Volkmann: "Schade" (Album)
VÖ: 17.07.2026; Label: TROYKE Records; Katalognummer: 9780201379624, Musiker: Peter Butschke (Gesang, Gitarre, Mundharmonika); Gäste Hardy Krischkowsky (Gesang bei „Militär“), Lothar Hartig (Flöte bei „Keine Parfümerie“); Rainer H. Butschke (Percussion bei „Menschenwolken“), Lutz Gerlach (Keyboard bei „Ich will nicht“), Lexa Thomas (Bass bei „Ich will niciht“), Michael Behm (Schlagzeug bei „Ich will nicht“), Thomas Wendel (E-Gitarre bei „Ich will nicht“); Bemerkung: Dieses Album ist auf CD und als Stream/Download erhältlich;Titel: „Moderator“, „Die Dummheit“, „Mensch“, „Für G..“, „Die 5 Sinne“, „Militär“, „Karl Marx“, „Orden fürs Morden“, „Der Schoß“, „Hilf mir raus aus diesem Kino“, „La corrida“, „Keine Parfümerie“, „Menschenwolken“, „Stau“, „Diese Nacht“, „Alles verkommt“, „Schade“, „Ich will nicht“, „Wenn du gehst“, „Witzig sind Sie“, „Menschenkind“ |
Wie man ein Album mit leisen Liedern produzieren und dabei trotzdem ganz laut sein kann, stellt der Musiker Peter Butschke alias Volkmann mit dem Album „Schade“ nun eindrucksvoll unter Beweis. Das Schnittmuster dazu gab es ganz sicher nicht in der Sibylle und auch nicht in der Melodie & Rhythmus. Diese besondere Handwerkskunst kann einem wirklich nur ein guter Liedermacher zeigen – und zu dieser Riege gehört Peter Butschke nun schon seit vielen, vielen Jahren. Nach den Alben „Dreh mich um“ (2012) und „Volkmanns Gitarren“ (2019) ist „Schade“ das soeben bei Troyke Records frisch erschienene dritte Solowerk des ehemaligen Pension-Volkmann-Sängers.
Jedes einzelne der 21 Stücke auf diesem Album kann ich hier unmöglich in einer Rezension vorstellen und ausführlich beschreiben. Das würde den Rahmen sprengen, lässt aber leider viele gute Lieder unerwähnt. Ich empfehle dem geneigten Leser aber schon an dieser Stelle, diese baldmöglich selbst zu erkunden. Das möchte ich einfach mal voranstellen. Ich werde jetzt hier nur eine Auswahl der Titel näher vorstellen, die für meinen Geschmack und nach zweimaligem Hören des Albums zu meinen persönlichen Favoriten gehören. Und wir fangen einfach mal mit dem zweiten Stück auf dem Album an. Es heißt „Die Dummheit“. Darin bedient sich Butschke – mit rauchiger, ruhiger Stimme, sich selbst in Dylan’scher Manier auf Gitarre und Mundharmonika begleitend – eines Zitats von Bertolt Brecht: „Unsichtbar wird die Dummheit, wenn sie genügend große Ausmaße angenommen hat.“ Viel besser lässt sich die aktuelle Lage der Nation – ach was – der ganzen Welt gar nicht ausdrücken. Es ist nur einer der lauten Momente, die der Liedermacher hier mit geliehenen Worten, die schon ein paar Tage älter sind, aber nichts an ihrer Aktualität verloren haben, in seinem neuen Werk verbaut hat.
Gar nicht so alt und schon gar nicht geliehen sind die lauten Wortmeldungen, die Butschke aus den eigenen Gedanken aufs Papier hat fließen und zu Liedern werden lassen. Damit geht er noch viel tiefer ins Detail als es Bert Brecht mit seiner Zeile getan hat, und beschreibt diese inzwischen total verrückte und aus den Angeln gehobene Welt, auf der wir im Jahre 2026 wandeln dürfen.
