
Interview vom 20. Juni 2025
In diesen Tagen ist viel von der Gruppe Prinzip und auch von der Band Pankow die Rede - und bei beiden war unser heutiger Gast als Keyboarder aktiv. Während Prinzip bereits seit vielen Jahren nicht mehr existiert, befindet sich Pankow derzeit auf Abschiedstournee. Doch von Prinzip gibt es bald etwas Neues - oder besser gesagt: etwas Neues Altes. Denn die in Kürze erscheinende Schallplatte enthält einen Live-Mitschnitt aus dem Jahr 1978 - das erste Live-Album der Band Prinzip (Rezension siehe HIER). Viele Fans hatten sich über die Jahre hinweg ein Comeback gewünscht; das hat es zwar nie gegeben, aber nun erscheint immerhin ein Live-Dokument, das es in sich hat. Rainer Kirchmann, seinerzeit aktiv auf der Bühne, ist auf dieser Platte selbstverständlich zu hören. Doch das ist nur ein Teil seiner Geschichte. In diesem Interview erzählt Rainer Kirchmann von seinen musikalischen Anfängen - als junger Sänger auf dem Spielplatz, von seiner Ausbildung, seinen zahlreichen Stationen im Musikgeschäft und auch von jenen Wegen, die er nie gegangen ist ...
Jetzt erscheint das erste Live-Album von PRINZIP. Das Konzert, welches hier zu hören sein wird, stammt von 1978, das ist also fast 50 Jahre her. Kanntest du die Aufnahmen, kannst du dich daran und an das Konzert im Speziellen noch erinnern?
Ja, ich kann mich sehr gut daran erinnern und habe die Aufnahmen auch noch auf einer Festplatte gespeichert. Die Stimmung war super, aber das war ja bei PRINZIP-Konzerten immer der Fall. Die Leute kamen immer gleich nach vorne an den Bühnenrand geflitzt und haben ordentlich Wirbel veranstaltet.
Das ist eine sehr interessante Geschichte, dass dieses Album jetzt rauskommt. Und dann auch noch auf Vinyl. Hast du das fertige Produkt schon in den Händen halten können?
Nein, bisher noch nicht.
Bevor wir zum Thema PRINZIP kommen, fangen wir mal ganz vorne bei dir an. Wie ich gelesen habe, bist du schon sehr früh mit Musik in Berührung gekommen. In Deiner Vita kann man lesen, dass du schon mit sechs Jahren auf Familienfeiern Musik gemacht hast. Stimmt das?
Ja, das stimmt. Meine Eltern haben leidenschaftlich gerne gesungen. Zuhause trällerten sie eigentlich pausenlos umher. Wir wohnten in einer Kleinstadt in einem Haus mit 27 Familien, wo es zwangsläufig auch viele Kinder gab. Während ich mit den anderen Kindern auf dem Hof spielte, hatten meine Eltern oft das Fenster auf und sangen vor sich hin. Meine Mutter sang gerne Schlager, mein Vater eher Operetten. Natürlich hörte man das im Hof, was aber irgendwie dazugehörte und als ganz normale akustische Begleitung eingeordnet wurde. Man wusste eben, die Kirchmanns singen wieder und niemand störte sich daran. Damit wurde ich also groß und trällerte dann irgendwann selber die Lieder meiner Eltern.
Mit sechs Jahren hast du bereits dein erstes Klavier bekommen. Wolltest du selber Klavier spielen oder haben deine Eltern dich da herangeführt?
Ich wollte das selber. Durch mein musikalisches Umfeld war das für mich interessant. Mein Onkel hatte zum Beispiel, obwohl wir nur in einer kleinen Stadt namens Luckenwalde wohnten, ein Tonbandgerät. Und auf diesem Tonbandgerät nahm mein Onkel die Lieder auf, die ich so sang. Zum Beispiel "Du bist die Welt für mich". Wichtige Momente waren auch das Spielen sogenannter bunter Veranstaltungen, was wir Kinder bei jeder Gelegenheit taten. Wir bauten uns dazu eine Art Bühne aus Sand und während die anderen Kinder sich davor setzten und das Publikum spielten, ging ich auf die Bühne und fing an, meine Lieder zu singen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass die Betreiber der kleinen Geschäfte, die es rund um unser Haus gab, vor ihren Läden standen und mir zuhörten. Eine Frau mit einem Krämerladen kam sogar mal extra zu mir herüber und brachte mir Bonbons. Das fand ich natürlich toll, dass man jetzt auch noch Bonbons fürs Singen bekommt.
Dann war es wohl nur eine logische Folge, dass du mit fünfzehn Jahren auf die Spezialschule für Musik gegangen bist, oder?
Zunächst einmal brachten mich meine Eltern zum Klavierunterricht. Da musste man ja für die Aufnahmeprüfung auch schon vorsingen, was zur Folge hatte, dass ich nach Meinung eines Lehrers unbedingt zum Thomaner Chor sollte. Meine Eltern konnten deshalb ein paar Nächte lang nicht schlafen. Ich war ihr einziges Kind und sollte nun nach Leipzig zu diesem Chor, das fanden sie nicht so prickelnd. Ich bin ihnen heute noch dankbar dafür, dass sie das damals dann auch ablehnten.
Es waren zwar ganz andere Zeiten, aber ich frage mich trotzdem, wie man als Junge in deinem Alter schon auf eine Spezialschule für Musik kommt. Hätte es da auch noch Alternativen gegeben?
Es gab ja damals wie heute die typischen Musikschulen. Und jede Musikschule hat schon immer seine talentiertesten Leute, so diese es denn wollten, zu einer Aufnahmeprüfung für diese Spezialschule für Musik geschickt und dann wurde man dort entweder angenommen oder auch nicht. Bei mir war der treibende Keil derselbe Musiklehrer, der mich auch schon zum Thomaner Chor delegieren wollte. Ende der 8. Klasse fuhr dieser Lehrer mit mir nach Berlin. Er hatte mich auch richtig gut auf diese Prüfung vorbereitet, indem er mir ziemlich schwere Stücke beibrachte, die ich dort vorspielte. Es dauerte nicht lange, bis ich den Bescheid erhielt, dass ich an der Spezialschule angenommen bin. Mit Beginn des 9. Schuljahres ging es dann dort los.
Letzten Endes hast du dort dein Abitur gemacht und bist anschließend zur Uni gegangen. Aber ich habe gelesen, dass du schon 1968 deine erste Band gegründet hast. Erzähle uns mal bitte, wie es dazu kam.
1968 war ich schon auf dieser Spezialschule für Musik. Dort gab es ja nicht nur Schüler, die Klassik lernten und gespielt haben, sondern es war auch die Zeit der ROLLING STONES und der BEATLES. Diese Art Musik wollten natürlich auch einige spielen und ich war einer von denen, die das Ganze forciert haben. Ich habe immer auf dem Klavier die Stücke der STONES und BEATLES nachgespielt. Damals hatte ich noch kein Tonbandgerät und auch keinen Plattenspieler, also habe ich die Songs im Radio gehört und dann aus dem Kopf nachgespielt. Ich war auf der Spezialschule im Internat untergebracht und wir hatten zu der Zeit einen Internatsleiter, der sich darum kümmerte, dass wir Instrumente bekamen. Im Speziellen eine Bassgitarre, zwei E-Gitarren, ein Schlagzeug, Mikrofone und einen Verstärker. So kam es, dass ein paar von uns dann eine Band gründeten, mit der wir zu allen möglichen Gelegenheiten auch aufgetreten sind.
Trotzdem ging deine Musikerkarriere nicht schnurstracks geradeaus weiter, sondern du bist nach dem Abitur zurück in deine Heimatstadt und hast eine Ausbildung zum Werkzeugmacher gemacht. Warum?
Ich habe relativ schnell gemerkt, dass das Klavier und die klassische Musik in dieser Mischung nichts für mich war. Pianist konnte man damals sowieso nicht so ohne weiteres werden. Ich glaube, davon gab es in der DDR auch nur fünf Stück, die wirklich bekannt waren und durch die Lande gezogen sind. Man konnte ansonsten nur so eine Art Begleitmusiker werden, zum Beispiel für einen Violinisten. Der kann ja nicht ständig ein Sinfonie Orchester zum Üben ordern, sondern brauchte dafür eine Begleitung am Klavier. Dann gab es noch die Option, Klavierlehrer zu werden, aber das eine war für mich ebenso uninteressant wie das andere. Vielmehr Interesse brachte ich stattdessen für die Musik der BEATLES und der ROLLING STONES auf. Ich wurde dann mit der Zeit auch sehr nachlässig, was das Üben am Klavier betraf, so dass mein Klavierspiel auch immer schlechter wurde und ich deshalb irgendwann von der Spezialschule geflogen bin. Ich ging wieder zurück in meine Heimatstadt Luckenwalde und machte dort erstmal das Abitur.
Warum wurde es dann ausgerechnet der Beruf des Werkzeugmachers und nicht so etwas wie Bäcker oder Konditor? Werkzeugmacher ist ja schon ein sehr spezieller Beruf.
Das hing damit zusammen, dass man das Abitur entweder auf der EOS (heute Gymnasium) machen konnte, oder man hatte die Möglichkeit, die Berufsausbildung mit Abitur zu machen. In Luckenwalde gab es eine BBS (Betriebsberufsschule), auf der man eine Facharbeiterausbildung oder Facharbeiter plus Abitur machen konnte. Meine Eltern waren für Letzteres, so nach dem Motto: "Wenn du das machst, hast du wenigstens einen ordentlichen Abschluss in der Tasche". Die Ausbildung mit Abitur dauerte ein Jahr länger als die blanke Berufsausbildung, aber am Ende war es egal.
Die Raben (Fotograf unbekannt/Fotobestand Rainer Kirchmann)
Parallel dazu bist du der Musik aber treu geblieben, denn du bist als Keyboarder in eine Band namens DIE RABEN eingestiegen. Wie kam es denn dazu?
Ich hatte großes Interesse, in einer Band mitzuspielen. Anfangs ging ich immer zu den Proben der RABEN und hatte Glück, denn einmal fehlte der Organist. Ich setzte mich einfach ans Klavier und spielte drauf los. Die Jungs merkten sofort, dass da von mir etwas Brauchbares kommt. Trotzdem dauerte es noch ein Weilchen, bis es ernst wurde. Ich war jedenfalls immer sonntags da, wenn die Band im Jugendklubhaus gespielt hat, hörte aufmerksam und euphorisch zu und träumte Woche für Woche davon, bei den RABEN mitzuspielen. Und eines Tages, als ich in der Werkhalle an meiner Hobelmaschine stand, kamen zwei Jungs aus der Band und fragten mich, ob ich bei ihnen einsteigen möchte. Ihr Keyboarder hat geheiratet und muss aufhören, da seine Frau das nicht mehr möchte. Das war ein totaler Glückstreffer. Ich fing umgehend bei den RABEN an, aber nur eine Woche später kam der bisherige Keyboarder zurück, weil er erkannt hatte, wie blöde er war, die Band zu verlassen. Aber jetzt war die Sache gelaufen.
Waren denn DIE RABEN auch die Band, mit der du 1970 bei Heinz Quermanns "Herzklopfen kostenlos" deinen ersten Fernsehauftritt hattest?
Nein, da war ich alleine. Wie das genau zustande kam, weiß ich nicht mehr. Aber ich hatte mir einen Song der ROTEN GITARREN aus Polen angeeignet. Der Song hieß "Anna Maria" und gefiel mir wirklich gut. Also schrieb ich mir den Text mithilfe von mehrfachem Hören raus, denn ich hatte keine Platte davon. Wir übernahmen das Lied auch mit der Band für unsere Tanzabende und ich habe es gesungen.
Bei Heinz Quermann warst du also solo …
Ja, da bin ich alleine aufgetreten. Es war zwar eine Band anwesend, die mich bei dem Auftritt begleitete, aber diese Begleitung war äußerst fragwürdig. Wie dem auch sei, das war mein erster Fernsehauftritt.
