
Interview vom 17. September 2026
Viele Menschen wünschen sich, dass sich ihre Lieblingskünstler politisch nicht auf irgendeine Seite schlagen oder vor irgendeinen Karren spannen lassen. Ganz besonders störend finden sie es, wenn auf Konzerten, für die sie teuer Geld bezahlt haben um für zwei Stunden dem Alltag zu entrinnen, minutenlange Monologe über das Verhindern des politischen Feindes oder um das Ausgrenzen von "Putin-Freunden" und Impfgegnern hören zu müssen. Da mögen sie recht haben. Denn wer erwartet von jemandem, der künstlerisch sonst nur in seichten Gewässern schippert, großartige Patentlösungen, um den Weltfrieden herzustellen? Außerdem möchte man in seiner Wohlfühlzone politisch nicht schon wieder missioniert werden. Trotzdem gibt es Musik, in der die Politik schlicht und ergreifend ein wichtiges Element ist. Das Publikum, das das politische Lied schätzt, sucht sich dann aber auch aus, von wem sie diese Botschaften hören möchten. Peter Butschke, früher ein Teil der Gruppe Pension Volkmann, ist einer dieser Musiker, der, ohne seinen Hörern mit der flachen Hand ins Gesicht zu schlagen, Botschaften transportiert, die politische Inhalte haben. Um die Ohrfeige kommt man bei ihm zwar herum, aber Salz in die Wunden streut er trotzdem. Manchmal muss es schmerzhaft sein, auch wenn es lyrisch schön verpackt ist. Dies hat er einmal mehr auf seinem neuen Album mit dem Titel "Schade" getan. Wir haben es euch bereits vor Wochen hier vorgestellt. Nun haben wir mit Peter Butschke nach vielen Jahren mal wieder reden können und dieses Album natürlich zum Hauptthema gemacht. Unser Kollege Christian hat sich mit dem Musiker unterhalten, der tiefe Einblicke in seine neueste Arbeit gab. Das komplette Gespräch könnt ihr jetzt hier nachlesen ...
Peter, zwischen "Volkmanns Gitarren" und "Schade" liegen sieben Jahre. Hattest du beim Schreiben dieses Albums das Gefühl, dass sich die Welt stärker verändert hat als du selbst - oder war es genau umgekehrt?
Es hat sich alles kolossal verändert. Obwohl man damals ahnen konnte, wohin es gehen wird. Ein Teil der Songs entstanden ja bereits weit vor 2026. Wenn man einigermaßen wachsam ist, kann man doch mitbekommmen, in welche Richtung der Hase läuft.
Beim Hören entsteht sofort der Eindruck, dass "Schade" kein gewöhnliches Album sondern fast ein Tagebuch deiner Beobachtungen geworden ist. War das von Anfang an so geplant oder haben sich die Lieder erst nach und nach zu einem Gesamtbild zusammengefügt?
Da war nichts geplant. Wie ich schon sagte, wenn man wachsam bleibt, schreibt man seine Sicht über diese Zeit. Dazu kamen noch Texte von Werner Karma und Jens Peter Kruse (El Aleman). Von Werner sind zwei Texte und von El Aleman ebenso.
In meiner Rezension habe ich geschrieben, dass deine Lieder leise sind und trotzdem laut wirken. Ist das vielleicht sogar die größere Provokation - Menschen zum Nachdenken zu bringen, ohne sie anzuschreien?
Ich denke, das ist eh jetzt die bessere Möglichkeit, die Menschen zu erreichen. Im Moment finde ich die meisten Sachen, die ich höre, zu vollgestopft und zu laut. Es nervt.
Viele Künstler reagieren auf gesellschaftliche Entwicklungen mit Wut oder Empörung. Du wirkst dagegen eher wie jemand, der genau beobachtet und daraus Poesie mit tiefen zynischen bzw. sarkastischen Einschlägen entstehen lässt. Woher kommt diese Ruhe?
Vielleicht hat das auch mit meinem fortgeschrittenen Alter zu tun. Meine etwas lauteren Zeiten liegen doch schon weiter zurück.
