Sarah Connor: "Freigeistin" (Album)
VÖ: 23.05.2025; Label: Polydor; Katalognummer: 0602475811473 (CD), ; 00602475811527 (Doppel-LP), Musiker: Sarah Connor (Gesang), Rest unbekannt); Bemerkung: Dieses Album ist auf CD und Doppel LP, sowie als Special Edition erhältlich;Titel: " Heut' ist alles gut", "Wilde Nächte", "Souvenir", "FICKA", "Geiles Leben", "Schlechte Idee", "My French Girlfriend", "Ich liebe Dich", "Warum sind wir so? ", "Warum hat mir keiner gesagt?", "Herzen in Aufruhr", "Hölle", "For Life", "Die Fremde", "Du bist da draußen", "Für immer bei Dir", "Tief wie das Meer" |
Rezension:
Sarah Connor hat mit "Freigeistin" in diesem Jahr ein neues Album auf den Markt gebracht. Das Erste, was hier direkt auffällt, ist der mutig gewählte Albumtitel. In direkter Verbindung mit der Sängerin kann man sich dann doch ein süffisantes Grinsen nicht verkneifen. Da würde mir persönlich ein ganz anderes Adjektiv vor dem Substantiv "Geistin" einfallen, das in Bezug auf Frau Connor wesentlich zutreffender wäre … aber egal. Als Zweites sticht einem das Cover mit dem dafür ausgewählten Foto ins Auge. Aus der Ferne betrachtet könnte man meinen, wir haben es hier mit dem neuen Album von Stevie Nicks zu tun. Ach, wäre das schön gewesen, aber am Ende ist man hier davon in so vielerlei Hinsicht weit weit entfernt…
Was bisher geschah … Anfang der Nullerjahre tauchte Frau Connor in den Charts auf und ließ mit Liedern wie "Let's Get Back to Bed - Boy!", "French Kissing", "One Nite Stand" oder "Skin on Skin" der Fantasie nur wenig Spielraum, wo wohl die Hauptinteressen der jungen Dame zu liegen schienen. Der Autor dieser Zeilen ist wahrlich nicht prüde oder verklemmt, aber man verliert halt schnell das Interesse, wenn einem der Inhalt eines Films schon vor dessen Premiere bis ins kleinste Detail gespoilert wird. Nicht nur thematisch, sondern besonders auch musikalisch wurde uns dann oftmals auch eine tanzbare oder balladesk dahin trällernde Laubsägearbeit gereicht, die sich schon innerhalb kürzester Zeit selbst überlebt hatte. Für mich kein Wunder, dass ihre Lieder aus der Anfangszeit kaum bis gar nicht mehr im Radioprogramm zu hören sind!
Zugegeben: Sarah Connor verfügt über eine ausgesprochen gute Stimme. Ausgestattet mit dieser Gabe kann sie so manches Sternchen an die Wand singen. Damit hat es sich nach hiesiger Meinung dann aber auch schon. Ihr Auftreten damals und die eben erwähnten Pop-Nümmerchen, die sie bis zu ihrem Sprachwechsel im Jahre 2015 ("Muttersprache") rausgehauen hat, nervten schnell, sodass sie und ihr Output ruckzuck in der imaginären Grabbelkiste landeten. Und nein, an dieser Stelle soll über all die anderen Peinlichkeiten, die nebenher gelaufen sind - wie zum Beispiel diese völlig überflüssige TV-Sendung "Sarah & Marc in Love" und ihre fehlende Textsicherheit bei der Nationalhymne - gar nicht erst philosophiert werden … Geschenkt. Das ist Geschichte. Was aber nicht Geschichte ist, ist der Fakt, dass nun diese neue Produktion im Raume steht, und darüber MÜSSEN wir sprechen.
Es fiel bereits beim letzten Album auf, dass man ihr eigentlich alles, was nichts mit dem Thema Liebemachen und "Liebe versprühen" zu tun hat , und was sie fast schon missionierend mit dem Brustton der Überzeugung in die Welt flötete, nicht abkaufen will. Inhaltlich (aber auch musikalisch) bedient sie fleißig den Massengeschmack. Alles das, was man gern von Leuten, die in der Öffentlichkeit stehen, hören möchte, gibt sie dann auch brav zum Besten. Und da wird auch nichts ausgelassen, um nach außen ein perfektes Bild abzugeben und auch ja nicht anzuecken. Gab man sich in den Anfängen in seinen zu erzählenden Geschichten eher freizügig, setzt man heute auf Political Correctness und moralinsaure Grußbotschaften an all die, die sich erlauben, andere Meinungen zu vertreten bzw. andere Geschmäcker zu haben. Und man kann es gar nicht oft genug sagen: Das ist alles andere als glaubwürdig.
Fangen wir doch mal bei der Single mit dem wenig subtilen Namen "FICKA" an. Hier werden Hass-Kommentare zitiert, die sie scheinbar über soziale Netzwerke oder per Mail kassiert hat, und posaunt mit stolz geschwellter Brust die Botschaft hinaus, dass einem das ja alles egal sei und dass das alles an einem abprallt. Man ist ja persönlich genau da, wo man sein möchte, und dreht den feigen Verbalattentätern auf diesem Wege eine lange Nase. Echt? Warum macht man darüber dann ein Lied, wenn man doch da drübersteht? Und warum beleidigt man die Absender der dummen Kommentare dann auch noch auf ähnlich niveaulose Weise ("FICKA")? Das wirkt alles andere als souverän und man ist damit nicht besser als die eigenen Hater - und abkaufen will man ihr diese selbstbewusste Haltung deshalb am Ende auch nicht. Von wegen "Freigeistin".
Das neue Album wird eingeleitet mit dem Lied "Heut' ist alles gut". Perfekt produziert, perfekt gesungen, perfekt auf das Fernsehgarten-Publikum zugeschnitten. Jetzt, wo vorne die Vier steht, angelt man also gepflegt beim Schlagerpublikum und bei den Senioren nach neuen Kunden. Überrascht ist man da nicht … "Freigeistin"? Wirklich? Allerdings wird man hier schon nach dem ersten Hören von einem Ohrwurm heimgesucht, den man so nicht haben wollte. Genauso wenig wie den, der einem nach dem Anschauen der Carglas- oder Calgon-Werbung auf den Sack geht. Ja, danke schön ...
Im Mainstream-Popsong "Wilde Nächte" wünscht sich die Sängerin dann die alten Zeiten zurück - wieder so sein wie das Mädchen von damals, singt sie da. Echt jetzt??? Da wieder hin? Oh bitte nicht! Das Thema hatten wir doch gerade hier erst!
Einmal geschüttelt und man landet bei "Souvenir". Und als hätte man es geahnt … Frau Connor ist tatsächlich wieder in den Nullerjahren zurück. Sie hatte es ja gerade mehr oder weniger angekündigt … Es geht (natürlich) um One-Night-Stands. Meine Güte, das hatten wir doch alles schon. Zwar nicht in dieser Verpackung - die ist jetzt etwas zeitgemäßer - aber die Geschmacksrichtung ist die gleiche. Langweilig. Vorhersehbar. Und man möchte das von ihr auch gar nicht hören, zumal man - wie schon erwähnt - in ihrer Anfangszeit ungefragt alles erzählt bekommen hat, was man gar nicht wissen wollte.
Dann bekommen wir mit "Geiles Leben" noch flott eine belanglose Ballade kredenzt - und irgendwo zwischen dem Opener und dem Weg hierher hat man dann endgültig die Lust auf mehr Musik von ihr und die Aufmerksamkeit verloren. Den Rest wie z.B. "Schlechte Idee" (Dieses Album hier? Jau!), "Hölle" (Da war ich gerade eine knappe Stunde - kommt hin) oder "Ich liebe dich" (ach, wie nett)M überfliegt man schnell und entdeckt auch hier nichts Neues. Über Sound und Inhalte der folgenden Lieder verlieren wir dann auch gar nicht mehr allzu viele Worte und kommen dann doch lieber zum Fazit:
Die Bilder, die Frau Connor in ihren Texten malt, sind so spannend wie ein Dia-Vortrag bei den in die Jahre gekommenen Nachbarn mit Urlaubsfotos von Malle. Das kennt man irgendwie alles schon, man sieht Dinge, die man gar nicht sehen will, und man wünscht sich, schnell irgendwie da weg zu kommen. Immer wieder kommt sie auf ihr Lieblingsthema - und auch musikalisch kann Frau Connor an keiner Stelle dieser Platte überraschen. Das ist schöne Tanzmusik für irgendeine Schlagersendung. Dort klatscht das Publikum schon, wenn die Klimaanlage einen gleichmäßigen Takt schlägt, und hinterfragt auch gar nicht, was ihm da inhaltlich untergejubelt wird. Da passt es hin. Da ist es sicherlich auch der heiße Scheiß. Wer aber nicht auf "Groschenromane" und eher auf echte Literatur steht, fühlt sich hier nicht abgeholt, nicht gut unterhalten - und kulturell auch überhaupt nicht gut ernährt. Nein, das war mal wieder nichts, Frau Connor.
Ach so: Wer Sarah Connor in gut hören möchte, möge bitte bei Leony vorbeischauen. Gute Inhalte, fein arrangierte Musik, sympathische Erscheinung - und stimmlich auf einem Niveau wie Frau Connor. Jünger, handwerklich frischer und wesentlich mutiger. Es geht also auch anders.
(Christian Reder)
Was bisher geschah … Anfang der Nullerjahre tauchte Frau Connor in den Charts auf und ließ mit Liedern wie "Let's Get Back to Bed - Boy!", "French Kissing", "One Nite Stand" oder "Skin on Skin" der Fantasie nur wenig Spielraum, wo wohl die Hauptinteressen der jungen Dame zu liegen schienen. Der Autor dieser Zeilen ist wahrlich nicht prüde oder verklemmt, aber man verliert halt schnell das Interesse, wenn einem der Inhalt eines Films schon vor dessen Premiere bis ins kleinste Detail gespoilert wird. Nicht nur thematisch, sondern besonders auch musikalisch wurde uns dann oftmals auch eine tanzbare oder balladesk dahin trällernde Laubsägearbeit gereicht, die sich schon innerhalb kürzester Zeit selbst überlebt hatte. Für mich kein Wunder, dass ihre Lieder aus der Anfangszeit kaum bis gar nicht mehr im Radioprogramm zu hören sind!
Zugegeben: Sarah Connor verfügt über eine ausgesprochen gute Stimme. Ausgestattet mit dieser Gabe kann sie so manches Sternchen an die Wand singen. Damit hat es sich nach hiesiger Meinung dann aber auch schon. Ihr Auftreten damals und die eben erwähnten Pop-Nümmerchen, die sie bis zu ihrem Sprachwechsel im Jahre 2015 ("Muttersprache") rausgehauen hat, nervten schnell, sodass sie und ihr Output ruckzuck in der imaginären Grabbelkiste landeten. Und nein, an dieser Stelle soll über all die anderen Peinlichkeiten, die nebenher gelaufen sind - wie zum Beispiel diese völlig überflüssige TV-Sendung "Sarah & Marc in Love" und ihre fehlende Textsicherheit bei der Nationalhymne - gar nicht erst philosophiert werden … Geschenkt. Das ist Geschichte. Was aber nicht Geschichte ist, ist der Fakt, dass nun diese neue Produktion im Raume steht, und darüber MÜSSEN wir sprechen.
Es fiel bereits beim letzten Album auf, dass man ihr eigentlich alles, was nichts mit dem Thema Liebemachen und "Liebe versprühen" zu tun hat , und was sie fast schon missionierend mit dem Brustton der Überzeugung in die Welt flötete, nicht abkaufen will. Inhaltlich (aber auch musikalisch) bedient sie fleißig den Massengeschmack. Alles das, was man gern von Leuten, die in der Öffentlichkeit stehen, hören möchte, gibt sie dann auch brav zum Besten. Und da wird auch nichts ausgelassen, um nach außen ein perfektes Bild abzugeben und auch ja nicht anzuecken. Gab man sich in den Anfängen in seinen zu erzählenden Geschichten eher freizügig, setzt man heute auf Political Correctness und moralinsaure Grußbotschaften an all die, die sich erlauben, andere Meinungen zu vertreten bzw. andere Geschmäcker zu haben. Und man kann es gar nicht oft genug sagen: Das ist alles andere als glaubwürdig.
Fangen wir doch mal bei der Single mit dem wenig subtilen Namen "FICKA" an. Hier werden Hass-Kommentare zitiert, die sie scheinbar über soziale Netzwerke oder per Mail kassiert hat, und posaunt mit stolz geschwellter Brust die Botschaft hinaus, dass einem das ja alles egal sei und dass das alles an einem abprallt. Man ist ja persönlich genau da, wo man sein möchte, und dreht den feigen Verbalattentätern auf diesem Wege eine lange Nase. Echt? Warum macht man darüber dann ein Lied, wenn man doch da drübersteht? Und warum beleidigt man die Absender der dummen Kommentare dann auch noch auf ähnlich niveaulose Weise ("FICKA")? Das wirkt alles andere als souverän und man ist damit nicht besser als die eigenen Hater - und abkaufen will man ihr diese selbstbewusste Haltung deshalb am Ende auch nicht. Von wegen "Freigeistin".
Das neue Album wird eingeleitet mit dem Lied "Heut' ist alles gut". Perfekt produziert, perfekt gesungen, perfekt auf das Fernsehgarten-Publikum zugeschnitten. Jetzt, wo vorne die Vier steht, angelt man also gepflegt beim Schlagerpublikum und bei den Senioren nach neuen Kunden. Überrascht ist man da nicht … "Freigeistin"? Wirklich? Allerdings wird man hier schon nach dem ersten Hören von einem Ohrwurm heimgesucht, den man so nicht haben wollte. Genauso wenig wie den, der einem nach dem Anschauen der Carglas- oder Calgon-Werbung auf den Sack geht. Ja, danke schön ...
Im Mainstream-Popsong "Wilde Nächte" wünscht sich die Sängerin dann die alten Zeiten zurück - wieder so sein wie das Mädchen von damals, singt sie da. Echt jetzt??? Da wieder hin? Oh bitte nicht! Das Thema hatten wir doch gerade hier erst!
Einmal geschüttelt und man landet bei "Souvenir". Und als hätte man es geahnt … Frau Connor ist tatsächlich wieder in den Nullerjahren zurück. Sie hatte es ja gerade mehr oder weniger angekündigt … Es geht (natürlich) um One-Night-Stands. Meine Güte, das hatten wir doch alles schon. Zwar nicht in dieser Verpackung - die ist jetzt etwas zeitgemäßer - aber die Geschmacksrichtung ist die gleiche. Langweilig. Vorhersehbar. Und man möchte das von ihr auch gar nicht hören, zumal man - wie schon erwähnt - in ihrer Anfangszeit ungefragt alles erzählt bekommen hat, was man gar nicht wissen wollte.
Dann bekommen wir mit "Geiles Leben" noch flott eine belanglose Ballade kredenzt - und irgendwo zwischen dem Opener und dem Weg hierher hat man dann endgültig die Lust auf mehr Musik von ihr und die Aufmerksamkeit verloren. Den Rest wie z.B. "Schlechte Idee" (Dieses Album hier? Jau!), "Hölle" (Da war ich gerade eine knappe Stunde - kommt hin) oder "Ich liebe dich" (ach, wie nett)M überfliegt man schnell und entdeckt auch hier nichts Neues. Über Sound und Inhalte der folgenden Lieder verlieren wir dann auch gar nicht mehr allzu viele Worte und kommen dann doch lieber zum Fazit:
Die Bilder, die Frau Connor in ihren Texten malt, sind so spannend wie ein Dia-Vortrag bei den in die Jahre gekommenen Nachbarn mit Urlaubsfotos von Malle. Das kennt man irgendwie alles schon, man sieht Dinge, die man gar nicht sehen will, und man wünscht sich, schnell irgendwie da weg zu kommen. Immer wieder kommt sie auf ihr Lieblingsthema - und auch musikalisch kann Frau Connor an keiner Stelle dieser Platte überraschen. Das ist schöne Tanzmusik für irgendeine Schlagersendung. Dort klatscht das Publikum schon, wenn die Klimaanlage einen gleichmäßigen Takt schlägt, und hinterfragt auch gar nicht, was ihm da inhaltlich untergejubelt wird. Da passt es hin. Da ist es sicherlich auch der heiße Scheiß. Wer aber nicht auf "Groschenromane" und eher auf echte Literatur steht, fühlt sich hier nicht abgeholt, nicht gut unterhalten - und kulturell auch überhaupt nicht gut ernährt. Nein, das war mal wieder nichts, Frau Connor.
Ach so: Wer Sarah Connor in gut hören möchte, möge bitte bei Leony vorbeischauen. Gute Inhalte, fein arrangierte Musik, sympathische Erscheinung - und stimmlich auf einem Niveau wie Frau Connor. Jünger, handwerklich frischer und wesentlich mutiger. Es geht also auch anders.
(Christian Reder)
Seh- und Hör-Bar:

VÖ: 23.05.2025; Label: Polydor; Katalognummer: 0602475811473 (CD), ; 00602475811527 (Doppel-LP), Musiker: Sarah Connor (Gesang), Rest unbekannt); Bemerkung: Dieses Album ist auf CD und Doppel LP, sowie als Special Edition erhältlich;