Kannst du dich noch erinnern, was für ein Gefühl das für dich war?
Das war natürlich ganz toll. Allein schon die Proben… Ich war dann auch mal in der Jugendsendung "rund" am Sonnabendnachmittag dabei. Das Ganze dauerte drei Tage. Übernachtet haben wir in einem Interhotel, das waren die besten Hotels in der DDR. Allerdings war das eine reine Playback-Sendung. Wozu wir da drei Tage proben mussten, um dann am Ende Playback auf der Bühne rumzuhampeln, erschloss sich mir schon damals nicht. Es war trotzdem eine tolle Erfahrung für mich, mal vor der Kamera zu stehen.
Rainers Auftritt bei "Herzklopfen kostenlos"
Wann hast du denn in diesem Zeitraum dein Studium begonnen?
Als ich meinen Abschluss als Werkzeugmacher und damit auch das Abitur in der Tasche hatte, kam ich für 18 Monate zur Armee. Meine Bandkollegen aus Luckenwalde waren inzwischen schon in Berlin an der Musikschule in Friedrichshain. Das war eigentlich eine ganz normale Musikschule, aber ein paar Lehrer hatten da eine extra Abteilung aufgemacht, in der Musiker ihren Berufsausweis erwerben konnten. Das ging ansonsten nur an einer Musikhochschule. Nun gab es aber so viele talentierte Musiker, die aus den verschiedensten Gründen keinen Hochschulabschluss hatten oder diesen machen konnten. Und es war äußerst ungerecht, dass man diesen Leuten nicht die Chance gab, Berufsmusiker zu werden. Deshalb sagten die Lehrer, wir geben diesen Musikern die Möglichkeit, bei uns in Friedrichshain ihren Ausweis als Berufsmusiker zu machen. Dafür brauchten die sich dann nicht den kompletten Lehrstoff einer Hochschule mit Russisch, Politik, Philosophie und sonstigem Unsinn reinziehen, sondern sie brauchten sich nur auf den musikalischen Teil zu konzentrieren. Natürlich wollte kein Musiker unbedingt an die Hochschule, um den Berufsmusiker-Abschluss zu erhalten, sondern sie wollten alle nach Friedrichshain. Ursprünglich galt diese Regelung nur für Musiker aus Berlin, aber viele der besten DDR-Musiker kamen aus der ganzen Republik, aber man hat sie trotzdem zugelassen.
Man liest ja immer wieder in den Biographien der DDR-Bands und Musiker, dass sie irgendwann alle nach Berlin gezogen sind. Die Sache mit der Musikschule Friedrichshain war sicher bei vielen der entscheidende Grund für den Umzug.
Ja, das spielte mit Sicherheit eine Rolle. Es war schon ein mächtiger Unterschied, ob man in der Hauptstadt der DDR wohnte oder irgendwo auf dem Land. Allein schon von der Versorgung her gab es riesige Unterschiede. Dann natürlich die Nähe zu Westberlin… Man war also in einer viel besseren Position, als wenn man irgendwo in der Provinz leben musste.
Aber im Gegensatz zu deinen Kollegen bist du ja dann doch zur Hochschule für Musik "Hanns Eisler" gegangen.
Das stimmt. Aber zunächst habe ich meine Abschlüsse in Klavier und Gesang an der Friedrichshainer Musikschule gemacht. Dann wollte ich aber noch das Fach "Arrangieren" dranhängen. Leider hatte mein damaliger Lehrer gerade aufgehört, Arrangieren zu unterrichten, aber er empfahl mir, mich an der Hochschule zu bewerben zumal das Ganze dort viel intensiver gelehrt wurde und Komposition das eigentliche Hauptfach war. Also blieb mir nichts weiter übrig, als dort hinzugehen. An der Hochschule gab es einen ganz tollen Lehrer, den Wolfram Heicking. Bei dem spielte ich vor und er setzte sich für mich ein. So kam es, dass ich bei ihm Unterricht in Komposition erhielt. Das Studium an sich dauerte normalerweise vier Jahre. Nach zwei Jahren ging ich dann aber zu dem Fachbereichsleiter und habe ihm erklärt, dass mir die zwei Jahre Unterricht reichen würden und ich jetzt meinen Abschluss machen möchte. Der lachte lauthals, aber nachdem ich ihm dann sagte, dass ich schon sämtliche Abschlüsse an der Musikschule in Friedrichshain abgelegt hatte und möglichst auf der Bühne stehen möchte, bevor ich ein alter Mann geworden bin, besprach er den Sachverhalt mit seinen Lehrerkollegen und man kam zu dem Schluss, mich schon nach zwei Jahren fertig werden zu lassen.
Währenddessen gab es ja in deiner Band DIE RABEN Streitereien, woraufhin man sich umbenannte. Kannst du uns kurz erklären, was da passiert war?
Na ja, es kam ein Musiker dazu. Der hatte vorher schon bei den KLOSTERBRÜDERN gespielt, die durchaus einen Namen hatten. Nun hatten wir allerdings auch ein, zwei Leute in der Band, die nicht so übermäßig talentiert waren, dass wir mit denen nach oben hätten durchstarten können. Dieser ehemalige Gitarrist der KLOSTERBRÜDER hatte jedenfalls den Anspruch, mit seiner Band ein bestimmtes Niveau zu erreichen. Also beschlossen wir uns zu trennen. Ein Teil der Musiker spielte unter dem alten Namen DIE RABEN weiter. In diesem Teil hat übrigens ein gewisser Toni Krahl gesungen. Wir, der andere Teil, nannten uns IMPRESS, aber das ging nur ein halbes Jahr, auch wenn mir das viel länger vorkam.
Gruppe IMPRESS (Fotograf unbekannt/Fotobestand Rainer Kirchmann)
In dieser Band gab es aber immerhin den ersten Kontakt zwischen dir und Klaus Scharfschwerdt. Wie kam denn Klaus zu euch, wie habt ihr euch kennengelernt?
Zu IMPRESS gehörten außer mir noch zwei Luckenwalder, und zwar der Bassist und der Gitarrist, der vorher bei den KLOSTERBRÜDERN spielte. Die beiden arbeiteten aber unter der Woche schon in Berlin und besuchten da die typischen Klubs. Unter anderem gab es im alten Friedrichstadtpalast eine Tanzgaststätte mit Namen "Die Große Melodie". Montags trafen sich da immer die besten DDR-Musiker zu Jazz-Sessions, denn Jazz war damals gerade groß angesagt. Da traf man sich also und knüpfte Kontakte. So kam der Kontakt zu Klaus Scharfschwerdt zustande, der zu dem Zeitpunkt gerade 17 Jahre jung war. Dessen Berliner Band hatte sich gerade aufgelöst, so dass wir Klaus überreden konnten, in Luckenwalde in unsere Band IMPRESS einzusteigen. Wir holten auch noch einen Flötisten dazu, denn durch JETHRO TULL war es große Mode, einen solchen Part in seiner Band zu haben. Und so zogen wir dann unermüdlich durch die Säle, Kulturhäuser und Dorfkneipen der DDR.
Aber so richtig Fahrt aufgenommen hat deine Karriere ja erst mit der Gruppe PROGRESSIV, denn da hast du zum ersten Mal einen eigenen Song geschrieben, der den Titel "Das Telefon" trug. Was war PROGRESSIV für eine Band und wie hat es dich dahin verschlagen?
Das waren fast dieselben Leute wie bei IMPRESS. Ich musste ja zwischendurch zur Armee und als ich wiederkam, gab es IMPRESS nicht mehr, aber die Musiker gab es alle noch, nur dass sie jetzt bei PROGRESSIV aktiv waren. Klaus Scharfschwerdt war nicht mehr dabei, weil er auch gerade bei der Armee war. Neu war jetzt, dass wir einige meiner Kompositionen ins Programm aufnahmen. Nun war es so, dass man damals größtenteils zum Tanz spielte. Und es war bemerkenswert, dass die Leute genauso zu meinen Liedern getanzt haben wie zu den internationalen Nummern. Es ging also niemand von der Tanzfläche.
Nun weiß man ja, dass man in der DDR nicht einfach sagen konnte: "Jetzt machen wir mal eine Platte". Zu AMIGA seid ihr mit PROGRESSIV ja auch nie gekommen, aber gab es für PROGRESSIV wenigstens die Gelegenheit, ein paar Songs beim Rundfunk aufzunehmen?
Nein, so gut waren wir nicht. Da gab es vor uns noch etliche andere Bands, die die wenigen Kapazitäten, die der Rundfunk hatte, ausgefüllt haben. Aber immerhin hat der Rundfunk mal einen Livemitschnitt von uns gemacht. Da haben wir im "Haus der jungen Talente" gespielt. Unser Programm bestand zum größten Teil aus meinen Kompositionen, plus ein paar internationalen Titeln.
Hast du den Mitschnitt noch?
Ja, den habe ich noch. Was wir oder was ich gespielt habe und worüber es Mitschnitte gibt, das hebe ich mir auf. Die Aufnahme von diesem Konzert hatte ich auf Tonband und habe es mir irgendwann auf Festplatte überspielt.
1977 ging es für dich weiter zur Gruppe PRINZIP. Haben die dich entdeckt, als du bei PROGRESSIV gespielt hast, oder wie kam der Kontakt zu dir zustande?
Das kam durch die Friedrichshainer Musikschule, auf der ich insgesamt drei Jahre war. Wie der Zufall es wollte, war ich mit Jürgen "Matko" Mattkowitz in einer Klasse. Montags vor dem Unterricht hat erstmal jeder erzählt, was am Wochenende so los war. Da ging es meistens darum, wer wo und mit wem gespielt hat. Dadurch lernte man sich untereinander schon gut kennen. Anfangs war PRINZIP ja eine reine Gitarrenband, aber sie wollten zukünftig mit einem Keyboarder weitermachen. Sie waren der Meinung, dass ich gut in die Band passen würde und mich selber hat es auch sehr interessiert, weil sie richtige Rockmusik gemacht haben. Die meisten DDR-Bands spielten meistens nur solche lyrischen Sachen, was aber nicht so mein Ding war. Als es sich dann rumsprach, dass ich bei PROGRESSIV aussteigen will, kamen plötzlich von allen möglichen Bands Angebote, bei ihnen mitzuspielen. Bernd Aust von ELECTRA kam zum Beispiel direkt zu mir nach Hause und ein paar andere, sehr bekannte Musiker bemühten sich ebenfalls um mich. Aber ich hatte mich bereits für PRINZIP und damit für den härteren Rock entschieden.
Gruppe Prinzip (Foto: Herbert Schulze)
Du hast ja damit einen richtigen Satz nach vorne gemacht und konntest rockmusikalische Erfahrungen sammeln. Wie war das Arbeiten mit PRINZIP denn überhaupt für dich? War es eine große Umstellung, als Tastenmann in eine Rockband einzusteigen?
Das fiel mir relativ leicht, denn als Tastenmann musste ich ja nicht so viel spielen. Bei PROGRESSIV hatten wir noch einige Titel nachgespielt, die stellenweise auch nicht so einfach zu spielen waren, zum Beispiel das eine oder andere Werk von COLOSSEUM. Damals galten diese Art Musikstücke ja noch als Werke. Währenddessen handelte es sich bei PRINZIP in erster Linie um Gitarrenmusik, auch wenn ich natürlich auch meine Anteile hatte, aber das war alles nicht wirklich dramatisch. Jahre später habe ich gemerkt, dass ich auf technischer Ebene ganz schön raus war, wenn es um das Klavierspielen ging. Später bei PANKOW war ich schon deutlich mehr gefordert.
PRINZIP war ja bekannt dafür, eine ziemlich geile Liveband zu sein. Die zogen richtig viel Publikum an und es hat auf den Konzerten immer ordentlich gerappelt. Welche Erinnerungen hast du an diese Live-Auftritte mit PRINZIP? Du hast vorhin mal erwähnt, dass die Leute immer nach vorne an die Bühne strömten und die Stimmung super war. Kannst du das vielleicht etwas konkretisieren und uns erklären, was PRINZIP live für einen Status hatte?