Glaubst du, dass ein Lied heute überhaupt noch etwas verändern kann - oder schreibst du inzwischen nur noch, weil du selbst diese Gedanken loswerden musst?
Haben denn Lieder selbst schon mal was verändert? Man kann Mut machen. Vielleicht hilft das eine oder andere Lied dem Einen oder der Anderen, frühmorgens doch wieder aufzustehen, weil der gehörte Song wieder Kraft gegeben hat. Das glaube ich schon. Und man selbst kann dadurch etwas loswerden, es staut sich nicht auf.
Auf "Schade" ziehen sich Themen wie Krieg, Angst, Manipulation und gesellschaftliche Spaltung durch viele Titel. Würdest du sagen, dass dieses Album dein bislang politischstes Werk geworden ist?
Nun, das kann sein. Natürlich habe ich immer Stellung bezogen, aber hier kommt es wohl geballter und das liegt schon an der Zeit, in der wir gerade leben.
Die Texte nennen selten konkrete Personen oder Parteien. War dir wichtig, dass die Lieder auch in verschiedene Richtungen zu deuten sind? Immerhin liegt ja nicht nur in Deutschland vieles im Argen …
Personen oder Parteien zu nennen fällt bei mir oder uns meistens aus. Einmal bezogen wir den Kanzler Schröder mit ein. Ich denke, wenn man die Texte hört, kann man schon orten, wer oder was gemeint ist.
Wo endet für dich politische Kunst - und wo beginnt parteipolitische Agitation?
Ist denn Kunst, und ich meine jetzt wirkliche Kunst, auch immer politisch?

Peter Butschke (Foto: Herbert Schulze, KI-generiert)
Auffällig ist, dass du häufig mit Bildern arbeitest, statt Botschaften direkt auszusprechen. Hast du Freude daran, wie z.B. in "Hilf mir raus aus diesem Kino", ein Problem in einen komplett anderen Zusammenhang zu setzen?
Mit Bildern zu spielen haben wir in der DDR doch immer gut gekonnt. So wird doch ein Song viel interessanter. Dieser Text ist von meinem Kollegen Jens Peter Kruse (El Aleman), und ebenso die Komposition. Mir hat dieser Song so gefallen und ich hatte ihn gefragt, ob er mir den mal borgt. Er hat mit Freude ja gesagt und somit landete er mit auf dieser CD.
Schreibst du persönlich eigentlich einen Text so lange um, bis jedes Wort sitzt - oder vertraust du auch schonmal dem ersten Gedanken?
Man hat manchmal nur einen Gedanken, aber der zeigt schon, wo es hingehen soll. Daran baut sich dann alles andere auf. Wenn ich alles zusammen habe, lasse ich es einige Zeit sacken. Dann schaue ich es mir wieder an … Gefällt es mir noch, oder fällt das eine oder andere wieder raus und wird mit etwas Neuem ausgetauscht? Es kann auch vorkommen, eine komplette Strophe fliegt raus und muss ersetzt werden.
Im Opener "Moderator" taucht plötzlich Till Eulenspiegel auf. Warum gerade diese Figur? Was verkörpert sie für dich heute?
Den könnte ich mir gut vorstellen, unangemeldet auf irgend einem Parteitag hiesiger Parteien zu erscheinen, um dort aufzutreten. Einen Spiegel natürlich immer mit dabei.
Du zitierst in "Die Dummheit" Bertolt Brecht. Wann war dir klar, dass dieser Satz unbedingt auf dieses Album gehört?
Das mit der Dummheit ist doch nicht erst heute ein Problem. Er hatte es doch in seiner Lebenszeit ebenso vor Augen, und wir wissen um welche es sich da handelt.
In dem Lied "Die 5 Sinne" beschreibst du eine Gesellschaft, die scheinbar nichts aus ihrer Geschichte gelernt hat. Macht dir das Angst, oder macht es dich eher traurig?
Das ist der zweite geborgte Titel von El Aleman. Auch hier sind Text und Musik von ihm. Wir sehen es doch heute wieder und nicht erst seit dem Corona-Vorkommnis, oder dem schrecklichen Krieg in der Ukraine. Die Menschheit fängt - mein Eindruck - irgendwie immer wieder von vorne an. Das kann schon Angst machen und traurig allemal. Das ist SCHADE.