Schon im Opener „Moderator“ fährt uns Volkmann mit feinem Sarkasmus und einer blumig beschriebenen Lage, in der wir uns alle befinden, unters Fell. Musikalisch komplett relaxt zaubert er uns hier eine Lagerfeuerballade mit Gitarre und Mundharmonika in die Stube und setzt mit seinem Text gezielt Nadelstiche: „Mein linker Platz ist leer, ich wünsche mir Till Uhlenspiegel her. Leb wohl, du armes geplagtes Land. Ich laufe über’s Meer und Gnade dir Gott, du kämst hinterher“, heißt es darin. Mit dieser Mischung aus politischer Satire, Resignation und literarischen Anspielungen wird das Fehlen einer brauchbaren Strömung von links beklagt. Hier wäre wohl der Till Eulenspiegel ein guter Vertreter gewesen, der den Menschen durch Spott, Ironie und das Vorhalten eines Spiegels ihre Dummheit vor Augen führte. Innerlich hat man sich deshalb wohl schon vom eigenen Land verabschiedet und drückt die Frustration bewusst auch mit einer überhöhten Sprache aus („Gnade dir Gott, du kämst hinterher“). Der gesamte Text mit all dem, was einem das Leben so richtig vermiest und was Gründe liefert, möglichst schnell zu flüchten, hätte durchaus in laute und von Rockgitarren dominierte Arrangements gepasst. Aber Peter Butschke hat sich hier wohl bewusst für eben diese völlig entspannte Musik und Vortragsweise entschieden. Kein lautes Wort, kein lauter Ton – einfach nur Ruhe, die den Hörer über die Nebengeräusche zwischen den Zeilen laut anschreit.
Ebenso entspannt kommt der Song „Die 5 Sinne“ daher, den Butschke im 4/4-Takt als Klammer-Blues angelegt hat. Akustikgitarre, Mundharmonika und Schlagzeug – mehr braucht der Sänger nicht, um über all seine Sinne festzustellen, dass Angstmacher, Kriegstreiber, Antidemokraten, Gesellschaftsspalter und Giftmischer wieder mitten unter uns sind und munter ihr Unwesen treiben. Er macht auch deutlich, dass wir aus der Geschichte einfach nichts gelernt haben und dies alles scheinbar wieder zulassen. Und auch wenn Butschke hier niemanden beim Namen nennt, kann man in dem Lied ganz deutlich hören, wer gemeint ist. Und wer es nicht kann, muss einfach nur die Nachrichten schauen.
Zusammen mit Hardy Krischkowsky, der in den Achtzigern mit dem Duo Report in der DDR erfolgreich war und heute mit einem eigenen Pink-Floyd-Programm unterwegs ist, besingt Peter Butschke in dem Song „Militär“ die unsinnige Wiederaufrüstung einer Armee, die eigentlich niemand braucht. Erstmals auf dieser Scheibe wird dann auch eine E-Gitarre ausgepackt, die das Anliegen, das das Stück verfolgt, ein wenig zorniger wirken lässt. Die Botschaft lautet: Es werden Milliarden für die Rüstung ausgegeben, aber sicherer fühlt man sich dadurch nicht – übrigens nirgendwo auf der Welt.
Musikalisch weht uns dann bei „Orden fürs Morden“ ein bisschen Simon & Garfunkel mit einem Hauch von Latino-Einflüssen um die Ohren. In diesem Antikriegssong wird der Schrecken des Krieges, verklausuliert beschrieben und in einer ruhig dahinplätschernden Melodie verpackt, gereicht und junge Soldaten als „grünes Kanonenfutter“ und als „Schießautomaten fürs Millionengrab“ bezeichnet. Nur gut, dass die Musik so positiv ist, um von der inhaltlichen Tragödie nicht komplett heruntergezogen zu werden.