Also wir hatten mit PRINZIP durchaus einen recht hohen Status. Bei uns gab es jede Menge Showelemente, es knallte, es brannte, es explodierte. Das hat in dieser Intensität in der DDR kaum eine andere Band gemacht. Okay, vielleicht ansatzweise die PUHDYS. Matko hat ständig an irgendetwas gebastelt und das dann auch zum Einsatz gebracht. Manches war aus heutiger Sicht lächerlich, wie zum Beispiel eine Seifenblasenmaschine. Für eine Rockband eigentlich ein Unding. Es klappte aber auch nicht alles. In dieser Seifenblasenmaschine drehten sich solche Pustedinger, die die Seifenblasen erzeugen. Das Ganze tauchte in eine Art Seifenlauge ein und wenn es zu kalt war, sind keine Seifenblasen entstanden, sondern es schmadderte nur ein seltsames Zeug raus. Es kamen also keine Blasen raus, sondern nur diese Lauge. In einem Dorfklub ist es dann passiert. Und zwar tanzten die Leute schon auf dem Tisch, wenn die Seifenblasenmaschine anfing zu arbeiten. Nun hatte diese Maschine aber einen ziemlich seifigen Film auf die Tischplatte geblasen, was die Leute nicht gesehen hatten. Und natürlich kam einer von den Fans auf dem Tisch dadurch ins Rutschen, was zur Folge hatte, dass alle von dem Tisch nach unten auf den Boden stürzten. Das war eine ganz schöne Katastrophe.
Klamottenmäßig wart ihr bei PRINZIP ja auch immer ganz vorne dabei.
Oh ja. Wir hatten einen Lederschneider in Sachsen, der uns mit Klamotten versorgt hatte, die an den Style von KISS angelehnt waren. Ich erinnere mich noch daran, dass ich nach meinem Einstieg bei PRINZIP noch keine eigenen Stiefel hatte. Also gab man mir ein Paar Theaterstiefel, die wohl aus einem Stück über die Musketiere stammten. Nur leider waren die Dinger ziemlich instabil. Es waren Plateau Stiefel. Die Sohle war ziemlich hoch und der Absatz stand allein und wurde nur von einem dünnen Stück Leder gehalten. Zum Laufen ging es gerade so, aber wehe, man stand nur mal einige Zeit auf dem Absatz rum. Als wir dann mal irgendwo spielten, war unter der Bühne die Bar. In einer der Pausen zwischen den Tanzblöcken wollte ich runter zur Bar, drehte mich auf dem Absatz um, der sich wiederum nach hinten bog und dafür sorgte, dass ich den Halt verlor. Ich rutschte dann mit Karacho Stufe für Stufe auf dem Hintern runter… Das war nicht schön.
Auf jeden Fall hast du eine Menge erlebt und mitgemacht. Aber aus heutiger Sicht kannst du uns vielleicht verraten (wir sind ja hier unter uns), ob du dich damals in den Klamotten wirklich wohlgefühlt hast, oder hast du gefragt, was du da eigentlich machst?
Nö, ich fand das schon cool. Irgendwann bekam ich ja auch richtige Stiefel, die auch eine gewisse Zeit gehalten haben. In den Dingern bin ich sogar privat rumgelaufen. Das war eben zu dieser Zeit ein typisches Ding. Heute schlägt man sicher deshalb die Hände über dem Kopf zusammen.
Autogrammkarte der Gruppe Prinzip
Du hast es etwas mehr als drei Jahre bei PRINZIP ausgehalten und bist dann in den eher beschaulichen Kreis von 4 PS gewechselt. War es dir auf Dauer bei PRINZIP zu laut?
Für mich ist das Ding mit PRINZIP letztlich nicht so aufgegangen, wie ich mir das vorgestellt habe. Außerdem wollte ich als Keyboarder auch etwas mehr machen. Auch wuchs mein Verlangen an, wieder mehr eigene Songs zu schreiben und zu singen, sowie überhaupt alles etwas intensiver zu betreiben. Deshalb teilte ich nach drei Jahren PRINZIP den Jungs im März mit, dass ich zum Jahresende aussteigen werde. Somit hatten sie genügend Zeit, sich darauf vorzubereiten und sich einen Nachfolger für mich zu suchen. Sie versuchten mich zum Bleiben zu überreden, aber mein Entschluss stand fest. Eigentlich wollte ich danach alleine weitermachen, aber dann habe ich mal Veronika Fischer mit ihrer Band um Franz Bartzsch erlebt. Das war übrigens die beste Bandbesetzung, die Vroni je hatte. Ich fand das unheimlich gut, was die da veranstalteten. Und drei, vier Wochen später brach dann die Nachricht über uns herein, dass Franz Bartzsch im Westen geblieben sei. In dieser Zeit haute ja ständig irgendein Musiker in den Westen ab, nun also auch Franz Bartzsch. Mir tat das einerseits unheimlich leid, andererseits keimte in mir aber auch ganz langsam der Wunsch, da einzusteigen, wenn Vroni und die anderen Jungs das wollen. Nun kam es einige Zeit später zu einem ganz witzigen Treffen zwischen dem Trommler Frank Hille und mir, bei dem Frank mich davon überzeugen wollte, dass ich unbedingt bei ihnen mitspielen sollte, während ich ihm zu erklären versuchte, dass ich der Richtige für sie sei. Beide Seiten wollten also dasselbe. So kam ich in die Band. Ich hörte mir das Konzert mühevoll vom Tonband herunter, da es keine Noten gab. Was Franz da gespielt und gesungen hatte, war nicht ohne. Als ich es dann drauf hatte, sind wir auf Tour gegangen. Was passierte dann? Veronika Fischer ging ebenfalls in den Westen! Somit hatte sich das Thema auch erledigt.
Das war ja ohnehin nur eine kurze Zeit, ich glaube von 1980 bis 1981. Veronika Fischer war zu der Zeit ein richtiger Superstar und hat alles abgeräumt. Was war sie denn für eine Kollegin? Wenn du heute mal zurückblickst: war es ein entspanntes Arbeiten mit ihr oder war es doch alles etwas angespannt, weil Vroni ja doch eine Art Perfektionistin war?
Ach weißt du, das war ein durchaus angenehmes Arbeiten mit ihr. Da hatte ich ganz andere Kollegen, mit denen es deutlich anstrengender war zu arbeiten.
Nun war Veronika Fischer also weg, die Begleitband 4 PS stand plötzlich ohne Frontfrau da. Ihr wart zu viert, und zwar, Jürgen Ehle, Jäcki Reznicek, Frank Hille und du. Was waren denn eure ersten Gedanken, nachdem Vroni weg war. Habt ihr gedacht: Oh Gott, jetzt sind wir arbeitslos und haben nichts mehr zu tun? Oder stand für euch sofort fest, dass ihr weitermachen wollt und ihr jemanden sucht, der vorne steht und singt?
Zunächst standen wir in Kontakt mit Stefan Diestelmann, der zu der Zeit alleine durch die Lande zog und sich durchaus vorstellen konnte, mit uns zu spielen. Eine Zeitlang zogen wir das auch durch. Nun hatten wir ja unabhängig von Veronika Fischer als 4 PS auch schon drei oder vier eigene Songs geschrieben, die wir den Fans dann auch präsentierten und eigentlich wollten wir diesen Weg weitergehen. Nur leider gefiel AMIGA diese Konstellation nicht. Sie meinten, das würde sich nicht ausreichend genug verkaufen. Also standen wir ziemlich nackt da. Plötzlich kam André Herzberg um die Ecke, den ich zwar nicht kannte, aber Jürgen Ehle schon. Wir erfuhren, dass André bei der GAUKLER BAND ausgestiegen war und eine neue Band suchte. Er hatte echtes Interesse, bei uns mitzumachen, woraus dann PANKOW entstand. Andrés Bruder Wolfgang Herzberg schrieb dann dieses "Paule Panke"-Stück und er war auch der Erfinder des Bandnamens PANKOW. So fing es an.
Jetzt habt ihr ja mit Veronika Fischer eine ganz andere Musik gemacht als später mit PANKOW. Zwischendurch warst du auch im Blues zugange, als Stefan Diestelmann auf den Plan trat. Bei PANKOW wurde ja dann fast schon der ROLLING STONES-Sound gespielt. Wie entstand denn die PANKOW-Musik? Wie seid ihr auf die Idee bzw. das Konzept gekommen, dass PANKOW so klingt, wie es letztlich auch klang?
Das war ein längerer Prozess. Zunächst fingen wir ja mit "Paule Panke" an. Zu der Zeit war gerade die Neue Deutsche Welle aktuell, weshalb "Paule Panke" auch so ein bisschen in diese Richtung ging. Wir haben zu den Texten von Wolfgang Herzberg die Musik geschrieben. Wir fuhren morgens mit leeren Händen in den Proberaum und hatten am Abend einen Song fertig. Das war eine schöne Art des Arbeitens, das ich so noch nicht kannte. Sonst hatte immer einer alleine ein Konzept angefertigt, was allen vorgestellt wurde und daraus machte man im Idealfall einen Song. Aber dass man mit der ganzen Band bei Null und ohne eine echte Idee anfängt, das war schon neu für mich. Es ging ja im Prinzip um den Tagesablauf von Paule Panke. So entstanden die Songs. Hinterher entstand noch das Konzeptalbum "Hans im Glück", was auch so eine Art Rocktheater war. Auch hier schrieb Wolfgang Herzberg die Texte. Damit hatte sich diese Art Musik aber auch erschöpft und es begann eine Zeit, in der Jürgen Ehle anfing, die Musik für PANKOW zu komponieren. Für mich war es hingegen schwierig, am Klavier Songs für Gitarren-Rock zu schreiben. Ich hatte anfangs keine Vorstellungen davon, wie das Endprodukt klingen sollte, das lernte ich erst später.
Erstes Bandfoto der Gruppe PANKOW
Du hast eben das "Paule Panke"-Programm angesprochen. Ihr wart eine frisch gegründete Band, wart alle noch relativ jung, habt diese Songs geschrieben und plötzlich kommt einer von oben und erzählt euch, das wäre alles nicht systemkonform und die Plattenproduktion findet nicht statt. Normalerweise zerbricht eine Band an so etwas. Ihr seid aber nicht zerbrochen. Hattet ihr diese "Jetzt erst recht!"-Haltung oder wie kann man sich die Stimmung vorstellen, die bei euch herrschte?
Ich kann nur für mich sprechen. "Paule Panke" entstand ja ganz am Anfang der PANKOW-Zeit. Und für mich war diese Art Musik und vor allem die Inhalte das Einzige, was ich mir für eine DDR-Band vorstellen konnte. Die Texte waren ja auch kein Auftragswerk aus der Feder irgendeines fremden Texters, sondern die kamen ja von André Herzbergs Bruder und somit direkt aus unserem Umfeld. Dass das unser eigenes Leben war, was der Paule Panke erlebte und dass wir genau das auf die Bühne bringen müssen, das traf zu hundert Prozent meinen Nerv und meine Gefühle. Es ging also immer um Probleme, die uns selber interessiert haben. Bei anderen Bands, so hatte ich jedenfalls den Eindruck, war das nicht unbedingt so. Da schrieben fremde Leute für die Bands die Texte, zumeist war es ja Kurt Demmler. Da fehlte für mich dann immer irgendwas. Kurt Demmler hat übrigens direkt für PANKOW niemals einen Text geliefert, aber wir haben auf der "Kille Kille Pankow"-LP einen Song mit einem Demmler-Text drauf. Und zwar war das der Song "Ich bin lieb". Aber das war schon eine ältere Nummer, die wir im Konzert von Veronika Fischer spielten, für die Kurt Demmler ja viel geschrieben hat. Die Nummer gefiel uns, zumal der Stil ja auch in Richtung Neue Deutsche Welle ging, und deshalb nahmen wir "Ich bin lieb" mit auf dieses Album. Später gab es hin und wieder mal ein paar Gasttexter, aber in der Regel stammten die Texte alle aus unserer Feder.