Mit "Militär" und "Orden fürs Morden" gibt es gleich zwei Antikriegslieder auf deinem Album - Das ist eine ganze Menge mehr, als andere Künstler in unserem Land hinbekommen. Findest du es nicht auch komisch, dass so wenig Leute gegen den Krieg aufstehen und laut werden?
Ich finde es eher beängstigend, dass zu viele dieses böse Spiel nicht durchschauen. Die Öffentlich-Rechtlichen und privaten Medien tun aber auch alles, möglichst soviele Gehirne zu waschen wie es nur geht. Auch deshalb der vertonte Brecht-Satz über die Dummheit.
Glaubst du, dass Antikriegslieder heute schwieriger geworden sind, weil inzwischen fast jede Seite überzeugt ist, moralisch im Recht zu sein? Bei uns in Deutschland gibt es ja sowas wie die "Putin-Versteher" und die absoluten Hardliner, wenn es um die bedingungslose Unterstützung der Ukraine geht. Irgendeinem tritt man doch immer auf den Fuß, oder?
Wenn man möchte, kann man sich doch trotzdem so informieren, um durchzublicken, wie das ganze Drama mit der Ukraine begann. Selbst in den Öffentlich-Rechtlichen waren die kritischen Stimmen noch 2014/15 zu hören. Die sind ja nun total in der Versenkung verschwunden.
Zwischen all den kritischen Liedern wirkt "Für G" beinahe wie ein Lichtstrahl. Braucht ein Album wie "Schade" solche Hoffnungsmomente? Und wer ist G.?
Darum ging es mir nicht. Wenn man genau zuhört, könnte man doch feststellen, es sind alles Liebeslieder. Das Leben lieben halt. Ja, und "Für G." ist eine vergangene Liebesbeziehung.
"Stau" zeigt eine ganz andere Seite von dir. Ist diese Geschichte echt oder fiktiv?
"STAU" ist schon eine fiktive Geschichte, mit schönen Bildern. Ich mag dieses Lied und besonders die Mundtrompete am Schluss.
Du hast beim letzten Mal gesagt, du spielst lieber weniger Konzerte und suchst dir die Auftritte aus. Hat sich dein Verhältnis zur Bühne verändert oder genießt du heute einfach das ruhige Arbeiten mehr?
Ich bin nicht mehr so gern unterwegs. Kann sein, das liegt vielleicht auch an meinem fortgeschrittenen Alter. Weniger und ausgesucht kommt mir schon entgegen. Das ruhigere Arbeiten in meinem Umfeld und im Studio ist mir schon lieber.
Das mag jetzt etwas provokant klingen, aber hast du heute beim Komponieren noch den Ehrgeiz, musikalisch etwas Neues zu entdecken - oder verwendest du bewusst die eigene und bekannte Handschrift als passende Gewänder für die Texte?
Ich meine, eher Letzteres. Viele erkennen doch meine kompositorische Handschrift, und darin fühle ich mich auch wohl. Das ist doch mit entscheidend. Nun noch nach etwas Neuem zu suchen wäre sicher Krampf.
Gibt es Themen, über die du bewusst kein Lied schreiben würdest?
Ganz sicher, wenn etwas Menschenverachtendes angeboten würde.
Was ist schwieriger: ein Lied zu schreiben oder eines wegzulassen?
Eins zu schreiben ist sicher schwieriger. Weglassen kann man mitunter recht schnell, wenn man kein gutes Gefühl mehr dazu hat und man nicht mehr voll dahinterstehen kann.
Nach diesem Album - hast du das Gefühl, alles gesagt zu haben, was die auf der Seele lag, oder entstehen bereits wieder neue Lieder?
Da ist schon vieles dabei, was mir auf der Seele lag und liegt. Nun aber, mein Leben ist ja noch nicht zu Ende. Es ist wieder was Neues geplant und einige neue Songs sind auch schon fertig. Soll diesmal mit einem Kollegen Songschreiber passieren. Eine Hälfte Songs von ihm, die andere von mir.
Wenn die Menschen in zwanzig Jahren nur ein einziges Lied von "Schade" hören würden: Welches würdest du dir wünschen - und warum? Lassen wir "Für G" einfach mal weg, denn das liegt ja zu nah ??
Gute Frage. Wie eigentlich alle Fragen, die Du stellst. Ich würde "Menschenwolken" und "Stau" nehmen. "Menschenwolken" um zu sehen, ob sich bis dahin etwas zum Positiven auf unserer schönen Erde getan hat. Übrigens, dieser Text und der vom Titel "Stau" sind von Werner Karma. "Stau" auch noch dazu, weil es schöne Bilder hat und eben ein liebes Liebeslied ist.
Zum Schluss möchte ich den Albumtitel noch einmal aufgreifen: Warum hast du es ausgerechnet so genannt, und nicht etwa "Die 5 Sinne" oder - noch heftiger - "Alles verkommt?
Weil ich es SCHADE find, dass die Menschheit noch immer diese Schrecklichkeiten erleben muss.
Peter, zwischen "Volkmanns Gitarren" und "Schade" liegen sieben Jahre. Hattest du beim Schreiben dieses Albums das Gefühl, dass sich die Welt stärker verändert hat als du selbst - oder war es genau umgekehrt?
Es hat sich alles kolossal verändert. Obwohl man damals ahnen konnte, wohin es gehen wird. Ein Teil der Songs entstanden ja bereits weit vor 2026. Wenn man einigermaßen wachsam ist, kann man doch mitbekommmen, in welche Richtung der Hase läuft.
Beim Hören entsteht sofort der Eindruck, dass "Schade" kein gewöhnliches Album sondern fast ein Tagebuch deiner Beobachtungen geworden ist. War das von Anfang an so geplant oder haben sich die Lieder erst nach und nach zu einem Gesamtbild zusammengefügt?
Da war nichts geplant. Wie ich schon sagte, wenn man wachsam bleibt, schreibt man seine Sicht über diese Zeit. Dazu kamen noch Texte von Werner Karma und Jens Peter Kruse (El Aleman). Von Werner sind zwei Texte und von El Aleman ebenso.
In meiner Rezension habe ich geschrieben, dass deine Lieder leise sind und trotzdem laut wirken. Ist das vielleicht sogar die größere Provokation - Menschen zum Nachdenken zu bringen, ohne sie anzuschreien?
Ich denke, das ist eh jetzt die bessere Möglichkeit, die Menschen zu erreichen. Im Moment finde ich die meisten Sachen, die ich höre, zu vollgestopft und zu laut. Es nervt.
Viele Künstler reagieren auf gesellschaftliche Entwicklungen mit Wut oder Empörung. Du wirkst dagegen eher wie jemand, der genau beobachtet und daraus Poesie mit tiefen zynischen bzw. sarkastischen Einschlägen entstehen lässt. Woher kommt diese Ruhe?
Vielleicht hat das auch mit meinem fortgeschrittenen Alter zu tun. Meine etwas lauteren Zeiten liegen doch schon weiter zurück.
Glaubst du, dass ein Lied heute überhaupt noch etwas verändern kann - oder schreibst du inzwischen nur noch, weil du selbst diese Gedanken loswerden musst?
Haben denn Lieder selbst schon mal was verändert? Man kann Mut machen. Vielleicht hilft das eine oder andere Lied dem Einen oder der Anderen, frühmorgens doch wieder aufzustehen, weil der gehörte Song wieder Kraft gegeben hat. Das glaube ich schon. Und man selbst kann dadurch etwas loswerden, es staut sich nicht auf.
Auf "Schade" ziehen sich Themen wie Krieg, Angst, Manipulation und gesellschaftliche Spaltung durch viele Titel. Würdest du sagen, dass dieses Album dein bislang politischstes Werk geworden ist?
Nun, das kann sein. Natürlich habe ich immer Stellung bezogen, aber hier kommt es wohl geballter und das liegt schon an der Zeit, in der wir gerade leben.
Die Texte nennen selten konkrete Personen oder Parteien. War dir wichtig, dass die Lieder auch in verschiedene Richtungen zu deuten sind? Immerhin liegt ja nicht nur in Deutschland vieles im Argen …
Personen oder Parteien zu nennen fällt bei mir oder uns meistens aus. Einmal bezogen wir den Kanzler Schröder mit ein. Ich denke, wenn man die Texte hört, kann man schon orten, wer oder was gemeint ist.
Wo endet für dich politische Kunst - und wo beginnt parteipolitische Agitation?
Ist denn Kunst, und ich meine jetzt wirkliche Kunst, auch immer politisch?

Peter Butschke (Foto: Herbert Schulze, KI-generiert)
Auffällig ist, dass du häufig mit Bildern arbeitest, statt Botschaften direkt auszusprechen. Hast du Freude daran, wie z.B. in "Hilf mir raus aus diesem Kino", ein Problem in einen komplett anderen Zusammenhang zu setzen?
Mit Bildern zu spielen haben wir in der DDR doch immer gut gekonnt. So wird doch ein Song viel interessanter. Dieser Text ist von meinem Kollegen Jens Peter Kruse (El Aleman), und ebenso die Komposition. Mir hat dieser Song so gefallen und ich hatte ihn gefragt, ob er mir den mal borgt. Er hat mit Freude ja gesagt und somit landete er mit auf dieser CD.
Schreibst du persönlich eigentlich einen Text so lange um, bis jedes Wort sitzt - oder vertraust du auch schonmal dem ersten Gedanken?
Man hat manchmal nur einen Gedanken, aber der zeigt schon, wo es hingehen soll. Daran baut sich dann alles andere auf. Wenn ich alles zusammen habe, lasse ich es einige Zeit sacken. Dann schaue ich es mir wieder an … Gefällt es mir noch, oder fällt das eine oder andere wieder raus und wird mit etwas Neuem ausgetauscht? Es kann auch vorkommen, eine komplette Strophe fliegt raus und muss ersetzt werden.
Im Opener "Moderator" taucht plötzlich Till Eulenspiegel auf. Warum gerade diese Figur? Was verkörpert sie für dich heute?
Den könnte ich mir gut vorstellen, unangemeldet auf irgend einem Parteitag hiesiger Parteien zu erscheinen, um dort aufzutreten. Einen Spiegel natürlich immer mit dabei.
Du zitierst in "Die Dummheit" Bertolt Brecht. Wann war dir klar, dass dieser Satz unbedingt auf dieses Album gehört?
Das mit der Dummheit ist doch nicht erst heute ein Problem. Er hatte es doch in seiner Lebenszeit ebenso vor Augen, und wir wissen um welche es sich da handelt.
In dem Lied "Die 5 Sinne" beschreibst du eine Gesellschaft, die scheinbar nichts aus ihrer Geschichte gelernt hat. Macht dir das Angst, oder macht es dich eher traurig?
Das ist der zweite geborgte Titel von El Aleman. Auch hier sind Text und Musik von ihm. Wir sehen es doch heute wieder und nicht erst seit dem Corona-Vorkommnis, oder dem schrecklichen Krieg in der Ukraine. Die Menschheit fängt - mein Eindruck - irgendwie immer wieder von vorne an. Das kann schon Angst machen und traurig allemal. Das ist SCHADE.

Mit "Militär" und "Orden fürs Morden" gibt es gleich zwei Antikriegslieder auf deinem Album - Das ist eine ganze Menge mehr, als andere Künstler in unserem Land hinbekommen. Findest du es nicht auch komisch, dass so wenig Leute gegen den Krieg aufstehen und laut werden?
Ich finde es eher beängstigend, dass zu viele dieses böse Spiel nicht durchschauen. Die Öffentlich-Rechtlichen und privaten Medien tun aber auch alles, möglichst soviele Gehirne zu waschen wie es nur geht. Auch deshalb der vertonte Brecht-Satz über die Dummheit.
Glaubst du, dass Antikriegslieder heute schwieriger geworden sind, weil inzwischen fast jede Seite überzeugt ist, moralisch im Recht zu sein? Bei uns in Deutschland gibt es ja sowas wie die "Putin-Versteher" und die absoluten Hardliner, wenn es um die bedingungslose Unterstützung der Ukraine geht. Irgendeinem tritt man doch immer auf den Fuß, oder?
