
Bericht: J.Kurze | Fotos: R. Sonntag (im Header: Bodo Kubatzki)
"Lass die Seele baumeln"
… magic moments in Cottbus
Eigentlich wollte ich den Abend ganz einfach nur genießen – und hab trotzdem mein Notizbuch vollgekritzelt, weil es mir einfach wichtig ist, dass die Tour und die Spielstätte mehr aktuelle Aufmerksamkeit bekommen. Der Abend des 30. Mai war schon lange in meinem Terminkalender als "belegt" markiert. Nicht, weil im TV das Champions-League-Finale oder zeitgleich die Baltic Sea Darts Open der PDC European Tour aus Kiel übertragen wurden. Auch nicht, weil sich im Berliner Olympiastadion die Herren von Metallica die Ehre gaben. Nein – ich wollte es bewusst eine ganze Nummer kleiner, leiser, intensiver.
Ich freute mich auf ein Wiedersehen mit zwei Musikanten, die ich sehr schätze - Manuel Schmid & Marek Arnold - in einer Umgebung, die Nähe wünscht und zulässt. Und so war ich mal wieder in meinem "Wohnzimmer", der Theaternative C in Cottbus. Mein letzter Besuch ist noch gar nicht so lange her (im Februar waren wir bei "Jugendliebe – eine musikalische Lesung mit Christine Dähn und Thomas Natschinski"). Hier läuft alles entschleunigt und nahezu familiär ab – ich fühle mich hier immer sehr wohl. Manuel Schmid geht es offenbar ebenso, denn er gastierte am Samstag (inkl. seiner musikalischen Lesungen) bereits zum achten Mal in der Theaternative C – es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis er eine Inventarnummer erhält.
… magic moments in Cottbus
Eigentlich wollte ich den Abend ganz einfach nur genießen – und hab trotzdem mein Notizbuch vollgekritzelt, weil es mir einfach wichtig ist, dass die Tour und die Spielstätte mehr aktuelle Aufmerksamkeit bekommen. Der Abend des 30. Mai war schon lange in meinem Terminkalender als "belegt" markiert. Nicht, weil im TV das Champions-League-Finale oder zeitgleich die Baltic Sea Darts Open der PDC European Tour aus Kiel übertragen wurden. Auch nicht, weil sich im Berliner Olympiastadion die Herren von Metallica die Ehre gaben. Nein – ich wollte es bewusst eine ganze Nummer kleiner, leiser, intensiver.
Ich freute mich auf ein Wiedersehen mit zwei Musikanten, die ich sehr schätze - Manuel Schmid & Marek Arnold - in einer Umgebung, die Nähe wünscht und zulässt. Und so war ich mal wieder in meinem "Wohnzimmer", der Theaternative C in Cottbus. Mein letzter Besuch ist noch gar nicht so lange her (im Februar waren wir bei "Jugendliebe – eine musikalische Lesung mit Christine Dähn und Thomas Natschinski"). Hier läuft alles entschleunigt und nahezu familiär ab – ich fühle mich hier immer sehr wohl. Manuel Schmid geht es offenbar ebenso, denn er gastierte am Samstag (inkl. seiner musikalischen Lesungen) bereits zum achten Mal in der Theaternative C – es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis er eine Inventarnummer erhält.