Ihr hattet also eine gewisse Aufbruchstimmung und hattet Bock weiterzumachen.
Ja, auf jeden Fall. Es stand zu keiner Zeit zur Debatte, dass wir aufhören würden, weil die Platte nicht gemacht werden durfte. Es gab damals für mich das Angebot bei KARAT einzusteigen, aber da war ich bereits bei PANKOW. Wir reden hier vom Jahr 1982, als KARAT mehr im Westen als im Osten spielte. Und ja, natürlich wäre das super gewesen, in den Westen fahren zu können und nebenbei auch noch richtig viel Geld zu verdienen. Aber ob man mir das nun glaubt oder nicht - ich wollte nicht. Mir hat die Arbeit bei PANKOW so viel Spaß gemacht, dass ich unbedingt da bleiben wollte.
Neben deinem Engagement bei PANKOW bist du 1982/83 auch solistisch tätig geworden. Du hast nämlich eigene Songs produziert. Unter anderem ist von dem Lied "Kinderspiel" zu lesen gewesen und ein weiterer Song, der mir persönlich richtig gut gefällt, heißt "Das ist mir nicht genug". Diese Nummern sind aber nie auf einer Platte erschienen, oder?
Zu DDR-Zeiten nicht, aber es gibt eine Hamburger Firma, die hat die Songs im Nachhinein noch gekauft.
Warum ist es denn aber nie zu einer eigenen Platte gekommen? Du hast immerhin Platz 17 der DDR-Jahreshitparade 1984 belegt.
Na ja, zwei Platten habe ich produziert. Das eine ist ein Studioalbum aus dem Jahr 2017 mit neuen Songs. Und danach gab es noch eine Doppel-Live-CD, die die Titel des Studioalbums enthält und weitere Songs, an denen ich im Laufe der Zeit mitgewirkt habe. Nur PRINZIP-Songs sind leider nicht dabei.
Diese Platten sind aber erst nach der Wende erschienen. Zu DDR-Zeiten hat dir AMIGA keine Möglichkeit gegeben, deine Lieder zu veröffentlichen?
Ich habe immer wieder nachgefragt bei AMIGA. Zumal es ja damals diese Quartett-Reihe gab, wo man sich wenigstens mit ein paar Titeln hätte vorstellen können. Aber immerhin haben die Herrschaften von AMIGA gemeint, meine Stimme klinge so ähnlich wie die von Steve Miller und sie würden mir anbieten, eine Coverversion von "Abracadabra" mit mir aufzunehmen.
Das finde ich persönlich sehr schade, denn die Lieder, die ich von dir kenne, hätten es durchaus verdient, auf einer eigenen Platte zu erscheinen. Da hat AMIGA schlicht und einfach gepennt. Trotzdem warst du auch mit PANKOW sehr erfolgreich. Ihr habt Platten aufgenommen, ihr habt viel live gespielt und das Publikum begeistert. Ihr wart eben eine junge, knackige Band mit einem deutlichen Einschlag in Richtung ROLLING STONES. Und ihr wart nicht wirklich auf Linie, sondern seid lieber immer ein bisschen quer gelaufen. Wie hast du persönlich diese Zeit in den 80er Jahren mit PANKOW empfunden?
Es war traumhaft schön. Dieses sich einmischen in die Politik, aber trotzdem nicht völlig auszubrechen und abzuheben, das war alles genau auf der Ebene, die mir großen Spaß gemacht hat. Wir wollten, dass wir rockig klingen und wir wollten auch, dass das, was wir machen, inhaltlich mit uns zu tun hat. Was in der Aktuellen Kamera erzählt wurde, hat mich nicht wirklich interessiert, weil es nichts mit der Realität zu tun hatte. Umso mehr haben wir uns gefreut, wenn wir mit Leuten zu tun hatten, die die Welt so gesehen haben, wie sie wirklich ist. Von daher war das mit PANKOW eine großartige Zeit. Wir haben ständig am Rad gedreht, haben uns eingemischt und dazu passend auch die entsprechenden Lieder geschrieben.
Dein Mitwirken bei PANKOW war deine längste Verweildauer in einer Band. 1996 war dann aber plötzlich Schluss für dich. Warum hast du PANKOW verlassen?
Das hatte damit zu tun, dass wir ja nach der Wende ohne André Herzberg weitergemacht haben. Irgendwann wollte aber vor allem Jürgen Ehle wieder mit Andrè zusammen auf der Bühne stehen. Deshalb gab es zwischen André, Jürgen und mir ein Gespräch, in dessen Ergebnis klar war, dass André wieder bei PANKOW mitmischen möchte. Hauptsächlich wollte er aber eine Art Revival starten, also die alten PANKOW-Sachen wieder aufleben lassen, was aber gar nicht in meinem Interesse lag. Für mich stand hingegen fest, dass man ja zwei oder drei alte Nummern immer mal einfließen lassen kann, aber grundsätzlich sollte man sich als Band weiterentwickeln und neue Titel aufnehmen.
Parallel zu PANKOW hast du auch andere Dinge veranstaltet. Unter anderem hast du Theatermusik gemacht. 1990 kam es dann zu einer Zusammenarbeit mit Mikis Theodorakis und bist mit ihm sogar auf Europatournee gegangen. Dann bist du also nach deinem Ausscheiden bei PANKOW weich gefallen?
Na ja, mit PANKOW hatte ich natürlich viel mehr Erfolg, denn hier reden wir von einer DDR-Spitzenband. Ansonsten habe ich Filmmusiken geschrieben, habe mit Mikis Theodorakis und der Kreuzberger Chansonsängerin Annette Berr zusammengespielt. Das sind alles Sachen, die unterschiedlich zueinander sind.
Wenn ich mir anschaue, was du alles schon gemacht hast, ist es auch unübersehrbar, dass es alles Sachen sind, die dir absolut am Herzen liegen.
Genauso ist es. Ich habe das alles nur gemacht, wenn es mir auch gefallen hat.
Mikis Theodorakis hat dich ja in den höchsten Tönen gelobt und von dir als einem guten Musiker gesprochen, der ihn auch verstanden hat.
Das ist so eine Sache… Bei PANKOW beispielsweise habe ich in der Zeit der größten Erfolge nicht gesungen, habe auch trotzdem all meine Kreativität reingelegt in die Sachen, die wir gemacht haben. Wichtig ist, dass man sich total reinkniet und vor allem hinhört, was dort textlich passiert usw. usf. Das habe ich auch bei Mikis Theodorakis umgesetzt. Als er seinen Zyklus "Sonne und Zeit" geschrieben hat, saß er gerade in Athen im Knast. Ich habe versucht hinzuhören, was in ihm vorgegangen ist und was ihm passiert ist und habe dementsprechend die Musik dazu gemacht. Ich wusste, dass Theodorakis unheimlich auf Rockmusik steht. Von diesem Zyklus wurden schon mal ein paar Nummern gespielt, aber das wurde eher im Stile eines Singeklubs präsentiert. Er hat zwar nicht direkt gesagt, dass ihm diese Interpretation nicht gefallen hat, aber er hatte sich im Stillen immer gewünscht, dass die Musik ähnlich klingt wie die von den ROLLING STONES. Sein Traum war also weiterhin, dass sich nochmal jemand an dem Zyklus versucht und da kam sein Manager auf die Idee, dass PANKOW genau die Richtigen dafür wären. Zum Glück war ich da noch bei PANKOW. Ich habe zunächst von drei Songs Demoversionen angefertigt und fragte meine Bandkollegen, wann wir uns denn mal da ran wagen wollen. Aber sie waren der Meinung, dass wir erst einmal an unseren eigenen Titeln feilen sollten. Na ja, aber nun ist ja Mikis Theodorakis nicht irgendwer und ich dachte mir, wir sollten unbedingt auf den Zug aufspringen und die Chance nutzen. Kurze Zeit später kam es dann zu meinem Ausstieg bei PANKOW. Nun war ich der Einzige, der sich schon mal mit dem Theodorakis-Material beschäftigt hatte. Er hörte sich meine Entwürfe an und wollte unbedingt, dass ich weitermache und am Ball bleibe.
PANKOW mit "Hans im Glück" (Foto: Herbert Schulze)
Du sagtest eben, du bist in dieser Zeit bei PANKOW raus. Bist du zweimal ausgestiegen? Denn meines Wissens war die Sache mit Mikis Theodorakis schon 1990.
1990 haben wir mit Theodorakis eine Europa-Tour gemacht. Das war auch meine erste Begegnung mit ihm. Ich lernte bei der Gelegenheit auch seinen Manager kennen, mit dem ich seither gut befreundet bin. Er trug 1996 Mikis Wunsch an mich heran, diesen Zyklus zu vertonen.
Du hast also in deiner Karriere unheimlich viel gemacht, vor allem auch Filmmusik. Untätig warst du jedenfalls zu keiner Zeit, auch wenn vielleicht manches nicht ganz so bekannt geworden ist. Wann hast du denn wieder angefangen, als Solist live aufzutreten? In den 80ern hattest du das ja auch schon kurzzeitig gemacht.
Ich glaube, das erste Zeitfenster, was in deine Frage passt, war diese Sache mit Mikis Theodorakis. Da habe ich mit Maria Farantouri und einigen Musikern "Sonne und Zeit" in der Berlin Kreuzberger "Passionskirche" gespielt. Maria hat die Stücke in der griechischen Bearbeitung gesungen und ich habe im gleichen Konzert die Stücke in meiner Bearbeitung auf Englisch gesungen. Ich wurde nur von meinem Freund, einem französischen Multiinstrumentalist begleitet. Im Laufe des Konzertes wurden die Musiker vertauscht, und am Ende haben wir dann alle zusammengespielt. Zu diesem Anlass habe ich angefangen, allein auf der Bühne zu stehen und zu singen, zu spielen und zu moderieren. Das habe ich all die Jahre durchgezogen. Davon konnte ich einigermaßen gut leben, bin aber nicht reich geworden.
Was machst du heute? Deine CDs sind zehn Jahre alt, aber danach habe ich eine Riesenlücke auf meinem Zettel.
Im vergangenen Jahr hat mich Florian Galow, der Kontrabassist, mit dem ich zusammenspiele, gefragt, ob wir nicht mal was mit zwei Streichern, und zwar einem Cello und einer Bratsche, zusammen machen wollen. Das sind zwei junge Leute aus Lübeck, die Lust dazu haben. Ich habe daraufhin vier oder fünf Stücke arrangiert, wir haben das gemeinsam geprobt und fanden es alle toll. Nun haben wir 17 Songs aufgenommen, drehen ein Video und los geht´s!
Und schon sind wir wieder am Anfang unseres Gespräches, denn es kommt ja auch noch die PRINZIP-Platte raus. Hast du eigentlich persönliche Erwartungen an diese PRINZIP-Scheibe? Das ist ja eine tolle Arbeit, die ihr da gemacht habt. Ich habe schon reinhören dürfen in die Platte und kann bestätigen, dass es ein toller Mitschnitt ist und es ganz sicher ein großartiges Konzert war. Glaubst du, dass es den einen oder anderen gibt, der PRINZIP für sich neu entdeckt oder wiederentdeckt?
Also wenn so etwas veröffentlicht wird, hat man ja immer gewisse Hoffnungen, dass es ein Erfolg wird. Ich denke schon, dass es gute Musik ist, die man den Leuten anbieten kann. Vielleicht staunt ja manch einer, dass es zur damaligen Zeit schon so gute Musik gab.
Rainer Kirchmann solo (Foto: privat)
Ich habe ja für Deutsche Mugge mit Jürgen Matkowitz in den letzten Jahren ein paar Interviews geführt. Bei der Gelegenheit habe ich immer wieder an ihm rumgebaggert, wie es denn mit einem Comeback von PRINZIP aussieht. Er hat sich natürlich immer tapfer gegen solche Gedanken gewehrt. Hättest du denn Bock, noch einmal live mit dieser Band auf die Bühne zu gehen?