Ebenso erwähnenswert ist der Song „Hilf mir raus aus diesem Kino“, der mit seinem auf Klavier, Schlagzeug und Gesang reduzierten Arrangement fast schon wie ein Jacques-Brel-Titel klingt. Die teils unerträgliche Alltagssituation– und hier darf sich jeder selbst die Frage beantworten, wie und in welcher Form er sie gerade erlebt – wird hier wie ein alptraumhafter Besuch im Kino beschrieben. Der Film ist voller Gewalt und mit einer Handlung, die sich nicht mehr nachvollziehen lässt. Man möchte eigentlich nur gehen, aber die Eingangstüren sind geschlossen. Man kommt nicht raus. Man ist mittendrin und muss es bis zum Schluss ertragen. Und auch wenn man gar nicht wissen möchte, wie es ausgeht, wartet man auf das Ende. Auch hier ist Volkmann eine großartige Verarbeitung eines aktuellen Themas gelungen, indem er das Ertragen der aktuellen Weltgeschichte über die Medien mit einer starken Metapher, nämlich einem Kinobesuch, beschreibt. br> In „La Corrida“ (zu Deutsch: „Der Stierkampf“) macht Volkmann dann auch noch seine ihn in Tränen treibende Abscheu vor eben solchen Kämpfen deutlich. Er drückt sein Unverständnis darüber aus, dass es immer noch so viele Leute in die Arenen zieht, um mit anzusehen, wie Menschen ein Tier quälen, um das dann auch noch lautstark zu feiern. Diesen Protest kleidet der Künstler allerdings nicht in Molltöne, sondern lässt zumindest über die Musik ein Stück weit Optimismus durchklingen, dass sich dieser Umstand, dass manche sich im Jahre 2026 immer noch „wie Tiere“ und wie vor vielen hundert Jahren benehmen, bald ändert und man den Respekt vor der Natur und dem Leben endlich auch in Spanien findet.
Wer aber glaubt, Peter Butschke malt uns auf „Schade“ mit 21 Liedern und einer Laufzeit von über 60 Minuten einfach nur dunkle Bilder und sorgt damit für eine üble Verstimmung, die eine Delfintherapie nötig macht, wird sich freuen: So ist es nämlich nicht, denn das Album bietet mehr. In all dem „Schrecken des Alltags“, der aber stets mit Wortwitz, Sarkasmus und Verklausulierungen gereicht wird, gibt es auch kleine Inseln der Erholung. Das Lied „Für G“ ist so eine. Es geht um die Liebe zu einem ganz besonderen Menschen. Eine zerbrechlich klingende Melodie, gespielt auf einem Flügel und ergänzt durch Streicher, ist die Grundlage für Butschkes Vortrag, den er mit einem fröhlichen Flöten – wie es einst Roger Whittaker vor seiner Schlagerkarriere sehr gut konnte – einleitet. Das Lied beschreibt die Schönheit des Moments, wenn einen die Liebe erwischt und das Leben komplett auf den Kopf gestellt wird, weil alles ganz plötzlich schöner erscheint. Das Gras ist grüner und die Nacht auch nicht mehr so grau, wie er in dem Song selbst mit ruhiger und sonorer Stimme singt. Ein wirklich wunderschönes Lied mit Gänsehautgarantie.
Einen ebenso positiven Inhalt trägt das Lied „Stau“ in sich, das mit sommerlichen Bossa-Nova-Klängen vom Kennen- und Liebenlernen einer Frau berichtet, die fast schon als Wunder beschrieben wird. Diese beiden gerade beschriebenen Inseln unterstreichen ganz dick, dass das Leben trotz aller Widrigkeiten, aller unschönen Ereignisse und miesen Verhaltensmustern von Menschen um einen herum immer noch lebenswert ist.
