“; „Was mich so hoch beglückt“; „Ich kann wohl manchmal singen“; „Ich hab ein Ross mit Flügeln“; „Kennst du noch den Zaubersaal“, „Herbstnebel ziehen über den Weiher“


 
 
Rezension:


Ich will mit offenen Karten spielen. Die Band SCHWARZBRENNER gehört seit einigen Jahren zu meinen persönlichen Favoriten und ich freue mich Jahr für Jahr auf die regelmäßig erscheinenden Alben. Bis ich auf das Trio aufmerksam wurde, machte die Band schon über zwei Jahrzehnte lang gemeinsam Musik; ihr Stil wird als Bluesrock bezeichnet, und die Besonderheit ist, dass Gitarrist und Sänger Wolfgang Becker griffige Songs zu Texten großer Lyriker schreibt. Zunächst war ausschließlich der Expressionist Georg Heym der Vorlagenlieferant; später widmete sich Becker weiteren literarischen Epochen. Zuletzt ist er bei den Romantikern gelandet; zu seinen Favoriten dieser Epoche gehört neben den Herausgebern der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“, Achim von Arnim und Clemens Brentano, der Spätromantiker Joseph von Eichendorff (1788-1857), dem nun das neue Album exklusiv gewidmet ist.

Eichendorffs Gedichte wurden schon zu seinen Lebzeiten vertont und einige sind regelrechte Volkslieder geworden: „In einem kühlen Grunde“ oder „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ gehören zum Liederschatz Deutschlands. Wolfgang Becker drängte es allerdings nicht zu Neuvertonungen der bekannten Gedichte, sondern er suchte sich unbekanntere Stücke aus, die allerdings auch Eichendorffs unverwechselbare Handschrift tragen und von Bächen, Tälern, Bergen, Hörnerklang, Liebessehnsucht, nächtlichem Bangen, Nachtigallengesang und erlösendem Morgenrot erzählen.

Eichendorffs reiche und einprägsame Bildsprache verlangt geradezu nach musikalischer Umsetzung, und interessanterweise funktioniert sie auch als Vorlage für melodischen Blues und Rock: Die Texte stammen ausnahmslos aus der Frühzeit von Eichendorffs Schaffen: Juvenile Aufbruchstimmung, Neugier auf die Welt, die Entdeckung der Liebe passen zu treibender Rockmusik ebenso wie zu beseelten Balladen. Doch Eichendorff schrieb nie naive Naturgedichte oder Minnetexte, sondern er setzte sich schon als junger Poet mit existenziellen Fragen auseinander; besang die Vergänglichkeit ebenso wie seine ausgeprägte Hoffnung auf die Ewigkeit. Wolfgang Becker arbeitet Eichendorffs dichterische Intentionen wunderbar heraus, indem er teilweise Zeilen aus verschiedenen Gedichten zusammenmontiert und sie dadurch fürs 21. Jahrhundert singbar macht.

„Das Eichendorff Album“ enthält 13 Lieder und hat eine Spielzeit von einer Stunde. Neben fünf brandneuen Songs sind hier alle Eichendorff-Vertonungen von früheren „Schwarzbrenner“-Produktionen versammelt. Mit „Goldene Ströme“ hat „Schwarzbrenner“ im Jahr 2022 bereits eine komplette EP (oder „Mini-LP“) nur mit Eichendorff-Texten veröffentlicht. Die damalige Besonderheit war eine dreiteilige Suite, die seinerzeit das Kernstück bildete und die nun in ihren Einzelteilen über das Album verteilt ist. Mit jeweils über sechs Minuten Spieldauer wirken diese Stücke epischer als die anderen Songs und entwickeln eine besondere erzählerische Kraft. Den Anfang auf der neuen Produktion macht nun mit „Golden noch die Locken wallen“ ein Liebesgedicht, das aber zugleich den raschen Flug der Zeit zum Thema hat. Kennern von SCHWARZBRENNER werden die ungewohnten Bläser-Sätze auffallen, die das Klangbild aufhübschen. Die Band wird insgesamt weicher und melodischer, ohne dabei die rockigen Vibes zu verlieren. Der zweite Song „Ich hab manch Lied geschrieben“ zeigt SCHWARZBRENNER von der „Folk“-Seite. Der Text verrät einiges über Eichendorffs literarische Absichten.

Mein persönlicher Favorit bleibt „Ein Wunderland ist oben aufgeschlagen“ mit seinem hymnischen Refrain, der die „Musik der Sterne“ besingt. Ein wunderbarer Rocksong mit feinen Gitarrensoli; der Text öffnet das Bewusstsein für eine verborgene Sphäre, für die der romantische Dichter die Augen und Ohren seiner Zuhörerschaft öffnet, während eine „dumpfe Menge“ unfähig zu sein scheint, die Klänge aus der Höhe zu erfassen. Die Dichtung und die Musik werden hier als lebensspendende Elemente gefeiert. Erwähnen möchte ich noch die stimmungsvolle melodische Ballade „Herbstnebel ziehen über den Weiher“, mit der das Album stimmungsvoll ausklingt. Vom Text her hinterlässt der Song ein wehmütiges Gefühl.

Musikalisch liefert „Das Eichendorff Album“ das bislang Beste von SCHWARZBRENNER, insbesondere erweist sich Wolfgang Becker auch auf den Saiten als Meister des Ausdrucks. Wie bei einem Mark Knopfler wird die Gitarre in vielen Songs zur Co-Erzählerin. Virtuos und doch unangestrengt veredelt Beckers Spiel die starken Kompositionen und sorgen immer wieder für schlicht beglückende Momente von echter Rock-Romantik, wie man sie vielleicht von der einen oder anderen alten Lieblingsplatte in Erinnerung hat.
(Rainer Buck)





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