Nein.
Würde es dich denn bei PANKOW reizen?
PANKOW gibt am 12. Juli sein letztes Konzert.
Rainer, ich danke dir herzlich für das Gespräch und wünsche dir für die Zukunft alles Gute.
Vielen Dank, das wünsche ich dir auch.
Jetzt erscheint das erste Live-Album von PRINZIP. Das Konzert, welches hier zu hören sein wird, stammt von 1978, das ist also fast 50 Jahre her. Kanntest du die Aufnahmen, kannst du dich daran und an das Konzert im Speziellen noch erinnern?
Ja, ich kann mich sehr gut daran erinnern und habe die Aufnahmen auch noch auf einer Festplatte gespeichert. Die Stimmung war super, aber das war ja bei PRINZIP-Konzerten immer der Fall. Die Leute kamen immer gleich nach vorne an den Bühnenrand geflitzt und haben ordentlich Wirbel veranstaltet.
Das ist eine sehr interessante Geschichte, dass dieses Album jetzt rauskommt. Und dann auch noch auf Vinyl. Hast du das fertige Produkt schon in den Händen halten können?
Nein, bisher noch nicht.
Bevor wir zum Thema PRINZIP kommen, fangen wir mal ganz vorne bei dir an. Wie ich gelesen habe, bist du schon sehr früh mit Musik in Berührung gekommen. In Deiner Vita kann man lesen, dass du schon mit sechs Jahren auf Familienfeiern Musik gemacht hast. Stimmt das?
Ja, das stimmt. Meine Eltern haben leidenschaftlich gerne gesungen. Zuhause trällerten sie eigentlich pausenlos umher. Wir wohnten in einer Kleinstadt in einem Haus mit 27 Familien, wo es zwangsläufig auch viele Kinder gab. Während ich mit den anderen Kindern auf dem Hof spielte, hatten meine Eltern oft das Fenster auf und sangen vor sich hin. Meine Mutter sang gerne Schlager, mein Vater eher Operetten. Natürlich hörte man das im Hof, was aber irgendwie dazugehörte und als ganz normale akustische Begleitung eingeordnet wurde. Man wusste eben, die Kirchmanns singen wieder und niemand störte sich daran. Damit wurde ich also groß und trällerte dann irgendwann selber die Lieder meiner Eltern.
Mit sechs Jahren hast du bereits dein erstes Klavier bekommen. Wolltest du selber Klavier spielen oder haben deine Eltern dich da herangeführt?
Ich wollte das selber. Durch mein musikalisches Umfeld war das für mich interessant. Mein Onkel hatte zum Beispiel, obwohl wir nur in einer kleinen Stadt namens Luckenwalde wohnten, ein Tonbandgerät. Und auf diesem Tonbandgerät nahm mein Onkel die Lieder auf, die ich so sang. Zum Beispiel "Du bist die Welt für mich". Wichtige Momente waren auch das Spielen sogenannter bunter Veranstaltungen, was wir Kinder bei jeder Gelegenheit taten. Wir bauten uns dazu eine Art Bühne aus Sand und während die anderen Kinder sich davor setzten und das Publikum spielten, ging ich auf die Bühne und fing an, meine Lieder zu singen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass die Betreiber der kleinen Geschäfte, die es rund um unser Haus gab, vor ihren Läden standen und mir zuhörten. Eine Frau mit einem Krämerladen kam sogar mal extra zu mir herüber und brachte mir Bonbons. Das fand ich natürlich toll, dass man jetzt auch noch Bonbons fürs Singen bekommt.
Dann war es wohl nur eine logische Folge, dass du mit fünfzehn Jahren auf die Spezialschule für Musik gegangen bist, oder?
Zunächst einmal brachten mich meine Eltern zum Klavierunterricht. Da musste man ja für die Aufnahmeprüfung auch schon vorsingen, was zur Folge hatte, dass ich nach Meinung eines Lehrers unbedingt zum Thomaner Chor sollte. Meine Eltern konnten deshalb ein paar Nächte lang nicht schlafen. Ich war ihr einziges Kind und sollte nun nach Leipzig zu diesem Chor, das fanden sie nicht so prickelnd. Ich bin ihnen heute noch dankbar dafür, dass sie das damals dann auch ablehnten.
Es waren zwar ganz andere Zeiten, aber ich frage mich trotzdem, wie man als Junge in deinem Alter schon auf eine Spezialschule für Musik kommt. Hätte es da auch noch Alternativen gegeben?
Es gab ja damals wie heute die typischen Musikschulen. Und jede Musikschule hat schon immer seine talentiertesten Leute, so diese es denn wollten, zu einer Aufnahmeprüfung für diese Spezialschule für Musik geschickt und dann wurde man dort entweder angenommen oder auch nicht. Bei mir war der treibende Keil derselbe Musiklehrer, der mich auch schon zum Thomaner Chor delegieren wollte. Ende der 8. Klasse fuhr dieser Lehrer mit mir nach Berlin. Er hatte mich auch richtig gut auf diese Prüfung vorbereitet, indem er mir ziemlich schwere Stücke beibrachte, die ich dort vorspielte. Es dauerte nicht lange, bis ich den Bescheid erhielt, dass ich an der Spezialschule angenommen bin. Mit Beginn des 9. Schuljahres ging es dann dort los.
Letzten Endes hast du dort dein Abitur gemacht und bist anschließend zur Uni gegangen. Aber ich habe gelesen, dass du schon 1968 deine erste Band gegründet hast. Erzähle uns mal bitte, wie es dazu kam.
1968 war ich schon auf dieser Spezialschule für Musik. Dort gab es ja nicht nur Schüler, die Klassik lernten und gespielt haben, sondern es war auch die Zeit der ROLLING STONES und der BEATLES. Diese Art Musik wollten natürlich auch einige spielen und ich war einer von denen, die das Ganze forciert haben. Ich habe immer auf dem Klavier die Stücke der STONES und BEATLES nachgespielt. Damals hatte ich noch kein Tonbandgerät und auch keinen Plattenspieler, also habe ich die Songs im Radio gehört und dann aus dem Kopf nachgespielt. Ich war auf der Spezialschule im Internat untergebracht und wir hatten zu der Zeit einen Internatsleiter, der sich darum kümmerte, dass wir Instrumente bekamen. Im Speziellen eine Bassgitarre, zwei E-Gitarren, ein Schlagzeug, Mikrofone und einen Verstärker. So kam es, dass ein paar von uns dann eine Band gründeten, mit der wir zu allen möglichen Gelegenheiten auch aufgetreten sind.
Trotzdem ging deine Musikerkarriere nicht schnurstracks geradeaus weiter, sondern du bist nach dem Abitur zurück in deine Heimatstadt und hast eine Ausbildung zum Werkzeugmacher gemacht. Warum?
Ich habe relativ schnell gemerkt, dass das Klavier und die klassische Musik in dieser Mischung nichts für mich war. Pianist konnte man damals sowieso nicht so ohne weiteres werden. Ich glaube, davon gab es in der DDR auch nur fünf Stück, die wirklich bekannt waren und durch die Lande gezogen sind. Man konnte ansonsten nur so eine Art Begleitmusiker werden, zum Beispiel für einen Violinisten. Der kann ja nicht ständig ein Sinfonie Orchester zum Üben ordern, sondern brauchte dafür eine Begleitung am Klavier. Dann gab es noch die Option, Klavierlehrer zu werden, aber das eine war für mich ebenso uninteressant wie das andere. Vielmehr Interesse brachte ich stattdessen für die Musik der BEATLES und der ROLLING STONES auf. Ich wurde dann mit der Zeit auch sehr nachlässig, was das Üben am Klavier betraf, so dass mein Klavierspiel auch immer schlechter wurde und ich deshalb irgendwann von der Spezialschule geflogen bin. Ich ging wieder zurück in meine Heimatstadt Luckenwalde und machte dort erstmal das Abitur.
Warum wurde es dann ausgerechnet der Beruf des Werkzeugmachers und nicht so etwas wie Bäcker oder Konditor? Werkzeugmacher ist ja schon ein sehr spezieller Beruf.
Das hing damit zusammen, dass man das Abitur entweder auf der EOS (heute Gymnasium) machen konnte, oder man hatte die Möglichkeit, die Berufsausbildung mit Abitur zu machen. In Luckenwalde gab es eine BBS (Betriebsberufsschule), auf der man eine Facharbeiterausbildung oder Facharbeiter plus Abitur machen konnte. Meine Eltern waren für Letzteres, so nach dem Motto: "Wenn du das machst, hast du wenigstens einen ordentlichen Abschluss in der Tasche". Die Ausbildung mit Abitur dauerte ein Jahr länger als die blanke Berufsausbildung, aber am Ende war es egal.
Die Raben (Fotograf unbekannt/Fotobestand Rainer Kirchmann)
Parallel dazu bist du der Musik aber treu geblieben, denn du bist als Keyboarder in eine Band namens DIE RABEN eingestiegen. Wie kam es denn dazu?
Ich hatte großes Interesse, in einer Band mitzuspielen. Anfangs ging ich immer zu den Proben der RABEN und hatte Glück, denn einmal fehlte der Organist. Ich setzte mich einfach ans Klavier und spielte drauf los. Die Jungs merkten sofort, dass da von mir etwas Brauchbares kommt. Trotzdem dauerte es noch ein Weilchen, bis es ernst wurde. Ich war jedenfalls immer sonntags da, wenn die Band im Jugendklubhaus gespielt hat, hörte aufmerksam und euphorisch zu und träumte Woche für Woche davon, bei den RABEN mitzuspielen. Und eines Tages, als ich in der Werkhalle an meiner Hobelmaschine stand, kamen zwei Jungs aus der Band und fragten mich, ob ich bei ihnen einsteigen möchte. Ihr Keyboarder hat geheiratet und muss aufhören, da seine Frau das nicht mehr möchte. Das war ein totaler Glückstreffer. Ich fing umgehend bei den RABEN an, aber nur eine Woche später kam der bisherige Keyboarder zurück, weil er erkannt hatte, wie blöde er war, die Band zu verlassen. Aber jetzt war die Sache gelaufen.
Waren denn DIE RABEN auch die Band, mit der du 1970 bei Heinz Quermanns "Herzklopfen kostenlos" deinen ersten Fernsehauftritt hattest?
Nein, da war ich alleine. Wie das genau zustande kam, weiß ich nicht mehr. Aber ich hatte mir einen Song der ROTEN GITARREN aus Polen angeeignet. Der Song hieß "Anna Maria" und gefiel mir wirklich gut. Also schrieb ich mir den Text mithilfe von mehrfachem Hören raus, denn ich hatte keine Platte davon. Wir übernahmen das Lied auch mit der Band für unsere Tanzabende und ich habe es gesungen.
Bei Heinz Quermann warst du also solo …
Ja, da bin ich alleine aufgetreten. Es war zwar eine Band anwesend, die mich bei dem Auftritt begleitete, aber diese Begleitung war äußerst fragwürdig. Wie dem auch sei, das war mein erster Fernsehauftritt.
Kannst du dich noch erinnern, was für ein Gefühl das für dich war?
Das war natürlich ganz toll. Allein schon die Proben… Ich war dann auch mal in der Jugendsendung "rund" am Sonnabendnachmittag dabei. Das Ganze dauerte drei Tage. Übernachtet haben wir in einem Interhotel, das waren die besten Hotels in der DDR. Allerdings war das eine reine Playback-Sendung. Wozu wir da drei Tage proben mussten, um dann am Ende Playback auf der Bühne rumzuhampeln, erschloss sich mir schon damals nicht. Es war trotzdem eine tolle Erfahrung für mich, mal vor der Kamera zu stehen.
Rainers Auftritt bei "Herzklopfen kostenlos"
Wann hast du denn in diesem Zeitraum dein Studium begonnen?
Als ich meinen Abschluss als Werkzeugmacher und damit auch das Abitur in der Tasche hatte, kam ich für 18 Monate zur Armee. Meine Bandkollegen aus Luckenwalde waren inzwischen schon in Berlin an der Musikschule in Friedrichshain. Das war eigentlich eine ganz normale Musikschule, aber ein paar Lehrer hatten da eine extra Abteilung aufgemacht, in der Musiker ihren Berufsausweis erwerben konnten. Das ging ansonsten nur an einer Musikhochschule. Nun gab es aber so viele talentierte Musiker, die aus den verschiedensten Gründen keinen Hochschulabschluss hatten oder diesen machen konnten. Und es war äußerst ungerecht, dass man diesen Leuten nicht die Chance gab, Berufsmusiker zu werden. Deshalb sagten die Lehrer, wir geben diesen Musikern die Möglichkeit, bei uns in Friedrichshain ihren Ausweis als Berufsmusiker zu machen. Dafür brauchten die sich dann nicht den kompletten Lehrstoff einer Hochschule mit Russisch, Politik, Philosophie und sonstigem Unsinn reinziehen, sondern sie brauchten sich nur auf den musikalischen Teil zu konzentrieren. Natürlich wollte kein Musiker unbedingt an die Hochschule, um den Berufsmusiker-Abschluss zu erhalten, sondern sie wollten alle nach Friedrichshain. Ursprünglich galt diese Regelung nur für Musiker aus Berlin, aber viele der besten DDR-Musiker kamen aus der ganzen Republik, aber man hat sie trotzdem zugelassen.
Man liest ja immer wieder in den Biographien der DDR-Bands und Musiker, dass sie irgendwann alle nach Berlin gezogen sind. Die Sache mit der Musikschule Friedrichshain war sicher bei vielen der entscheidende Grund für den Umzug.
Ja, das spielte mit Sicherheit eine Rolle. Es war schon ein mächtiger Unterschied, ob man in der Hauptstadt der DDR wohnte oder irgendwo auf dem Land. Allein schon von der Versorgung her gab es riesige Unterschiede. Dann natürlich die Nähe zu Westberlin… Man war also in einer viel besseren Position, als wenn man irgendwo in der Provinz leben musste.
Aber im Gegensatz zu deinen Kollegen bist du ja dann doch zur Hochschule für Musik "Hanns Eisler" gegangen.
Das stimmt. Aber zunächst habe ich meine Abschlüsse in Klavier und Gesang an der Friedrichshainer Musikschule gemacht. Dann wollte ich aber noch das Fach "Arrangieren" dranhängen. Leider hatte mein damaliger Lehrer gerade aufgehört, Arrangieren zu unterrichten, aber er empfahl mir, mich an der Hochschule zu bewerben zumal das Ganze dort viel intensiver gelehrt wurde und Komposition das eigentliche Hauptfach war. Also blieb mir nichts weiter übrig, als dort hinzugehen. An der Hochschule gab es einen ganz tollen Lehrer, den Wolfram Heicking. Bei dem spielte ich vor und er setzte sich für mich ein. So kam es, dass ich bei ihm Unterricht in Komposition erhielt. Das Studium an sich dauerte normalerweise vier Jahre. Nach zwei Jahren ging ich dann aber zu dem Fachbereichsleiter und habe ihm erklärt, dass mir die zwei Jahre Unterricht reichen würden und ich jetzt meinen Abschluss machen möchte. Der lachte lauthals, aber nachdem ich ihm dann sagte, dass ich schon sämtliche Abschlüsse an der Musikschule in Friedrichshain abgelegt hatte und möglichst auf der Bühne stehen möchte, bevor ich ein alter Mann geworden bin, besprach er den Sachverhalt mit seinen Lehrerkollegen und man kam zu dem Schluss, mich schon nach zwei Jahren fertig werden zu lassen.
Währenddessen gab es ja in deiner Band DIE RABEN Streitereien, woraufhin man sich umbenannte. Kannst du uns kurz erklären, was da passiert war?
Na ja, es kam ein Musiker dazu. Der hatte vorher schon bei den KLOSTERBRÜDERN gespielt, die durchaus einen Namen hatten. Nun hatten wir allerdings auch ein, zwei Leute in der Band, die nicht so übermäßig talentiert waren, dass wir mit denen nach oben hätten durchstarten können. Dieser ehemalige Gitarrist der KLOSTERBRÜDER hatte jedenfalls den Anspruch, mit seiner Band ein bestimmtes Niveau zu erreichen. Also beschlossen wir uns zu trennen. Ein Teil der Musiker spielte unter dem alten Namen DIE RABEN weiter. In diesem Teil hat übrigens ein gewisser Toni Krahl gesungen. Wir, der andere Teil, nannten uns IMPRESS, aber das ging nur ein halbes Jahr, auch wenn mir das viel länger vorkam.
Gruppe IMPRESS (Fotograf unbekannt/Fotobestand Rainer Kirchmann)
In dieser Band gab es aber immerhin den ersten Kontakt zwischen dir und Klaus Scharfschwerdt. Wie kam denn Klaus zu euch, wie habt ihr euch kennengelernt?
Zu IMPRESS gehörten außer mir noch zwei Luckenwalder, und zwar der Bassist und der Gitarrist, der vorher bei den KLOSTERBRÜDERN spielte. Die beiden arbeiteten aber unter der Woche schon in Berlin und besuchten da die typischen Klubs. Unter anderem gab es im alten Friedrichstadtpalast eine Tanzgaststätte mit Namen "Die Große Melodie". Montags trafen sich da immer die besten DDR-Musiker zu Jazz-Sessions, denn Jazz war damals gerade groß angesagt. Da traf man sich also und knüpfte Kontakte. So kam der Kontakt zu Klaus Scharfschwerdt zustande, der zu dem Zeitpunkt gerade 17 Jahre jung war. Dessen Berliner Band hatte sich gerade aufgelöst, so dass wir Klaus überreden konnten, in Luckenwalde in unsere Band IMPRESS einzusteigen. Wir holten auch noch einen Flötisten dazu, denn durch JETHRO TULL war es große Mode, einen solchen Part in seiner Band zu haben. Und so zogen wir dann unermüdlich durch die Säle, Kulturhäuser und Dorfkneipen der DDR.
Aber so richtig Fahrt aufgenommen hat deine Karriere ja erst mit der Gruppe PROGRESSIV, denn da hast du zum ersten Mal einen eigenen Song geschrieben, der den Titel "Das Telefon" trug. Was war PROGRESSIV für eine Band und wie hat es dich dahin verschlagen?
Das waren fast dieselben Leute wie bei IMPRESS. Ich musste ja zwischendurch zur Armee und als ich wiederkam, gab es IMPRESS nicht mehr, aber die Musiker gab es alle noch, nur dass sie jetzt bei PROGRESSIV aktiv waren. Klaus Scharfschwerdt war nicht mehr dabei, weil er auch gerade bei der Armee war. Neu war jetzt, dass wir einige meiner Kompositionen ins Programm aufnahmen. Nun war es so, dass man damals größtenteils zum Tanz spielte. Und es war bemerkenswert, dass die Leute genauso zu meinen Liedern getanzt haben wie zu den internationalen Nummern. Es ging also niemand von der Tanzfläche.
Nun weiß man ja, dass man in der DDR nicht einfach sagen konnte: "Jetzt machen wir mal eine Platte". Zu AMIGA seid ihr mit PROGRESSIV ja auch nie gekommen, aber gab es für PROGRESSIV wenigstens die Gelegenheit, ein paar Songs beim Rundfunk aufzunehmen?
Nein, so gut waren wir nicht. Da gab es vor uns noch etliche andere Bands, die die wenigen Kapazitäten, die der Rundfunk hatte, ausgefüllt haben. Aber immerhin hat der Rundfunk mal einen Livemitschnitt von uns gemacht. Da haben wir im "Haus der jungen Talente" gespielt. Unser Programm bestand zum größten Teil aus meinen Kompositionen, plus ein paar internationalen Titeln.
Hast du den Mitschnitt noch?
Ja, den habe ich noch. Was wir oder was ich gespielt habe und worüber es Mitschnitte gibt, das hebe ich mir auf. Die Aufnahme von diesem Konzert hatte ich auf Tonband und habe es mir irgendwann auf Festplatte überspielt.
1977 ging es für dich weiter zur Gruppe PRINZIP. Haben die dich entdeckt, als du bei PROGRESSIV gespielt hast, oder wie kam der Kontakt zu dir zustande?
Das kam durch die Friedrichshainer Musikschule, auf der ich insgesamt drei Jahre war. Wie der Zufall es wollte, war ich mit Jürgen "Matko" Mattkowitz in einer Klasse. Montags vor dem Unterricht hat erstmal jeder erzählt, was am Wochenende so los war. Da ging es meistens darum, wer wo und mit wem gespielt hat. Dadurch lernte man sich untereinander schon gut kennen. Anfangs war PRINZIP ja eine reine Gitarrenband, aber sie wollten zukünftig mit einem Keyboarder weitermachen. Sie waren der Meinung, dass ich gut in die Band passen würde und mich selber hat es auch sehr interessiert, weil sie richtige Rockmusik gemacht haben. Die meisten DDR-Bands spielten meistens nur solche lyrischen Sachen, was aber nicht so mein Ding war. Als es sich dann rumsprach, dass ich bei PROGRESSIV aussteigen will, kamen plötzlich von allen möglichen Bands Angebote, bei ihnen mitzuspielen. Bernd Aust von ELECTRA kam zum Beispiel direkt zu mir nach Hause und ein paar andere, sehr bekannte Musiker bemühten sich ebenfalls um mich. Aber ich hatte mich bereits für PRINZIP und damit für den härteren Rock entschieden.
Gruppe Prinzip (Foto: Herbert Schulze)
Du hast ja damit einen richtigen Satz nach vorne gemacht und konntest rockmusikalische Erfahrungen sammeln. Wie war das Arbeiten mit PRINZIP denn überhaupt für dich? War es eine große Umstellung, als Tastenmann in eine Rockband einzusteigen?
Das fiel mir relativ leicht, denn als Tastenmann musste ich ja nicht so viel spielen. Bei PROGRESSIV hatten wir noch einige Titel nachgespielt, die stellenweise auch nicht so einfach zu spielen waren, zum Beispiel das eine oder andere Werk von COLOSSEUM. Damals galten diese Art Musikstücke ja noch als Werke. Währenddessen handelte es sich bei PRINZIP in erster Linie um Gitarrenmusik, auch wenn ich natürlich auch meine Anteile hatte, aber das war alles nicht wirklich dramatisch. Jahre später habe ich gemerkt, dass ich auf technischer Ebene ganz schön raus war, wenn es um das Klavierspielen ging. Später bei PANKOW war ich schon deutlich mehr gefordert.
PRINZIP war ja bekannt dafür, eine ziemlich geile Liveband zu sein. Die zogen richtig viel Publikum an und es hat auf den Konzerten immer ordentlich gerappelt. Welche Erinnerungen hast du an diese Live-Auftritte mit PRINZIP? Du hast vorhin mal erwähnt, dass die Leute immer nach vorne an die Bühne strömten und die Stimmung super war. Kannst du das vielleicht etwas konkretisieren und uns erklären, was PRINZIP live für einen Status hatte?
Also wir hatten mit PRINZIP durchaus einen recht hohen Status. Bei uns gab es jede Menge Showelemente, es knallte, es brannte, es explodierte. Das hat in dieser Intensität in der DDR kaum eine andere Band gemacht. Okay, vielleicht ansatzweise die PUHDYS. Matko hat ständig an irgendetwas gebastelt und das dann auch zum Einsatz gebracht. Manches war aus heutiger Sicht lächerlich, wie zum Beispiel eine Seifenblasenmaschine. Für eine Rockband eigentlich ein Unding. Es klappte aber auch nicht alles. In dieser Seifenblasenmaschine drehten sich solche Pustedinger, die die Seifenblasen erzeugen. Das Ganze tauchte in eine Art Seifenlauge ein und wenn es zu kalt war, sind keine Seifenblasen entstanden, sondern es schmadderte nur ein seltsames Zeug raus. Es kamen also keine Blasen raus, sondern nur diese Lauge. In einem Dorfklub ist es dann passiert. Und zwar tanzten die Leute schon auf dem Tisch, wenn die Seifenblasenmaschine anfing zu arbeiten. Nun hatte diese Maschine aber einen ziemlich seifigen Film auf die Tischplatte geblasen, was die Leute nicht gesehen hatten. Und natürlich kam einer von den Fans auf dem Tisch dadurch ins Rutschen, was zur Folge hatte, dass alle von dem Tisch nach unten auf den Boden stürzten. Das war eine ganz schöne Katastrophe.
Klamottenmäßig wart ihr bei PRINZIP ja auch immer ganz vorne dabei.
Oh ja. Wir hatten einen Lederschneider in Sachsen, der uns mit Klamotten versorgt hatte, die an den Style von KISS angelehnt waren. Ich erinnere mich noch daran, dass ich nach meinem Einstieg bei PRINZIP noch keine eigenen Stiefel hatte. Also gab man mir ein Paar Theaterstiefel, die wohl aus einem Stück über die Musketiere stammten. Nur leider waren die Dinger ziemlich instabil. Es waren Plateau Stiefel. Die Sohle war ziemlich hoch und der Absatz stand allein und wurde nur von einem dünnen Stück Leder gehalten. Zum Laufen ging es gerade so, aber wehe, man stand nur mal einige Zeit auf dem Absatz rum. Als wir dann mal irgendwo spielten, war unter der Bühne die Bar. In einer der Pausen zwischen den Tanzblöcken wollte ich runter zur Bar, drehte mich auf dem Absatz um, der sich wiederum nach hinten bog und dafür sorgte, dass ich den Halt verlor. Ich rutschte dann mit Karacho Stufe für Stufe auf dem Hintern runter… Das war nicht schön.
Auf jeden Fall hast du eine Menge erlebt und mitgemacht. Aber aus heutiger Sicht kannst du uns vielleicht verraten (wir sind ja hier unter uns), ob du dich damals in den Klamotten wirklich wohlgefühlt hast, oder hast du gefragt, was du da eigentlich machst?
Nö, ich fand das schon cool. Irgendwann bekam ich ja auch richtige Stiefel, die auch eine gewisse Zeit gehalten haben. In den Dingern bin ich sogar privat rumgelaufen. Das war eben zu dieser Zeit ein typisches Ding. Heute schlägt man sicher deshalb die Hände über dem Kopf zusammen.
Autogrammkarte der Gruppe Prinzip
Du hast es etwas mehr als drei Jahre bei PRINZIP ausgehalten und bist dann in den eher beschaulichen Kreis von 4 PS gewechselt. War es dir auf Dauer bei PRINZIP zu laut?
Für mich ist das Ding mit PRINZIP letztlich nicht so aufgegangen, wie ich mir das vorgestellt habe. Außerdem wollte ich als Keyboarder auch etwas mehr machen. Auch wuchs mein Verlangen an, wieder mehr eigene Songs zu schreiben und zu singen, sowie überhaupt alles etwas intensiver zu betreiben. Deshalb teilte ich nach drei Jahren PRINZIP den Jungs im März mit, dass ich zum Jahresende aussteigen werde. Somit hatten sie genügend Zeit, sich darauf vorzubereiten und sich einen Nachfolger für mich zu suchen. Sie versuchten mich zum Bleiben zu überreden, aber mein Entschluss stand fest. Eigentlich wollte ich danach alleine weitermachen, aber dann habe ich mal Veronika Fischer mit ihrer Band um Franz Bartzsch erlebt. Das war übrigens die beste Bandbesetzung, die Vroni je hatte. Ich fand das unheimlich gut, was die da veranstalteten. Und drei, vier Wochen später brach dann die Nachricht über uns herein, dass Franz Bartzsch im Westen geblieben sei. In dieser Zeit haute ja ständig irgendein Musiker in den Westen ab, nun also auch Franz Bartzsch. Mir tat das einerseits unheimlich leid, andererseits keimte in mir aber auch ganz langsam der Wunsch, da einzusteigen, wenn Vroni und die anderen Jungs das wollen. Nun kam es einige Zeit später zu einem ganz witzigen Treffen zwischen dem Trommler Frank Hille und mir, bei dem Frank mich davon überzeugen wollte, dass ich unbedingt bei ihnen mitspielen sollte, während ich ihm zu erklären versuchte, dass ich der Richtige für sie sei. Beide Seiten wollten also dasselbe. So kam ich in die Band. Ich hörte mir das Konzert mühevoll vom Tonband herunter, da es keine Noten gab. Was Franz da gespielt und gesungen hatte, war nicht ohne. Als ich es dann drauf hatte, sind wir auf Tour gegangen. Was passierte dann? Veronika Fischer ging ebenfalls in den Westen! Somit hatte sich das Thema auch erledigt.
Das war ja ohnehin nur eine kurze Zeit, ich glaube von 1980 bis 1981. Veronika Fischer war zu der Zeit ein richtiger Superstar und hat alles abgeräumt. Was war sie denn für eine Kollegin? Wenn du heute mal zurückblickst: war es ein entspanntes Arbeiten mit ihr oder war es doch alles etwas angespannt, weil Vroni ja doch eine Art Perfektionistin war?
Ach weißt du, das war ein durchaus angenehmes Arbeiten mit ihr. Da hatte ich ganz andere Kollegen, mit denen es deutlich anstrengender war zu arbeiten.
Nun war Veronika Fischer also weg, die Begleitband 4 PS stand plötzlich ohne Frontfrau da. Ihr wart zu viert, und zwar, Jürgen Ehle, Jäcki Reznicek, Frank Hille und du. Was waren denn eure ersten Gedanken, nachdem Vroni weg war. Habt ihr gedacht: Oh Gott, jetzt sind wir arbeitslos und haben nichts mehr zu tun? Oder stand für euch sofort fest, dass ihr weitermachen wollt und ihr jemanden sucht, der vorne steht und singt?
Zunächst standen wir in Kontakt mit Stefan Diestelmann, der zu der Zeit alleine durch die Lande zog und sich durchaus vorstellen konnte, mit uns zu spielen. Eine Zeitlang zogen wir das auch durch. Nun hatten wir ja unabhängig von Veronika Fischer als 4 PS auch schon drei oder vier eigene Songs geschrieben, die wir den Fans dann auch präsentierten und eigentlich wollten wir diesen Weg weitergehen. Nur leider gefiel AMIGA diese Konstellation nicht. Sie meinten, das würde sich nicht ausreichend genug verkaufen. Also standen wir ziemlich nackt da. Plötzlich kam André Herzberg um die Ecke, den ich zwar nicht kannte, aber Jürgen Ehle schon. Wir erfuhren, dass André bei der GAUKLER BAND ausgestiegen war und eine neue Band suchte. Er hatte echtes Interesse, bei uns mitzumachen, woraus dann PANKOW entstand. Andrés Bruder Wolfgang Herzberg schrieb dann dieses "Paule Panke"-Stück und er war auch der Erfinder des Bandnamens PANKOW. So fing es an.
Jetzt habt ihr ja mit Veronika Fischer eine ganz andere Musik gemacht als später mit PANKOW. Zwischendurch warst du auch im Blues zugange, als Stefan Diestelmann auf den Plan trat. Bei PANKOW wurde ja dann fast schon der ROLLING STONES-Sound gespielt. Wie entstand denn die PANKOW-Musik? Wie seid ihr auf die Idee bzw. das Konzept gekommen, dass PANKOW so klingt, wie es letztlich auch klang?
Das war ein längerer Prozess. Zunächst fingen wir ja mit "Paule Panke" an. Zu der Zeit war gerade die Neue Deutsche Welle aktuell, weshalb "Paule Panke" auch so ein bisschen in diese Richtung ging. Wir haben zu den Texten von Wolfgang Herzberg die Musik geschrieben. Wir fuhren morgens mit leeren Händen in den Proberaum und hatten am Abend einen Song fertig. Das war eine schöne Art des Arbeitens, das ich so noch nicht kannte. Sonst hatte immer einer alleine ein Konzept angefertigt, was allen vorgestellt wurde und daraus machte man im Idealfall einen Song. Aber dass man mit der ganzen Band bei Null und ohne eine echte Idee anfängt, das war schon neu für mich. Es ging ja im Prinzip um den Tagesablauf von Paule Panke. So entstanden die Songs. Hinterher entstand noch das Konzeptalbum "Hans im Glück", was auch so eine Art Rocktheater war. Auch hier schrieb Wolfgang Herzberg die Texte. Damit hatte sich diese Art Musik aber auch erschöpft und es begann eine Zeit, in der Jürgen Ehle anfing, die Musik für PANKOW zu komponieren. Für mich war es hingegen schwierig, am Klavier Songs für Gitarren-Rock zu schreiben. Ich hatte anfangs keine Vorstellungen davon, wie das Endprodukt klingen sollte, das lernte ich erst später.
Erstes Bandfoto der Gruppe PANKOW
Du hast eben das "Paule Panke"-Programm angesprochen. Ihr wart eine frisch gegründete Band, wart alle noch relativ jung, habt diese Songs geschrieben und plötzlich kommt einer von oben und erzählt euch, das wäre alles nicht systemkonform und die Plattenproduktion findet nicht statt. Normalerweise zerbricht eine Band an so etwas. Ihr seid aber nicht zerbrochen. Hattet ihr diese "Jetzt erst recht!"-Haltung oder wie kann man sich die Stimmung vorstellen, die bei euch herrschte?
Ich kann nur für mich sprechen. "Paule Panke" entstand ja ganz am Anfang der PANKOW-Zeit. Und für mich war diese Art Musik und vor allem die Inhalte das Einzige, was ich mir für eine DDR-Band vorstellen konnte. Die Texte waren ja auch kein Auftragswerk aus der Feder irgendeines fremden Texters, sondern die kamen ja von André Herzbergs Bruder und somit direkt aus unserem Umfeld. Dass das unser eigenes Leben war, was der Paule Panke erlebte und dass wir genau das auf die Bühne bringen müssen, das traf zu hundert Prozent meinen Nerv und meine Gefühle. Es ging also immer um Probleme, die uns selber interessiert haben. Bei anderen Bands, so hatte ich jedenfalls den Eindruck, war das nicht unbedingt so. Da schrieben fremde Leute für die Bands die Texte, zumeist war es ja Kurt Demmler. Da fehlte für mich dann immer irgendwas. Kurt Demmler hat übrigens direkt für PANKOW niemals einen Text geliefert, aber wir haben auf der "Kille Kille Pankow"-LP einen Song mit einem Demmler-Text drauf. Und zwar war das der Song "Ich bin lieb". Aber das war schon eine ältere Nummer, die wir im Konzert von Veronika Fischer spielten, für die Kurt Demmler ja viel geschrieben hat. Die Nummer gefiel uns, zumal der Stil ja auch in Richtung Neue Deutsche Welle ging, und deshalb nahmen wir "Ich bin lieb" mit auf dieses Album. Später gab es hin und wieder mal ein paar Gasttexter, aber in der Regel stammten die Texte alle aus unserer Feder.
Ihr hattet also eine gewisse Aufbruchstimmung und hattet Bock weiterzumachen.
Ja, auf jeden Fall. Es stand zu keiner Zeit zur Debatte, dass wir aufhören würden, weil die Platte nicht gemacht werden durfte. Es gab damals für mich das Angebot bei KARAT einzusteigen, aber da war ich bereits bei PANKOW. Wir reden hier vom Jahr 1982, als KARAT mehr im Westen als im Osten spielte. Und ja, natürlich wäre das super gewesen, in den Westen fahren zu können und nebenbei auch noch richtig viel Geld zu verdienen. Aber ob man mir das nun glaubt oder nicht - ich wollte nicht. Mir hat die Arbeit bei PANKOW so viel Spaß gemacht, dass ich unbedingt da bleiben wollte.