Mit „Schade“ ist Peter Butschke alias Volkmann ein Album gelungen, das nicht laut werden muss, um gehört zu werden. Seine Lieder leben von klugen Texten, starken Bildern und einer musikalischen Zurückhaltung, die den Botschaften erst ihre eigentliche Kraft verleiht. Wer bereit ist, genau hinzuhören, entdeckt ein Werk voller gesellschaftlicher Beobachtungen, Menschlichkeit, Poesie und feinem Humor. Ein Album, das nachwirkt und dessen Texte auch lange nach dem letzten Ton noch im Kopf bleiben. Wie man ein Album mit leisen Liedern produzieren und dabei trotzdem ganz laut sein kann? Das erfahrt Ihr nach dem Erwerb dieses schönen Silberlings, zu dem der Künstler einmal mehr auch das Cover selbst gemalt hat.
(Christian Reder)
Jedes einzelne der 21 Stücke auf diesem Album kann ich hier unmöglich in einer Rezension vorstellen und ausführlich beschreiben. Das würde den Rahmen sprengen, lässt aber leider viele gute Lieder unerwähnt. Ich empfehle dem geneigten Leser aber schon an dieser Stelle, diese baldmöglich selbst zu erkunden. Das möchte ich einfach mal voranstellen. Ich werde jetzt hier nur eine Auswahl der Titel näher vorstellen, die für meinen Geschmack und nach zweimaligem Hören des Albums zu meinen persönlichen Favoriten gehören. Und wir fangen einfach mal mit dem zweiten Stück auf dem Album an. Es heißt „Die Dummheit“. Darin bedient sich Butschke – mit rauchiger, ruhiger Stimme, sich selbst in Dylan’scher Manier auf Gitarre und Mundharmonika begleitend – eines Zitats von Bertolt Brecht: „Unsichtbar wird die Dummheit, wenn sie genügend große Ausmaße angenommen hat.“ Viel besser lässt sich die aktuelle Lage der Nation – ach was – der ganzen Welt gar nicht ausdrücken. Es ist nur einer der lauten Momente, die der Liedermacher hier mit geliehenen Worten, die schon ein paar Tage älter sind, aber nichts an ihrer Aktualität verloren haben, in seinem neuen Werk verbaut hat.
Gar nicht so alt und schon gar nicht geliehen sind die lauten Wortmeldungen, die Butschke aus den eigenen Gedanken aufs Papier hat fließen und zu Liedern werden lassen. Damit geht er noch viel tiefer ins Detail als es Bert Brecht mit seiner Zeile getan hat, und beschreibt diese inzwischen total verrückte und aus den Angeln gehobene Welt, auf der wir im Jahre 2026 wandeln dürfen.
Schon im Opener „Moderator“ fährt uns Volkmann mit feinem Sarkasmus und einer blumig beschriebenen Lage, in der wir uns alle befinden, unters Fell. Musikalisch komplett relaxt zaubert er uns hier eine Lagerfeuerballade mit Gitarre und Mundharmonika in die Stube und setzt mit seinem Text gezielt Nadelstiche: „Mein linker Platz ist leer, ich wünsche mir Till Uhlenspiegel her. Leb wohl, du armes geplagtes Land. Ich laufe über’s Meer und Gnade dir Gott, du kämst hinterher“, heißt es darin. Mit dieser Mischung aus politischer Satire, Resignation und literarischen Anspielungen wird das Fehlen einer brauchbaren Strömung von links beklagt. Hier wäre wohl der Till Eulenspiegel ein guter Vertreter gewesen, der den Menschen durch Spott, Ironie und das Vorhalten eines Spiegels ihre Dummheit vor Augen führte. Innerlich hat man sich deshalb wohl schon vom eigenen Land verabschiedet und drückt die Frustration bewusst auch mit einer überhöhten Sprache aus („Gnade dir Gott, du kämst hinterher“). Der gesamte Text mit all dem, was einem das Leben so richtig vermiest und was Gründe liefert, möglichst schnell zu flüchten, hätte durchaus in laute und von Rockgitarren dominierte Arrangements gepasst. Aber Peter Butschke hat sich hier wohl bewusst für eben diese völlig entspannte Musik und Vortragsweise entschieden. Kein lautes Wort, kein lauter Ton – einfach nur Ruhe, die den Hörer über die Nebengeräusche zwischen den Zeilen laut anschreit.
Ebenso entspannt kommt der Song „Die 5 Sinne“ daher, den Butschke im 4/4-Takt als Klammer-Blues angelegt hat. Akustikgitarre, Mundharmonika und Schlagzeug – mehr braucht der Sänger nicht, um über all seine Sinne festzustellen, dass Angstmacher, Kriegstreiber, Antidemokraten, Gesellschaftsspalter und Giftmischer wieder mitten unter uns sind und munter ihr Unwesen treiben. Er macht auch deutlich, dass wir aus der Geschichte einfach nichts gelernt haben und dies alles scheinbar wieder zulassen. Und auch wenn Butschke hier niemanden beim Namen nennt, kann man in dem Lied ganz deutlich hören, wer gemeint ist. Und wer es nicht kann, muss einfach nur die Nachrichten schauen.
Zusammen mit Hardy Krischkowsky, der in den Achtzigern mit dem Duo Report in der DDR erfolgreich war und heute mit einem eigenen Pink-Floyd-Programm unterwegs ist, besingt Peter Butschke in dem Song „Militär“ die unsinnige Wiederaufrüstung einer Armee, die eigentlich niemand braucht. Erstmals auf dieser Scheibe wird dann auch eine E-Gitarre ausgepackt, die das Anliegen, das das Stück verfolgt, ein wenig zorniger wirken lässt. Die Botschaft lautet: Es werden Milliarden für die Rüstung ausgegeben, aber sicherer fühlt man sich dadurch nicht – übrigens nirgendwo auf der Welt.
Musikalisch weht uns dann bei „Orden fürs Morden“ ein bisschen Simon & Garfunkel mit einem Hauch von Latino-Einflüssen um die Ohren. In diesem Antikriegssong wird der Schrecken des Krieges, verklausuliert beschrieben und in einer ruhig dahinplätschernden Melodie verpackt, gereicht und junge Soldaten als „grünes Kanonenfutter“ und als „Schießautomaten fürs Millionengrab“ bezeichnet. Nur gut, dass die Musik so positiv ist, um von der inhaltlichen Tragödie nicht komplett heruntergezogen zu werden.
Ebenso erwähnenswert ist der Song „Hilf mir raus aus diesem Kino“, der mit seinem auf Klavier, Schlagzeug und Gesang reduzierten Arrangement fast schon wie ein Jacques-Brel-Titel klingt. Die teils unerträgliche Alltagssituation– und hier darf sich jeder selbst die Frage beantworten, wie und in welcher Form er sie gerade erlebt – wird hier wie ein alptraumhafter Besuch im Kino beschrieben. Der Film ist voller Gewalt und mit einer Handlung, die sich nicht mehr nachvollziehen lässt. Man möchte eigentlich nur gehen, aber die Eingangstüren sind geschlossen. Man kommt nicht raus. Man ist mittendrin und muss es bis zum Schluss ertragen. Und auch wenn man gar nicht wissen möchte, wie es ausgeht, wartet man auf das Ende. Auch hier ist Volkmann eine großartige Verarbeitung eines aktuellen Themas gelungen, indem er das Ertragen der aktuellen Weltgeschichte über die Medien mit einer starken Metapher, nämlich einem Kinobesuch, beschreibt. br> In „La Corrida“ (zu Deutsch: „Der Stierkampf“) macht Volkmann dann auch noch seine ihn in Tränen treibende Abscheu vor eben solchen Kämpfen deutlich. Er drückt sein Unverständnis darüber aus, dass es immer noch so viele Leute in die Arenen zieht, um mit anzusehen, wie Menschen ein Tier quälen, um das dann auch noch lautstark zu feiern. Diesen Protest kleidet der Künstler allerdings nicht in Molltöne, sondern lässt zumindest über die Musik ein Stück weit Optimismus durchklingen, dass sich dieser Umstand, dass manche sich im Jahre 2026 immer noch „wie Tiere“ und wie vor vielen hundert Jahren benehmen, bald ändert und man den Respekt vor der Natur und dem Leben endlich auch in Spanien findet.