Über das Konzert mit Manuel und Marek im Oktober 2023 schrieb ich damals sinngemäß: „hohes musikalisches Können und viel Herzblut – dazu ein wundervolles Miteinander von allen Beteiligten auf der Bühne und im Saal - vielen Dank!" So, fertig – stimmt auch diesmal zu 100 Prozent. Na gut, ein paar Worte mehr werden es jetzt doch. Es ist unglaublich, welch eine Magie diese beiden Musiker ohne jegliche Show-Mätzchen ausstrahlen. Minimalistisches Instrumentarium (Saxophone, Stagepiano, Cajon), ein Gesangsmikrofon, ein unauffälliger Tablet-gesteuerter Digitalmixer – that's all. Es gab "nur" stehendes Bühnenlicht, kein wirres Geflacker, der Ton über die PA des Theaters war glasklar – und wenn ich diesbezüglich mal nix zu meckern habe, dann heißt das schon was ;-)
Die diesjährige Tour konzentriert sich ausschließlich auf eigene Werke. Ganz bewusst wollten die Beiden nach dem überwältigenden Erfolg der Balladentour 2026 eine Grenze ziehen und verzichten im Gegensatz zu 2023 auf ihre Interpretation einiger Ostrock-Songs – für mich eine nachvollziehbare Entscheidung, und der Fundus an eigenen Werken ist ja inzwischen wirklich groß. Als ich im Vorfeld nach einer Setliste fragte gab es nur ein Schmunzeln: es gäbe zwar einen ungefähren Ablauf, aber vieles würde spontan entschieden. Diese Lockerheit durchzog das Programm und führte beim Manuels entspannter Moderation zu vielen heiteren Momenten, die oft auch im Dialog mit dem Publikum entstanden. Doch dazu später.
Nach dem im Theater üblichen, wohlvertrauten Glockensignal für "Gleich gehts los" und "Jetzt gehts los" betrat Marek allein die Bühne und eröffnete mit einem Saxophonmotiv den Abend, kurz darauf erschein auch Manuel und fügte seine Gesangsstimme hinzu. Toller Einstieg – gefolgt von "10 Milliarden Sterne", einem meiner Lieblingslieder des Duos. Marek zeigte hier schon mal, dass auch eine kleine Mugge sehr sportlich werden kann, denn er wechselte permanent zwischen Saxophon und dem dann vierhändig gespielten Piano. Natürlich könnte ich jetzt zu jedem der 20 gespielten Songs was schreiben, aber ich will nur einige meiner persönliche Highlights benennen – den Rest bitte unbedingt selbst erleben!

Ich habe mich sehr gefreut, dass ich nicht auf "Worte, die wie Bilder sind" und "Doch dann dreht sich die Welt" verzichten musste. Spannende Harmoniewendungen, rhythmische Unterstützung durch Manuel am Cajon, permanenter Wechsel der Interpreten an den Tasten oder von Marek zwischen Piano und den Saxophonen. Und über allem die Stimme von Manuel, nur veredelt mit ein wenig Reverb oder Delay. "Fremder Strand" mit einem Text von Joachim Krause (inkl. der interessanten Erklärung, wie es zu dieser Zusammenarbeit kam), vierhändig am Piano – das ist nicht nur stimmlich eine ziemliche Herausforderung – chapeau! Neu war diesmal eine Improvisation, ein namenloses Instrumental, das in Zusammenarbeit mit dem Publikum spontan den Titel "Magic moments – in Cottbus" erhielt. Natürlich endete das Stück in einem versöhnlichen Dur-Akkord, sonst wären wir ja nur halb so entspannt in die Pause gegangen.
Man hätte ja genauso entspannt den zweiten Konzertteil eröffnen können, aber die beiden griffen gleich ins "hohe Regal" und starteten mit "Ankunft" – bei der Zeile "und so öffnet sich das Tor" muss Manuel gesanglich gleich weit nach oben – auch unmittelbar nach der Pause offenbar für ihn kein Problem – Respekt. Etwas später gab es ein erleichtertes Raunen im Saal: nicht nur ich hatte gehofft, dass eines der beeindruckendsten Lieder im aktuellen Programm ist: die Hommage an den verstorbenen ehemaligen Sänger der Stern-Combo Meißen, Reinhard Fißler - "Seelenlieder". Die CD-Version (damals als Co-Produktion mit CYRIL und Dirk "Scholle" Zöllner) berührt mich sehr - die Version des Duos Manuel/Marek ist nicht weniger intensiv. Instinktiv hab ich die zweite Stimme druntergesetzt – ich konnte nicht anders – ebenso beim gemeinsamen Singen von "Ziel des Augenblicks" (die erste Stimme ist für mich einfach zu hoch gesetzt).