Neben deinem Engagement bei PANKOW bist du 1982/83 auch solistisch tätig geworden. Du hast nämlich eigene Songs produziert. Unter anderem ist von dem Lied "Kinderspiel" zu lesen gewesen und ein weiterer Song, der mir persönlich richtig gut gefällt, heißt "Das ist mir nicht genug". Diese Nummern sind aber nie auf einer Platte erschienen, oder?
Zu DDR-Zeiten nicht, aber es gibt eine Hamburger Firma, die hat die Songs im Nachhinein noch gekauft.
Warum ist es denn aber nie zu einer eigenen Platte gekommen? Du hast immerhin Platz 17 der DDR-Jahreshitparade 1984 belegt.
Na ja, zwei Platten habe ich produziert. Das eine ist ein Studioalbum aus dem Jahr 2017 mit neuen Songs. Und danach gab es noch eine Doppel-Live-CD, die die Titel des Studioalbums enthält und weitere Songs, an denen ich im Laufe der Zeit mitgewirkt habe. Nur PRINZIP-Songs sind leider nicht dabei.
Diese Platten sind aber erst nach der Wende erschienen. Zu DDR-Zeiten hat dir AMIGA keine Möglichkeit gegeben, deine Lieder zu veröffentlichen?
Ich habe immer wieder nachgefragt bei AMIGA. Zumal es ja damals diese Quartett-Reihe gab, wo man sich wenigstens mit ein paar Titeln hätte vorstellen können. Aber immerhin haben die Herrschaften von AMIGA gemeint, meine Stimme klinge so ähnlich wie die von Steve Miller und sie würden mir anbieten, eine Coverversion von "Abracadabra" mit mir aufzunehmen.
Das finde ich persönlich sehr schade, denn die Lieder, die ich von dir kenne, hätten es durchaus verdient, auf einer eigenen Platte zu erscheinen. Da hat AMIGA schlicht und einfach gepennt. Trotzdem warst du auch mit PANKOW sehr erfolgreich. Ihr habt Platten aufgenommen, ihr habt viel live gespielt und das Publikum begeistert. Ihr wart eben eine junge, knackige Band mit einem deutlichen Einschlag in Richtung ROLLING STONES. Und ihr wart nicht wirklich auf Linie, sondern seid lieber immer ein bisschen quer gelaufen. Wie hast du persönlich diese Zeit in den 80er Jahren mit PANKOW empfunden?
Es war traumhaft schön. Dieses sich einmischen in die Politik, aber trotzdem nicht völlig auszubrechen und abzuheben, das war alles genau auf der Ebene, die mir großen Spaß gemacht hat. Wir wollten, dass wir rockig klingen und wir wollten auch, dass das, was wir machen, inhaltlich mit uns zu tun hat. Was in der Aktuellen Kamera erzählt wurde, hat mich nicht wirklich interessiert, weil es nichts mit der Realität zu tun hatte. Umso mehr haben wir uns gefreut, wenn wir mit Leuten zu tun hatten, die die Welt so gesehen haben, wie sie wirklich ist. Von daher war das mit PANKOW eine großartige Zeit. Wir haben ständig am Rad gedreht, haben uns eingemischt und dazu passend auch die entsprechenden Lieder geschrieben.
Dein Mitwirken bei PANKOW war deine längste Verweildauer in einer Band. 1996 war dann aber plötzlich Schluss für dich. Warum hast du PANKOW verlassen?
Das hatte damit zu tun, dass wir ja nach der Wende ohne André Herzberg weitergemacht haben. Irgendwann wollte aber vor allem Jürgen Ehle wieder mit Andrè zusammen auf der Bühne stehen. Deshalb gab es zwischen André, Jürgen und mir ein Gespräch, in dessen Ergebnis klar war, dass André wieder bei PANKOW mitmischen möchte. Hauptsächlich wollte er aber eine Art Revival starten, also die alten PANKOW-Sachen wieder aufleben lassen, was aber gar nicht in meinem Interesse lag. Für mich stand hingegen fest, dass man ja zwei oder drei alte Nummern immer mal einfließen lassen kann, aber grundsätzlich sollte man sich als Band weiterentwickeln und neue Titel aufnehmen.
Parallel zu PANKOW hast du auch andere Dinge veranstaltet. Unter anderem hast du Theatermusik gemacht. 1990 kam es dann zu einer Zusammenarbeit mit Mikis Theodorakis und bist mit ihm sogar auf Europatournee gegangen. Dann bist du also nach deinem Ausscheiden bei PANKOW weich gefallen?
Na ja, mit PANKOW hatte ich natürlich viel mehr Erfolg, denn hier reden wir von einer DDR-Spitzenband. Ansonsten habe ich Filmmusiken geschrieben, habe mit Mikis Theodorakis und der Kreuzberger Chansonsängerin Annette Berr zusammengespielt. Das sind alles Sachen, die unterschiedlich zueinander sind.
Wenn ich mir anschaue, was du alles schon gemacht hast, ist es auch unübersehrbar, dass es alles Sachen sind, die dir absolut am Herzen liegen.
Genauso ist es. Ich habe das alles nur gemacht, wenn es mir auch gefallen hat.
Mikis Theodorakis hat dich ja in den höchsten Tönen gelobt und von dir als einem guten Musiker gesprochen, der ihn auch verstanden hat.
Das ist so eine Sache… Bei PANKOW beispielsweise habe ich in der Zeit der größten Erfolge nicht gesungen, habe auch trotzdem all meine Kreativität reingelegt in die Sachen, die wir gemacht haben. Wichtig ist, dass man sich total reinkniet und vor allem hinhört, was dort textlich passiert usw. usf. Das habe ich auch bei Mikis Theodorakis umgesetzt. Als er seinen Zyklus "Sonne und Zeit" geschrieben hat, saß er gerade in Athen im Knast. Ich habe versucht hinzuhören, was in ihm vorgegangen ist und was ihm passiert ist und habe dementsprechend die Musik dazu gemacht. Ich wusste, dass Theodorakis unheimlich auf Rockmusik steht. Von diesem Zyklus wurden schon mal ein paar Nummern gespielt, aber das wurde eher im Stile eines Singeklubs präsentiert. Er hat zwar nicht direkt gesagt, dass ihm diese Interpretation nicht gefallen hat, aber er hatte sich im Stillen immer gewünscht, dass die Musik ähnlich klingt wie die von den ROLLING STONES. Sein Traum war also weiterhin, dass sich nochmal jemand an dem Zyklus versucht und da kam sein Manager auf die Idee, dass PANKOW genau die Richtigen dafür wären. Zum Glück war ich da noch bei PANKOW. Ich habe zunächst von drei Songs Demoversionen angefertigt und fragte meine Bandkollegen, wann wir uns denn mal da ran wagen wollen. Aber sie waren der Meinung, dass wir erst einmal an unseren eigenen Titeln feilen sollten. Na ja, aber nun ist ja Mikis Theodorakis nicht irgendwer und ich dachte mir, wir sollten unbedingt auf den Zug aufspringen und die Chance nutzen. Kurze Zeit später kam es dann zu meinem Ausstieg bei PANKOW. Nun war ich der Einzige, der sich schon mal mit dem Theodorakis-Material beschäftigt hatte. Er hörte sich meine Entwürfe an und wollte unbedingt, dass ich weitermache und am Ball bleibe.
PANKOW mit "Hans im Glück" (Foto: Herbert Schulze)
Du sagtest eben, du bist in dieser Zeit bei PANKOW raus. Bist du zweimal ausgestiegen? Denn meines Wissens war die Sache mit Mikis Theodorakis schon 1990.
1990 haben wir mit Theodorakis eine Europa-Tour gemacht. Das war auch meine erste Begegnung mit ihm. Ich lernte bei der Gelegenheit auch seinen Manager kennen, mit dem ich seither gut befreundet bin. Er trug 1996 Mikis Wunsch an mich heran, diesen Zyklus zu vertonen.
Du hast also in deiner Karriere unheimlich viel gemacht, vor allem auch Filmmusik. Untätig warst du jedenfalls zu keiner Zeit, auch wenn vielleicht manches nicht ganz so bekannt geworden ist. Wann hast du denn wieder angefangen, als Solist live aufzutreten? In den 80ern hattest du das ja auch schon kurzzeitig gemacht.
Ich glaube, das erste Zeitfenster, was in deine Frage passt, war diese Sache mit Mikis Theodorakis. Da habe ich mit Maria Farantouri und einigen Musikern "Sonne und Zeit" in der Berlin Kreuzberger "Passionskirche" gespielt. Maria hat die Stücke in der griechischen Bearbeitung gesungen und ich habe im gleichen Konzert die Stücke in meiner Bearbeitung auf Englisch gesungen. Ich wurde nur von meinem Freund, einem französischen Multiinstrumentalist begleitet. Im Laufe des Konzertes wurden die Musiker vertauscht, und am Ende haben wir dann alle zusammengespielt. Zu diesem Anlass habe ich angefangen, allein auf der Bühne zu stehen und zu singen, zu spielen und zu moderieren. Das habe ich all die Jahre durchgezogen. Davon konnte ich einigermaßen gut leben, bin aber nicht reich geworden.
Was machst du heute? Deine CDs sind zehn Jahre alt, aber danach habe ich eine Riesenlücke auf meinem Zettel.
Im vergangenen Jahr hat mich Florian Galow, der Kontrabassist, mit dem ich zusammenspiele, gefragt, ob wir nicht mal was mit zwei Streichern, und zwar einem Cello und einer Bratsche, zusammen machen wollen. Das sind zwei junge Leute aus Lübeck, die Lust dazu haben. Ich habe daraufhin vier oder fünf Stücke arrangiert, wir haben das gemeinsam geprobt und fanden es alle toll. Nun haben wir 17 Songs aufgenommen, drehen ein Video und los geht´s!
Und schon sind wir wieder am Anfang unseres Gespräches, denn es kommt ja auch noch die PRINZIP-Platte raus. Hast du eigentlich persönliche Erwartungen an diese PRINZIP-Scheibe? Das ist ja eine tolle Arbeit, die ihr da gemacht habt. Ich habe schon reinhören dürfen in die Platte und kann bestätigen, dass es ein toller Mitschnitt ist und es ganz sicher ein großartiges Konzert war. Glaubst du, dass es den einen oder anderen gibt, der PRINZIP für sich neu entdeckt oder wiederentdeckt?
Also wenn so etwas veröffentlicht wird, hat man ja immer gewisse Hoffnungen, dass es ein Erfolg wird. Ich denke schon, dass es gute Musik ist, die man den Leuten anbieten kann. Vielleicht staunt ja manch einer, dass es zur damaligen Zeit schon so gute Musik gab.
Rainer Kirchmann solo (Foto: privat)
Ich habe ja für Deutsche Mugge mit Jürgen Matkowitz in den letzten Jahren ein paar Interviews geführt. Bei der Gelegenheit habe ich immer wieder an ihm rumgebaggert, wie es denn mit einem Comeback von PRINZIP aussieht. Er hat sich natürlich immer tapfer gegen solche Gedanken gewehrt. Hättest du denn Bock, noch einmal live mit dieser Band auf die Bühne zu gehen?
Nein.
Würde es dich denn bei PANKOW reizen?
PANKOW gibt am 12. Juli sein letztes Konzert.
Rainer, ich danke dir herzlich für das Gespräch und wünsche dir für die Zukunft alles Gute.
Vielen Dank, das wünsche ich dir auch.
Interview: Christian Reder
Übertragung: Torsten Meyer
Fotos: Herbert Schulze, Archic Rainer Kirchmann
Übertragung: Torsten Meyer
Fotos: Herbert Schulze, Archic Rainer Kirchmann