Wer aber glaubt, Peter Butschke malt uns auf „Schade“ mit 21 Liedern und einer Laufzeit von über 60 Minuten einfach nur dunkle Bilder und sorgt damit für eine üble Verstimmung, die eine Delfintherapie nötig macht, wird sich freuen: So ist es nämlich nicht, denn das Album bietet mehr. In all dem „Schrecken des Alltags“, der aber stets mit Wortwitz, Sarkasmus und Verklausulierungen gereicht wird, gibt es auch kleine Inseln der Erholung. Das Lied „Für G“ ist so eine. Es geht um die Liebe zu einem ganz besonderen Menschen. Eine zerbrechlich klingende Melodie, gespielt auf einem Flügel und ergänzt durch Streicher, ist die Grundlage für Butschkes Vortrag, den er mit einem fröhlichen Flöten – wie es einst Roger Whittaker vor seiner Schlagerkarriere sehr gut konnte – einleitet. Das Lied beschreibt die Schönheit des Moments, wenn einen die Liebe erwischt und das Leben komplett auf den Kopf gestellt wird, weil alles ganz plötzlich schöner erscheint. Das Gras ist grüner und die Nacht auch nicht mehr so grau, wie er in dem Song selbst mit ruhiger und sonorer Stimme singt. Ein wirklich wunderschönes Lied mit Gänsehautgarantie.
Einen ebenso positiven Inhalt trägt das Lied „Stau“ in sich, das mit sommerlichen Bossa-Nova-Klängen vom Kennen- und Liebenlernen einer Frau berichtet, die fast schon als Wunder beschrieben wird. Diese beiden gerade beschriebenen Inseln unterstreichen ganz dick, dass das Leben trotz aller Widrigkeiten, aller unschönen Ereignisse und miesen Verhaltensmustern von Menschen um einen herum immer noch lebenswert ist.
Mit „Schade“ ist Peter Butschke alias Volkmann ein Album gelungen, das nicht laut werden muss, um gehört zu werden. Seine Lieder leben von klugen Texten, starken Bildern und einer musikalischen Zurückhaltung, die den Botschaften erst ihre eigentliche Kraft verleiht. Wer bereit ist, genau hinzuhören, entdeckt ein Werk voller gesellschaftlicher Beobachtungen, Menschlichkeit, Poesie und feinem Humor. Ein Album, das nachwirkt und dessen Texte auch lange nach dem letzten Ton noch im Kopf bleiben. Wie man ein Album mit leisen Liedern produzieren und dabei trotzdem ganz laut sein kann? Das erfahrt Ihr nach dem Erwerb dieses schönen Silberlings, zu dem der Künstler einmal mehr auch das Cover selbst gemalt hat.
(Christian Reder)
Seh- und Hör-Bar:

VÖ: 17.07.2026; Label: TROYKE Records; Katalognummer: 9780201379624, Musiker: Peter Butschke (Gesang, Gitarre, Mundharmonika); Gäste Hardy Krischkowsky (Gesang bei „Militär“), Lothar Hartig (Flöte bei „Keine Parfümerie“); Rainer H. Butschke (Percussion bei „Menschenwolken“), Lutz Gerlach (Keyboard bei „Ich will nicht“), Lexa Thomas (Bass bei „Ich will niciht“), Michael Behm (Schlagzeug bei „Ich will nicht“), Thomas Wendel (E-Gitarre bei „Ich will nicht“); Bemerkung: Dieses Album ist auf CD und als Stream/Download erhältlich;