© Deutsche Mugge (2007 - 2025)

Christof Stein-Schneider
(Fury In The Slaughterhouse)

Interview: Juli 2025

 

FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE haben nicht nur eine bewegte Vergangenheit, sondern auch eine interessante Gegenwart und Pläne für die Zukunft. Sie prägen Generationen und sind heute noch präsent mit Musik, zu der schon in den 1980er Jahren gefeiert wurde. Aber es ist auch neues Material in Arbeit. Am Rande der Tour im Juni und Juli 2025 hatten wir Gelegenheit, mit Gitarrist Christof Stein-Schneider ausführlich über einige Dinge zu reden.




Ihr seid ja schon fleißig auf Tour mit den FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE. Wie läuft es denn bis jetzt?
Ja, super. Alles gut. Die Leute rennen uns die Bude ein, aber wir haben Spaß und 40 Jahre üben, das macht sich einfach auch bemerkbar beim Spiel.
 
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Man hat dann bestimmt auch eine gewisse Gelassenheit, oder?
Ja, eigentlich schon. Also es ist schon immer noch so, dass es kribbelt bevor wir auf die Bühne gehen, aber es ist nicht mehr so schlimm wie früher. Wobei, als wir vor kurzem im Vorprogramm von Bryan Adams gespielt haben, das ist natürlich dann schon wieder ein bisschen aufregend. Bryan Adams ist natürlich so ein bisschen ein Held der Jugend. Das ist dann so ein Fanboy-Moment, wo es dann doch noch ein bisschen aufregender wird. Aber nein, alles toll.

Den sehe ich tatsächlich dieses Jahr auch noch live in Chemnitz. Da spielt er ein OpenAir-Konzert.
Ja, das lohnt sich auf jeden Fall. Geile Band, geiler Typ. Und es war tatsächlich auch völlig entspannt. Man hat ja bei solchen Produktionen manchmal so das Gefühl, das wird echt anstrengend, weil da bist du als Support oft nur der letzte Hänger. Aber es war überhaupt nicht so. Er kam kurz mal bei uns in der Garderobe und hat eine halbe Stunde vorbeigeschaut, und es war alles ganz entspannt. Wir hatten zudem ein schönes Festival mit den HOOTERS zusammen, mit denen haben wir schon vor über 30 Jahren gespielt. Das sind auch sehr freundliche Kollegen.

Kannst du denn jetzt schon ein Highlight nennen aus dem ersten Tourblock?
Na ja, ich meine, was tatsächlich im Moment sensationell ist, ist, dass wir im Süden plötzlich so viele Leute ansprechen. Wir haben in Meersburg am Bodensee gespielt. An einem Donnerstag, und es war trotzdem ausverkauft. Wir haben in Mannheim gespielt, 4.000 Leute. So viele hatten wir da noch nie. Es scheint gerade richtig gut zu laufen, auf jeden Fall ist das sehr faszinierend und alle haben Spaß. Es ist wie immer sehr friedlich bei uns, es gibt überhaupt keinen Ärger. Die Security ist dafür da, Wasser in die erste Reihe zu reichen. Und es ist einfach ein großes Familienfest, was ja gerade in den heutigen Zeiten doch eine Menge wert ist, finde ich.

Das auf jeden Fall. Ihr seid ja auch sehr locker. Wir beide haben uns schon mal getroffen im Rahmen eines FINAL STAP-Auftritts. Da konnten wir schon mal quatschen. Ich hatte Interviews mit Thorsten und mit Kai, und ihr seid ja alle völlig entspannt.
Ja, ich meine, uns scheint die Sonne aus dem Arsch. Wir haben den tollsten Beruf der Welt. Wir dürfen das tun, was wir tun wollen. Wir kriegen Applaus. Wir können unsere Miete davon bezahlen. Ich meine, viel mehr kannst du im Leben eigentlich nicht verlangen. Insofern sollten wir einfach dankbar sein für das, was uns passiert.

Das ist eine sehr bodenständige Einstellung. Ich glaube, es gibt gerade so ein Revival der 80er oder eine Sehnsucht nach den 80ern.
Ich meine, guck dir die Welt an. Die Leute wollen, glaube ich, die gute alte Zeit zurück. Wir hatten auch viel Mist, wie zum Beispiel den kalten Krieg. Aber das, was jetzt passiert, dass wir regiert werden von geldgeilen Verbrechern, ist eine Katastrophe. Die Kriege kommen näher, und man fragt sich: "Wo soll die Reise hingehen, wenn man sich das alles so anschaut?" Damals war die Zeit dann doch eine ganz schön glückliche und entspannte Zeit im Vergleich zu heute.

Ihr stiftet ja Hoffnung, indem ihr Geld sammelt bei euren Konzerten für gemeinnützige Projekte und Vereine. Ihr habt das ja vor zwei Jahren bei der Tour schon gemacht. Begleitet ihr die Projekte denn auch jetzt noch?
Teilweise ja. Wir haben eine Internetseite, auf der die Projekte stehen. Es gibt ein paar Projekte, die sind jetzt auch immer noch dabei. Wir schauen schon, was passiert. Die Little Homes waren jetzt gerade in Mannheim wieder dabei, und wir haben auch eine Menge Geld eingenommen. Wir beobachten das und versuchen, Organisationen zu finden, denen wir vertrauen können. In Hannover bin ich zum Beispiel bei der Weihnachtsfeier für Obdachlose aktiv, die machen wir ja seit 15 Jahren. Wir sind nicht tagtäglich dabei, aber wir machen so gut es geht hier in Hannover mit und versuchen, das alles auf einer persönlichen Ebene zu halten. In Hannover waren es jetzt die Kleinen Herzen. Das ist ein Verein, der kümmert sich darum, dass es nicht die üblichen sterilen Kinderkliniken sind, sondern sie machen Musiktherapie und ähnliche Sachen. Wir versuchen das schon auf einer sehr persönlichen Ebene zu halten, ja.
 
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Ihr habt ja jetzt vor der Tour einen neuen Song veröffentlicht. Kannst du dazu was erzählen?
Ja, "Sorrowland" handelt von unserer Zeit. Es geht darum, dass es so nicht weitergehen kann, dass es irgendwann wieder besser wird. Ich sehe es bei vielen meiner Freunde und Bekannten, wie druckvoll die wirtschaftliche Situation allmählich wird. Ich kenne Familien, in denen beide Elternteile einen Job haben und sie trotzdem kaum ihre Miete bezahlen können, weil die Mietpreise so in die Höhe gehen und die Lebensmittelpreise steigen. Das wird wahrscheinlich absehbar nicht besser. Insofern die Hoffnung aufrechterhalten, weil das ja das ist, was uns am Ende auch am Leben hält. Das ist auch der Grund, weswegen wir diese Aktion mit den NGOs machen, weil das für uns Hoffnungsträger sind. Sie sind bereit, anderen Menschen zu helfen, die am Boden liegen, und dafür ihre eigene Energie, Zeit und Geld einzusetzen. Das macht mir Hoffnung.

Wie kam es damals zu der Idee, die NGOs zu unterstützen?
Eigentlich kam die Idee, als wir in einer schwierigen Zeit zwei Platten gemacht haben. Wir haben "Now" und "Hope" gemacht. Aus dieser Zeit stammt der Satz: Kunst und Kultur sind systemrelevant. Wir haben uns gefragt, was unsere Systemrelevanz sein könnte. Und wir sind darauf gekommen, dass, wenn wir zusammen Musik machen und zusammen singen, unser Gehirn nicht in der Lage ist, Angst zu empfinden. Wenn wir keine Angst haben, können wir Perspektive und Hoffnung entwickeln. Der Titel "Hope" kam durch das Ganze zustande. Das hat uns zu der Frage gebracht, wie wir Hoffnung stiften können. So kam es letztlich zu der Idee mit den gemeinnützigen Vereinigungen, die sich um Dinge kümmern, um die sich unbedingt gekümmert werden muss. Ich glaube, eine Gesellschaft ist nur so stark wie ihre schwächsten Mitglieder.

Die Corona-Zeit hat mir gezeigt, dass wir demütig für das sein sollten, was wir in guten Zeiten für selbstverständlich erachten. Es ist nicht selbstverständlich, zu einem Konzert zu gehen und Spaß zu haben. Auch hat die Corona-Zeit uns einmal mehr vor Augen geführt, dass an der Musik viele Jobs hängen, vom Kabelträger über Bühnenbauer bis hin natürlich zu euch Musikern. Musik ist für uns alle wichtig, und wir sollten das, was wir haben, zu schätzen wissen.
Da sagst du gerade was völlig Richtiges, das finde ich eben auch. Vielleicht sind wir mit unserer Zeit viel zu selbstverständlich umgegangen. Ein Freund von mir, der Autor Bernd Gieseking, hat in einer Kolumne geschrieben, dass wir Generation GGG sind. Also Generation Glück gehabt. Wir wurden zur richtigen Zeit am richtigen Ort geboren. Ich glaube, damit hat er sehr recht. Ich finde, dafür sollten wir dankbar sein und gleichzeitig gibt es uns ein bisschen die Verpflichtung, Hoffnung zu geben und dieses Gefühl auch an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

Das zeigt sich ja zum Beispiel auch an kleinen Freibädern, die oft über gemeinnützige Vereine laufen
Vorletztes Jahr hatten wir den NGO Freibadverein Clenze dabei, die sich um drei oder vier kleine Freibäder im Wendland kümmern. Das ist das einzige, was die Jugendlichen da noch haben. Wo auch die Generationen zusammenkommen. Die versuchen, diese Dinge aufrechtzuerhalten, was schwierig genug ist. Der Kontakt kam durch Thorsten zustande, der in der Gegend wohnt.

Ist denn jetzt auch ein neues Album in Planung oder sogar schon in Arbeit?
Ja, wir sind die ganze Zeit fleißig dabei. "Sorrowland" wird natürlich auf der neuen Platte enthalten sein. Außerdem wird auch die Nummer dabei sein, die wir letztes Jahr herausgebracht haben und die "Everyday Heros" heißt. Die beschäftigt sich mit genau den Menschen, die unsere Gesellschaft am Leben erhalten haben, ohne dafür ständig Applaus zu bekommen oder in den Medien stattzufinden. Wir spielen live übrigens tatsächlich einen Song, den es noch nicht auf Platte gibt, und der wird irgendwann dieses Jahr erscheinen. Es ist lustig, wenn man am Anfang der Karriere nur unbekannte Songs spielt und irgendwann ausschließlich die bekannten Hits. Dieses Mal spielen wir jedoch wieder etwas, was noch niemand kennt.

Wie ist denn da eure Erfahrung? Wollen die Leute eher die bekannten Songs hören, oder sind sie eher scharf auf neues Material?
Natürlich wollen die Leute "Time to wonder" und "Won't forget these days" hören. Mittlerweile sind sie ja auch in unserem Alter und es sind die Songs, die ihre Jugend ausgemacht haben. Glücklicherweise nehmen die Leute auch unsere neuen Songs ganz gut auf und sind gespannt, was wir so machen. Es macht Spaß, denn wir sind nicht unsere eigene Coverband, wir sind immer noch eine lebendige Rockband, die das Gefühl hat, etwas zu sagen zu haben.

Musik macht für mich alles intensiver: Glücksgefühle, Trauer oder einfach das Schwelgen in Erinnerungen.
Ich glaube, wir Menschen haben einen ganz natürlichen Zugang zu Musik. Unser Gehirn scheint an vielen Stellen Verbindungen zu haben. Insofern bin ich im Namen der Göttin der Musik unterwegs und ich kämpfe für eine bessere Welt.
 
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Gibt es Planungen für Autogrammstunden oder ähnliches?
Nein, im Moment nicht. Das lässt sich während einer Tour einfach schwer einplanen. Du kommst sicher in Leipzig zu einem der beiden Konzerte? Das ist schon verrückt, dass wir zweimal nacheinander in Leipzig spielen. Das eine Konzert ist komplett und das andere nahezu ausverkauft. Wahnsinn. Danke, danke, danke an die Fans.

Für mich seid ihr auch einfach eine der besten Livebands in Deutschland.
Das ist es eben, was uns wahrscheinlich auch ausmacht. Wir haben einfach einen großen Spaß auf der Bühne. Natürlich merken auch die Leute, dass wir keine abgekochte Band sind. Wir haben richtig Bock auf den Scheiß, den wir da machen. Das scheint sich auch auf das Publikum zu übertragen und dadurch sind es eigentlich immer riesige Feiern, wenn unsere Konzerte laufen.

Die richtige Mischung macht für mich ebenso eure Konzerte aus. Man kann Party machen zu "Time to wonder" oder hat sehr ruhige Momente wie bei " Seconds to fall". Man merkt auch, dass ihr sehr entspannt seid und einfach eine große Show nicht nötig habt.
Ja klar, das kommt über die Jahre. Man ist nicht mehr so aufgeregt.

In 2 Jahren habt ihr ja tatsächlich schon euer 40-jähriges Bandjubiläum, gibt es da schon Pläne?
Wir werden 2026 auf jeden Fall eine neue Platte herausbringen und 2027 live spielen. Dann hören unsere Pläne aber erstmal auf. Wenn wir das 40-jährige überlebt haben, werden wir erstmal in Ruhe schauen, was wir dann noch machen, wenn die Welt uns lässt. Bis dahin sind wir noch volles Brett am Start.

Ich glaube, das ist ja auch inzwischen eure Philosophie, Schritt für Schritt vorzugehen und dann zu gucken, ob es allen damit gutgeht und dann auch erst den nächsten zu gehen.
Ja genau. Dass große Pläne eh ziemlich schnell über den Haufen geworfen werden können, zeigt uns ja die Weltpolitik. Insofern sind wir einfach dankbar dafür, dass wir tun dürfen, was wir tun. Wir haben Pläne und machen eine neue Platte.

Wie hast du damals die Wingenfelder Brüder kennengelernt?
Ich hatte mit meiner damaligen Band einen Übungsraum und wohnte dort auch. Eines Nachts tauchte Kai dort auf und wir haben einfach angefangen, Musik zu machen. Wir haben dann auch eine Weile zusammengewohnt und uns von Bier und Linsensuppe aus der Dose ernährt. Wir haben davon geträumt, das machen zu dürfen, was wir jetzt machen. Von der Musik leben und unsere Miete bezahlen zu können, ohne zwischendurch noch beschissene Jobs machen zu müssen, wie es zu Beginn der Fall war. Das hat einfach hingehauen und ist mittlerweile schon über 40 Jahre her. Zwischendurch hatten wir auch eine Band gegründet, die CHINESE TRUNKATED hieß. Doch dann wollte Kai mit seinem Kumpel Karriere machen und ist ausgestiegen. Irgendwann haben wir uns in der Stadt auf ein Bier getroffen und beschlossen, uns mal auf eine Jamsession zu treffen. Da waren dann auch eigentlich schon alle Mitglieder der Originalbesetzung von den FURYS dabei. Es fühlte sich gleich anders als alle anderen Bands an, und das ist dann daraus entstanden.

Hattest du eigentlich mal Gitarrenunterricht oder bist du absoluter Autodidakt?
Nein, meine Tante Hildegard wollte mich im Alter von 7 oder 8 Jahren zum Klavierunterricht schicken, aber ich wollte Gitarre spielen lernen. Also hatte ich dann Gitarrenunterricht für zwei, drei Jahre bei einer älteren Dame. Das führte unter anderem dazu, dass ich sehr früh meine erste eigene Band gegründet habe.

Ihr habt mit FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE ja auch schon sehr verrückte Zeiten erlebt. Von wahnsinnigem Erfolg, sogar in Amerika, bis hin eben zu der vorübergehenden Trennung. Blickst du manchmal auch darauf zurück oder ist dein Blick eher nach vorne gerichtet?
Nein, eigentlich schaue ich eher nach vorne. Aber dass das alles überhaupt so funktioniert hat, ist ein Wunder. Dafür bin ich sehr dankbar und am Ende des Tages haben uns sowohl die positiven als auch die negativen Erfahrungen dahin gebracht, wo wir heute sind. Deswegen bin ich für alles dankbar, was uns in den Jahren passiert ist. Jetzt gucken wir mal, was die Welt noch so bereithält.

Gibt es für dich einen Song oder ein komplettes FURY-Album, das für dich besonders heraussticht?
Am ehesten könnte ich sagen, dass es immer wieder die neuen Sachen sind. Wenn die Platte fertig ist, höre ich sie eigentlich nicht mehr, weil ich sie ja gemacht habe und kenne. Wir haben alle neuen Songs zusammen geschrieben, was wir noch nie so konsequent gemacht haben. Es macht gerade sehr viel Spaß und es ist sehr kreativ. Ich spiele eigentlich alles gerne, weil ich mich freue, wenn sich die Menschen vor der Bühne freuen.
 
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Also kann man schon sagen, dass euch die vorübergehende Trennung gutgetan hat?
Auf jeden Fall. Ich glaube, sonst würde es uns heute nicht mehr geben. Wir waren einfach am Ende unserer Sympathie füreinander angekommen. Da lagen einfach viele Dinge zwischen uns. Damals habe ich das gar nicht in Zusammenhang gebracht, aber ich hatte in der Zeit kurz vor der Trennung eine Gesichtsrose. Zwei Wochen nach der Trennung war die weg. Ich denke, das war ein Zeichen für den psychischen Zustand, in dem wir uns im Grunde alle damals befanden. Wir haben alle ja nicht aufgehört Musik zu machen, es hat nur jeder seinen eigenen Krempel gemacht. 2013 haben wir uns das erste Mal wiedergetroffen, das war eher noch schaumgebremst. 2017 war es tatsächlich so, dass wir uns bei den Proben für die Jubiläumskonzerte angeguckt und uns gefragt haben, was damals eigentlich so dramatisch war. Oft sind die persönlichen Animositäten gar nicht zu fassen und zu begreifen. Plötzlich war es wieder total entspannt und wir haben gesehen, wie viel unsere Musik den Menschen bedeutet. Zudem haben wir einen neuen Manager kennengelernt und das Umfeld passt einfach gerade. Insofern war der Schritt zu dem Zeitpunkt richtig und wichtig, aber zum Glück ist die Zeit vorbei.

Darüber bin ich auch sehr froh. Ich bin damals über WINGENFELDER erst so richtig zu euch gekommen, also als es euch gerade nicht gab. Als es 2017 hieß, dass ihr wiederkommt, war ich sehr froh darüber.
Wie gesagt, wir sind auch einfach froh und dankbar für alles.

Wenn heute jemand auf dich zukommt und sagt, dass er oder sie auch den Traum hat, hauptberuflich Musik zu machen, würdest du heutzutage eher zu- oder abraten?
Ich würde sagen: wenn du ein glückliches Leben führen möchtest, lohnt es sich auch den Träumen hinterherzujagen. Wenn es nicht funktioniert, muss man sich halt was anderes überlegen. Aber man sollte es wenigstens probiert haben. Ich sage immer ganz salopp: wenn ich es jeden Tag schaffe, mindestens einem Kind die bürgerliche Karriere zu verderben, habe ich alles richtig gemacht.

Was hörst du denn privat?
Im Moment höre ich viel Soul, auch CELESTE oder BLACK PUMAS. Ich höre querbeet, was mir gefällt. Aber da wir aktuell ja selber viel Musik machen, bin ich auch froh, wenn ich mal keine Musik im Hintergrund habe.

Ich habe noch eine Frage abseits der FURYS: wie hast du eigentlich Mike Kilian kennengelernt, mit dem du bei FINAL STAP spielst?
Oh, das ist lange her. Wir haben Anfang der 1990er Jahre im Osten Deutschlands als Vorband für ROCKHAUS gespielt. Für uns war es ganz okay, aber für ROCKHAUS war es eine Katastrophe. Die wollte eine Zeit lang kaum jemand sehen oder hören, so ging es ja einigen Künstlern. Das muss für die Jungs extrem frustrierend gewesen sein. Jedenfalls bin ich da Mike Kilian das erste Mal über den Weg gelaufen. Als es die FURYS gerade nicht gab, haben Heinz Rudolf Kunze und Tobias Künzel eine Platte zusammen gemacht, und Heinz Rudolf Kunze wollte mich unbedingt als Gitarristen haben. So habe ich Tobias kennengelernt. Der sagte wiederum, dass ich doch einfach mal bei FINAL STAP vorbeikommen soll. Seitdem bin ich auch mit Mike Kilian befreundet. Es ist auch ein Ritual für mich geworden, jedes Jahr mit den Herren durch den Osten unserer kleinen Republik zu ziehen.

Die Konzerte sind ja auch regelmäßig wahnsinnig schnell ausverkauft.
Ja, was für ein Quatsch (lacht). Das ist grober Unfug auf hohem Niveau.

Das stimmt, aber auf jeden Fall beschert ihr den Leuten damit eine gute Zeit.
Das ist wohl fast das Wichtigste, was man heute machen kann.

Gibt es irgendetwas, das du unseren Lesern mitgeben möchtest?
Den Kopf nicht in den Sand stecken, bleibt gesund und bunt.
 

Interview: Antje Nebel
Bearbeitung: Torsten Meyer, Christian Reder
Fotos: Karla Kotzsch





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