Wenn man möchte, kann man sich doch trotzdem so informieren, um durchzublicken, wie das ganze Drama mit der Ukraine begann. Selbst in den Öffentlich-Rechtlichen waren die kritischen Stimmen noch 2014/15 zu hören. Die sind ja nun total in der Versenkung verschwunden.
Zwischen all den kritischen Liedern wirkt "Für G" beinahe wie ein Lichtstrahl. Braucht ein Album wie "Schade" solche Hoffnungsmomente? Und wer ist G.?
Darum ging es mir nicht. Wenn man genau zuhört, könnte man doch feststellen, es sind alles Liebeslieder. Das Leben lieben halt. Ja, und "Für G." ist eine vergangene Liebesbeziehung.
"Stau" zeigt eine ganz andere Seite von dir. Ist diese Geschichte echt oder fiktiv?
"STAU" ist schon eine fiktive Geschichte, mit schönen Bildern. Ich mag dieses Lied und besonders die Mundtrompete am Schluss.
Du hast beim letzten Mal gesagt, du spielst lieber weniger Konzerte und suchst dir die Auftritte aus. Hat sich dein Verhältnis zur Bühne verändert oder genießt du heute einfach das ruhige Arbeiten mehr?
Ich bin nicht mehr so gern unterwegs. Kann sein, das liegt vielleicht auch an meinem fortgeschrittenen Alter. Weniger und ausgesucht kommt mir schon entgegen. Das ruhigere Arbeiten in meinem Umfeld und im Studio ist mir schon lieber.

Das mag jetzt etwas provokant klingen, aber hast du heute beim Komponieren noch den Ehrgeiz, musikalisch etwas Neues zu entdecken - oder verwendest du bewusst die eigene und bekannte Handschrift als passende Gewänder für die Texte?
Ich meine, eher Letzteres. Viele erkennen doch meine kompositorische Handschrift, und darin fühle ich mich auch wohl. Das ist doch mit entscheidend. Nun noch nach etwas Neuem zu suchen wäre sicher Krampf.
Gibt es Themen, über die du bewusst kein Lied schreiben würdest?
Ganz sicher, wenn etwas Menschenverachtendes angeboten würde.
Was ist schwieriger: ein Lied zu schreiben oder eines wegzulassen?
Eins zu schreiben ist sicher schwieriger. Weglassen kann man mitunter recht schnell, wenn man kein gutes Gefühl mehr dazu hat und man nicht mehr voll dahinterstehen kann.
Nach diesem Album - hast du das Gefühl, alles gesagt zu haben, was die auf der Seele lag, oder entstehen bereits wieder neue Lieder?
Da ist schon vieles dabei, was mir auf der Seele lag und liegt. Nun aber, mein Leben ist ja noch nicht zu Ende. Es ist wieder was Neues geplant und einige neue Songs sind auch schon fertig. Soll diesmal mit einem Kollegen Songschreiber passieren. Eine Hälfte Songs von ihm, die andere von mir.
Wenn die Menschen in zwanzig Jahren nur ein einziges Lied von "Schade" hören würden: Welches würdest du dir wünschen - und warum? Lassen wir "Für G" einfach mal weg, denn das liegt ja zu nah ??
Gute Frage. Wie eigentlich alle Fragen, die Du stellst. Ich würde "Menschenwolken" und "Stau" nehmen. "Menschenwolken" um zu sehen, ob sich bis dahin etwas zum Positiven auf unserer schönen Erde getan hat. Übrigens, dieser Text und der vom Titel "Stau" sind von Werner Karma. "Stau" auch noch dazu, weil es schöne Bilder hat und eben ein liebes Liebeslied ist.
Zum Schluss möchte ich den Albumtitel noch einmal aufgreifen: Warum hast du es ausgerechnet so genannt, und nicht etwa "Die 5 Sinne" oder - noch heftiger - "Alles verkommt?
Weil ich es SCHADE find, dass die Menschheit noch immer diese Schrecklichkeiten erleben muss.
Interview: Christian Reder
Fotos: Peter Butschke Pressematerial, Herbert Schulze
Fotos: Peter Butschke Pressematerial, Herbert Schulze