Nicht zu vergessen: die eingangs erwähnte Moderation von Manuel, der gekonnte lockere Überleitungen aus dem Ärmel schüttelte und gleichzeitig mit seinen Erläuterungen "zum Bildungsteil des Abends" beitrug. War es im Oktober 2023 ein Effektgerät, das permament eine Eigendynamik entwickelte und wiederholt gebändigt werden musste, so war es diesmal Mareks neue Brille, die Manuel zu immer neuen Wortspielen animiert. Irgendwann wurde Marek von Manuel zum "Professor Arnold" ernannt und im zweiten Teil des Konzerts sogar zum "besten Saxophonisten der Warschauer Vertragsstaaten" gekürt (erstaunlich, dass Manuel diesen Begriff noch kennt ...). Zwischendurch wurde Cottbus von Manuel gleich mal zur "Blues Hochburg" erklärt, bei "Zeig mir dein Gesicht" musste Marek dann doch nochmal die "alte" Brille hervorkramen, damit es zum Banner passt usw. - wir hatten alle viel Spaß. Und wie man 80 Euro gut investiert – das lasst euch von Manuel selbst erklären.
Zu meiner großen Freude gab es vor dem (längeren) Zugaben-Block noch den "Raum der Illusionen" aus dem Jahr 2018 – es blieb "sportlich" im Kampf um den besten Platz am Piano, dazu Trommelfeuer mit vierhändigem Stakkato, in irgeneiner Körperhaltung schaffte es dann Manuel auch noch zu singen (und die Schraube am Mikrofonstativ hielt doch bis zum Schluss) – das muss man gesehen und gehört haben, großartig!
Wer dieses Duo noch nicht erlebt hat mag berechtigt fragen: wie, den ganzen Abend nur Piano und Saxophon – wird das nicht langweilig? Nein – wird es nicht, im Gegenteil: zwei Könner spielen sich musikalisch die Bälle zu, Marek wechselt im Song auf dem Saxophon zwischen einer zeitweiligen zweiten Stimme zum Gesang und eigener Melodieführung. Und besonders spannend wird es, wenn Marek am Piano sitzt. Versucht gar nicht erst, ein durchgehendes Metrum zu finden, um darauf im Takt zu klatschen, auf logische, vertraute Harmoniefolgen zu warten oder die verwendeten Tonarten zu zählen. Genießt es einfach!
Marek & Manuel (Foto: Manuel Sxhmid)Danke für ein großartiges Konzert, danke für die Nähe vor, während und nach dem Auftritt! Es war erst der zweite Gig der aktuellen Tour von Manuel Schmid & Marek Arnold, insgesamt stehen 20 Konzerte auf dem Plan. Dranbleiben, weitersagen, unbedingt hingehen! Im Herbst erscheint das neue Album der beiden, am 12. Juni wird die Single-Auskopplung veröffentlicht (auch als Vinyl erhältlich). Ein besonderes Dankeschön geht auch an das Team der Theaternative C, das mit viel Hingabe und völlig unaufgeregt wieder für ein schönes Konzertambiente sorgte. Spielstätten wie diese sind selten geworden, manch einer kennt sie gar nicht. Hier gibt es Angebote aus vielen musikalischen Richtungen. Einige aktuelle Beispiele? Am 14.Juni heißt es "Oh Happy Days" Jazz, Soul, Blues und Evergreens mit Angelika Weiz und Eva Maria Pickert. Am 27. Juni ist Dirk "Scholle" Zöllner im Haus mit der musikalischen Lesung "Machandeltal", im Juli gibt sich ein Projekt die Ehre, das ich bisher gar nicht kannte: "Seidel singt ziemlich beste Lieder" (André Kuntze ist in der Begleitband von Michael Seidel dabei, und nach vielen Jahren treffe ich Matthias "Felix" Lauschus wieder). Anfang August gastieren "Quaster & Friends + Hans die Geige" gleich zwei Tage lang im Innenhof der Theaternative C. Darauf freue ich mich besonders, denn mit unserem Rockgeiger habe ich vor etlichen Jahren gemeinsam musizieren dürfen. Viele gute Gründe also, mal in der Theaternative C in Cottbus vorbeizuschauen. Danke auch an meinen langjährigen Bühnenkollegen "Sonny" Sonntag, der die Fotos zu diesem kleinen Bericht beisteuerte.
Fotostrecke:
