
Interview vom 17. Juli 2026
Manch ein Kollege von Deutsche Mugge ist selbst künstlerisch kreativ und aktiv. So auch Rainer Buck. Mit "Musik der Sterne" hat der Autor nun sein Buch über den Dichter Joseph von Eichendorff veröffentlicht. Dass Rainer dieses Buch schreiben konnte, hat er der Rockband Schwarzbrenner zu verdanken. Denn von ihr und ihrer Musik wurde er inspiriert. Im Juli 2026 hat er nun in seiner Heimatstadt Marbach am Neckar diese Biografie vorgestellt. Warum ein von 1788 bis 1857 lebender Dichter der Romantik gerade heute interessant ist und was das Buch mit dem Thema Musik zu tun hat, verrät er im nachstehenden Gespräch mit seinem Vereinskollegen Christian ...
Rainer, Glückwunsch zu dem neu erschienenen Buch. Dein erstes?
Nein, aber so etwas wie ein literarisches Comeback. Zwischen 2010 und 2016 habe ich in verschiedenen Verlagen vier Romane sowie zwei Erzählbiografien über Karl May und Dostojewski veröffentlicht. Dazu ein Hörspiel. Dann hatte ich mein Ideenkontingent erst einmal abgearbeitet und außer ein paar Kurzgeschichten für Anthologien nichts mehr geschrieben, abgesehen natürlich von Musikrezensionen. Mein Dostojewski-Buch erlebte vor wenigen Jahren immerhin eine Taschenbuch-Neuauflage, aber für ein neues Buch bedurfte es eines besonderen Anstoßes.
Und der kam woher?
Ich bin ein großer Bewunderer der Band SCHWARZBRENNER, die sich durch die Vertonung lyrischer Texte in der Szene einen Namen gemacht hat. Der Kopf der Band ist Wolfgang Becker, ein besonderer Literaturfreund, der sich mit verschiedenen Epochen der Lyrik beschäftig und in den letzten Jahren einen Schwerpunkt auf die Deutsche Romantik gelegt hat. Als er mir letztes Jahr erzählte, dass man 2026 eine Anthologie mit den gesammelten Eichendorff-Vertonungen der Band plante, hatte ich urplötzlich eine Idee, wie ich meine bisherigen Literatur-Biografien zur Trilogie erweitern könnte: Eichendorff gehörte nämlich zeitlebens zu meinen Lieblingen. Nicht so dominant wie May und Dostojewski, aber seit Schulzeiten immer hochgeschätzt. Ich hatte ein vages Grundwissen, wie Eichendorff gelebt hat, aber ich war selbst neugierig darauf, die näheren Umstände seines Lebens und Wirkens zu entdecken.
Das heißt aber, dass es schon Bücher über Eichendorff gibt, in denen man das nachlesen kann. Warum dann noch ein Buch über ihn?
Da gibt es doch die Redewendung: "Es ist schon alles gesagt, aber nicht von mir!" (lacht). Nein, im Ernst. Besonders zu meinem Dostojewski-Buch kam öfters die Rückmeldung, es habe den Vorzug, dass man es flüssig, fast wie eine Erzählung, lesen kann. Auch wenn man nicht unbedingt den Vorsatz hat, sich Expertenwissen anzueignen oder das Werk des Autors zu erforschen, könne man sich doch ein Bild über Leben und Zeit machen. Diese Anschaulichkeit habe ich auch in dem Eichendorff-Buch angestrebt. Man soll in kompakter Form nacherleben können, was den Dichter geprägt und in seiner Kunst angetrieben hat, seine "Message" sozusagen. Er soll dem Leser als Mensch aus Fleisch und Blut begegnen.
Was macht für dich die Faszination Eichendorffs aus? Wirkt er nicht wie der Repräsentant einer fernen Zeit?
Klar lebte er in einer längst vergangenen Epoche. Mit der Romantik verknüpft man vielleicht sentimentale Naturbeobachtung oder Klagen über verflossene Liebschaften. Aber bei genauer Betrachtung war das seinerzeit eine wirklich progressive Bewegung, die gegen den Mief der Bürgerlichkeit aufbegehrte und sich gegen die zunehmende Ökonomisierung des gesellschaftlichen Lebens wandte. Der Aufklärung hielt man entgegen, dass das Leben mehr ist als das, was man in Formeln berechnen oder mit profanen Mitteln erklären kann. Das Sympathische an Eichendorff ist für mich, dass er von ganzem Herzen Romantiker war, darüber aber immer eine gesunde Bodenhaftung behielt. Er konnte die Schwarmgeister unter seinen Künstlerkollegen auch mal satirisch aufs Korn nehmen, wenn sie in eine Rolle schlüpften, die ihm nicht authentisch erschien. Er selbst fügte sich aus Verantwortungsbewusstsein für seine Familie in ein Beamtendasein in preußischen Diensten, aber er ging nicht darin auf. Die Kunst spielte bis ins hohe Alter eine entscheidende Rolle in seinem Leben, ohne dass er sich wirtschaftlich davon abhängig machen wollte.
Du erwähnst in deinem Buch die Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts", die 1826, also vor genau 200 Jahren erstmals vollständig als Buch erschien. Sollte sie mir oder unseren Lesern was sagen?
Zu meiner Schulzeit, ich bin Jahrgang 1965, war sie am Gymnasium noch Pflichtlektüre. Für mich erwies sich das jedoch als eine angenehme Pflicht, denn mir gefiel der Held; dieser unbekümmerte Müllersohn, der sich durch die Welt treiben lässt, sich an der Natur erfreut, sich nicht dadurch entmutigen lässt, dass seine heimliche Liebe unerreichbar erscheint. "Wem Gott will rechte Gunst erweisen/den schickt er in die weite Welt", singt der Taugenichts und "Die Trägen, die zu Hause liegen/erquicket nicht das Morgenrot"; dies wurde ein Volks- und Wanderlied, vermutlich ohne dass den meisten Sängern so richtig aufgeht, wie subversiv einige Zeilen sind. In den 70er Jahren wurde der "Taugenichts" verfilmt, die DEFA-Version mit dem unvergessenen Dean Reed fängt nach meiner Erinnerung zumindest die Stimmung der Geschichte recht gut ein.
Und du findest, man sollte Eichendorff heute noch lesen?
Wenn man sich selbst etwas Gutes tun möchte, auf jeden Fall. Zumindest einige seiner Gedichte, den "Taugenichts" oder auch den Roman "Ahnung und Gegenwart". Das ist wie Balsam für die Seele in der heutigen Zeit, wobei es mehr ist als reiner Eskapismus. Ich denke, die Infragestellung einer materialistisch ausgerichteten Gesellschaft ist heute so aktuell wie damals. Von Eichendorff kann man übrigens auch lernen, dass Heimatliebe und Patriotismus nichts zu tun haben mit Feindseligkeit gegenüber anderen Nationen und dass echte religiöse Überzeugung ohne Ausgrenzung Andersdenkender auskommt.
Aber gibt es nicht Autoren aus unserer Zeit, die näher dran sind an dem was uns heute beschäftigt? Man könnte solche klassische Lektüre doch für eine Form von Sentimentalität halten?
Ich muss über diese Bemerkung ein wenig grinsen, wenn ich so darüber nachdenke, was viele von uns so musikalisch begeistert. Obs die alten Sachen von Karat sind, Stern Meißen, Gundermann oder auch die Beatles, Stones und viele andere. Ich finde, authentische Musik hat etwas Zeitloses, und das findet man auch in wertiger Literatur, die im übrigen deshalb nicht verkopft sein muss. Aber ich will auch niemand partout überzeugen, nun ganz tief in die Eichendorff-Lektüre einzusteigen. Eine Essenz, etwas vom Zauber seiner Person und von der Bedeutung seines Schaffens, fängt hoffentlich auch schon mein Büchlein ein, das aus sich selbst etwas Schönes in die Welt tragen möchte; vergleichbar einem guten Musikalbum.

Rainer Buck bei der Buchpräsentation in Marbach
Daher der Titel "Musik der Sterne"?
Der Titel stammt aus einem Eichendorff- Gedicht und wurde von der schon erwähnten Band SCHWARZBRENNER zu einem packenden Rock-Refrain verarbeitet. Wen die alten Worte und Lieder im Herzen ergreifen, dessen Leben fällt in die Musik der Sterne. Ich denke, wer sich Begeisterungsfähigkeit für Schönes erhalten hat, kann es nachvollziehen.
Rainer, Glückwunsch zu dem neu erschienenen Buch. Dein erstes?
Nein, aber so etwas wie ein literarisches Comeback. Zwischen 2010 und 2016 habe ich in verschiedenen Verlagen vier Romane sowie zwei Erzählbiografien über Karl May und Dostojewski veröffentlicht. Dazu ein Hörspiel. Dann hatte ich mein Ideenkontingent erst einmal abgearbeitet und außer ein paar Kurzgeschichten für Anthologien nichts mehr geschrieben, abgesehen natürlich von Musikrezensionen. Mein Dostojewski-Buch erlebte vor wenigen Jahren immerhin eine Taschenbuch-Neuauflage, aber für ein neues Buch bedurfte es eines besonderen Anstoßes.
Und der kam woher?
Ich bin ein großer Bewunderer der Band SCHWARZBRENNER, die sich durch die Vertonung lyrischer Texte in der Szene einen Namen gemacht hat. Der Kopf der Band ist Wolfgang Becker, ein besonderer Literaturfreund, der sich mit verschiedenen Epochen der Lyrik beschäftig und in den letzten Jahren einen Schwerpunkt auf die Deutsche Romantik gelegt hat. Als er mir letztes Jahr erzählte, dass man 2026 eine Anthologie mit den gesammelten Eichendorff-Vertonungen der Band plante, hatte ich urplötzlich eine Idee, wie ich meine bisherigen Literatur-Biografien zur Trilogie erweitern könnte: Eichendorff gehörte nämlich zeitlebens zu meinen Lieblingen. Nicht so dominant wie May und Dostojewski, aber seit Schulzeiten immer hochgeschätzt. Ich hatte ein vages Grundwissen, wie Eichendorff gelebt hat, aber ich war selbst neugierig darauf, die näheren Umstände seines Lebens und Wirkens zu entdecken.
Das heißt aber, dass es schon Bücher über Eichendorff gibt, in denen man das nachlesen kann. Warum dann noch ein Buch über ihn?
Da gibt es doch die Redewendung: "Es ist schon alles gesagt, aber nicht von mir!" (lacht). Nein, im Ernst. Besonders zu meinem Dostojewski-Buch kam öfters die Rückmeldung, es habe den Vorzug, dass man es flüssig, fast wie eine Erzählung, lesen kann. Auch wenn man nicht unbedingt den Vorsatz hat, sich Expertenwissen anzueignen oder das Werk des Autors zu erforschen, könne man sich doch ein Bild über Leben und Zeit machen. Diese Anschaulichkeit habe ich auch in dem Eichendorff-Buch angestrebt. Man soll in kompakter Form nacherleben können, was den Dichter geprägt und in seiner Kunst angetrieben hat, seine "Message" sozusagen. Er soll dem Leser als Mensch aus Fleisch und Blut begegnen.

Was macht für dich die Faszination Eichendorffs aus? Wirkt er nicht wie der Repräsentant einer fernen Zeit?
Klar lebte er in einer längst vergangenen Epoche. Mit der Romantik verknüpft man vielleicht sentimentale Naturbeobachtung oder Klagen über verflossene Liebschaften. Aber bei genauer Betrachtung war das seinerzeit eine wirklich progressive Bewegung, die gegen den Mief der Bürgerlichkeit aufbegehrte und sich gegen die zunehmende Ökonomisierung des gesellschaftlichen Lebens wandte. Der Aufklärung hielt man entgegen, dass das Leben mehr ist als das, was man in Formeln berechnen oder mit profanen Mitteln erklären kann. Das Sympathische an Eichendorff ist für mich, dass er von ganzem Herzen Romantiker war, darüber aber immer eine gesunde Bodenhaftung behielt. Er konnte die Schwarmgeister unter seinen Künstlerkollegen auch mal satirisch aufs Korn nehmen, wenn sie in eine Rolle schlüpften, die ihm nicht authentisch erschien. Er selbst fügte sich aus Verantwortungsbewusstsein für seine Familie in ein Beamtendasein in preußischen Diensten, aber er ging nicht darin auf. Die Kunst spielte bis ins hohe Alter eine entscheidende Rolle in seinem Leben, ohne dass er sich wirtschaftlich davon abhängig machen wollte.
Du erwähnst in deinem Buch die Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts", die 1826, also vor genau 200 Jahren erstmals vollständig als Buch erschien. Sollte sie mir oder unseren Lesern was sagen?
Zu meiner Schulzeit, ich bin Jahrgang 1965, war sie am Gymnasium noch Pflichtlektüre. Für mich erwies sich das jedoch als eine angenehme Pflicht, denn mir gefiel der Held; dieser unbekümmerte Müllersohn, der sich durch die Welt treiben lässt, sich an der Natur erfreut, sich nicht dadurch entmutigen lässt, dass seine heimliche Liebe unerreichbar erscheint. "Wem Gott will rechte Gunst erweisen/den schickt er in die weite Welt", singt der Taugenichts und "Die Trägen, die zu Hause liegen/erquicket nicht das Morgenrot"; dies wurde ein Volks- und Wanderlied, vermutlich ohne dass den meisten Sängern so richtig aufgeht, wie subversiv einige Zeilen sind. In den 70er Jahren wurde der "Taugenichts" verfilmt, die DEFA-Version mit dem unvergessenen Dean Reed fängt nach meiner Erinnerung zumindest die Stimmung der Geschichte recht gut ein.
Und du findest, man sollte Eichendorff heute noch lesen?
Wenn man sich selbst etwas Gutes tun möchte, auf jeden Fall. Zumindest einige seiner Gedichte, den "Taugenichts" oder auch den Roman "Ahnung und Gegenwart". Das ist wie Balsam für die Seele in der heutigen Zeit, wobei es mehr ist als reiner Eskapismus. Ich denke, die Infragestellung einer materialistisch ausgerichteten Gesellschaft ist heute so aktuell wie damals. Von Eichendorff kann man übrigens auch lernen, dass Heimatliebe und Patriotismus nichts zu tun haben mit Feindseligkeit gegenüber anderen Nationen und dass echte religiöse Überzeugung ohne Ausgrenzung Andersdenkender auskommt.
Aber gibt es nicht Autoren aus unserer Zeit, die näher dran sind an dem was uns heute beschäftigt? Man könnte solche klassische Lektüre doch für eine Form von Sentimentalität halten?
Ich muss über diese Bemerkung ein wenig grinsen, wenn ich so darüber nachdenke, was viele von uns so musikalisch begeistert. Obs die alten Sachen von Karat sind, Stern Meißen, Gundermann oder auch die Beatles, Stones und viele andere. Ich finde, authentische Musik hat etwas Zeitloses, und das findet man auch in wertiger Literatur, die im übrigen deshalb nicht verkopft sein muss. Aber ich will auch niemand partout überzeugen, nun ganz tief in die Eichendorff-Lektüre einzusteigen. Eine Essenz, etwas vom Zauber seiner Person und von der Bedeutung seines Schaffens, fängt hoffentlich auch schon mein Büchlein ein, das aus sich selbst etwas Schönes in die Welt tragen möchte; vergleichbar einem guten Musikalbum.

Rainer Buck bei der Buchpräsentation in Marbach
Daher der Titel "Musik der Sterne"?
Der Titel stammt aus einem Eichendorff- Gedicht und wurde von der schon erwähnten Band SCHWARZBRENNER zu einem packenden Rock-Refrain verarbeitet. Wen die alten Worte und Lieder im Herzen ergreifen, dessen Leben fällt in die Musik der Sterne. Ich denke, wer sich Begeisterungsfähigkeit für Schönes erhalten hat, kann es nachvollziehen.
Interview: Christian Reder
Fotos: Armin Vogel
Fotos: Armin Vogel

