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Ein Konzertbericht mit Fotos von Reinhard Baer



Die drei Bands electra, Stern-Combo Meißen und LIFT, allesamt aus Sachsen stammend, waren in der DDR drei der beliebtesten und gefragtesten Bands. Die Musiker kannten sich untereinander teilweise sehr gut, denn man hatte zusammen an der Musikhochschule in Dresden studiert. Es gibt sogar Musiker, die in mehr als nur einer dieser drei Bands gespielt haben.a 20150330 1465743134 Nach der deutschen Einheit war die Nachfrage nach diesen Kapellen und ihrer Musik nicht mehr sehr groß. Die Leute aus dem Osten wollten damals nämlich das sehen und hören, was ihnen vorher nicht vergönnt war. Die Gruppen lösten sich auf oder legten eine längere Pause ein. Alle Musiker von electra, Stern-Combo und LIFT gingen irgendwie ihren eigenen Weg.

Es dauerte aber nicht lange, da hatten die Leute hier im Osten mitbekommen, dass die West-Künstler auch nur mit Wasser kochen und keine Übermenschen sind. Man erinnerte sich wieder an die Musiker aus der Jugend. Bands wie PUHDYS oder KARAT waren wieder gefragt und machten den Anfang: sie traten wieder auf. Und so sagten sich die drei sächsischen Bands - jede für sich -, dass auch sie es nochmal versuchen wollen. Ich staunte nicht schlecht, als ich 1996 beim Rockpalast in der Waldbühne Berlin neben den PUHDYS, den PRINZEN, KARAT, EXTRABREIT und CITY auch die STERN-COMBO MEISSEN wieder erleben durfte. Es lief für sie also auch im vereinigten Deutschland wieder und so kamen die Musiker, die sich aus alten Zeiten noch gut kannten, zusammen um etwas gemeinsam zu machen. Dieses gemeinsame Projekt nannten sie SACHSENDREIER, und starteten ihr Unternehmen Anfang 1997. Die Idee hinter dem Namen ist die, dass jede einzelne Band bei einem Konzert ihren eigenen Teil live spielte, bevor alle drei Bands am Ende zu einem großen Finale gemeinsam auftreten würden. Damit stand ein großes Stück Musikgeschichte auf einer Bühne.

Vor einigen Jahren entwickelte sich aus dem Sachsendreier ein kleiner Ableger. Der "Sachsendreier light", wenn man so will. Die drei Sänger der Bands, Werther Lohse (LIFT), Stephan Trepte (ELECTRA) und Reinhard Fißler (STERN-COMBO MEISSEN), haben ein kleines Programm erarbeitet. Grundlage für dieses Programm sind die "Geschichten vom Sachsendreier", die man im gleichnamigen Buch des Journalisten Jürgen Balitzki (früher beim DDR-Jugendradio "DT64") finden kann. Es werden einzelne Episoden aus der Geschichte der drei Bands locker und frei erzählt und mit einzelnen Liedern vermischt, denn zwischen den gesprochenen Beiträgen singen Trepte und Lohse, musikalisch unterstützt von Andreas "Bruno" Leuschner (electra), Lieder der drei sächsischen Gruppen. Reinhard Fißler kann aus den uns allen bekannten gesundheitlichen Gründen seit geraumer Zeit nicht mehr live mit dabei sein. Heute sitzen Stephan und Werther allein auf der Bühne, ihr alter Kumpel und Mitmusikant Fißler wird aber per Video ins Programm mit eingebunden, ist aber nicht nur deshalb sehr präsent - Reini ist auch in Abwesenheit immer "mit dabei"!

b 20150330 1210899559Am letzten Freitag wurden die "Geschichten vom Sachsendreier" im Restaurant 'Neu Helgoland' in Berlin aufgeführt. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und so war auch ich gespannt, denn ich hatte das Programm bis zu diesem Abend noch nie gesehen. Auf der Bühne standen ein Keyboard, zwei Hocker, Mikrofone und eine Videoleinwand - davor im Saal war ein Videobeamer aufgebaut. Diese Technik wurde übrigens von Karl-Heinz bedient, der völlig versteckt hinter der Leinwand saß.

Nachdem Stephan Trepte und Werther Lohse das Programm gesanglich eingeleitet hatten, erschien auf der Videowand ein Schriftstück aus dem Archiv der Stasi-Unterlagenbehörde, in welchem eine Lageeinschätzung im Jargon der Stasi gegeben wurde. In der Rockmusik-Szene sah man eine große Gefahr aufziehen und natürlich steckte dahinter der Klassenfeind. Als ganz schlimm wurde festgestellt, dass es viele Jugendliche gibt, die den Rockbands hinterher ziehen, bei den Auftritten viel Alkohol trinken, feiern und tanzen, sich dabei verrenken und so weiter ... Im Publikum löste dies das eine oder andere Gelächter aus und Stephan Trepte sagte: "Ja, liebe Leute, Ihr seid hier gemeint". Die beiden Sänger plauderten munter über alles, was sie so im Laufe der Jahre erlebt haben. Sie sprachen über diesen und jenen Kollegen und über alles, was sich so in der Szene abspielte. Die Herren waren früher natürlich keine braven Chorknaben. Man liebte halt Wein, Weib und Gesang. Als Trepte dem Autor Jürgen Balitzki bei seinen Recherchen für das Buch seine Erinnerungen erzählte und dieser noch mehr wissen wollte, antwortete Stephan: "Ich könnte Dir noch vieles erzählen, aber dann schicken mir meine ehemaligen Kollegen ihre Anwälte". Werther wollte auch noch etwas dazu sagen, aber Stephan unterbrach und meinte, "Du würdest mir auch Deinen Anwalt schicken". Es machte einfach Spaß, dieser ungezwungenen und - wie ich es empfand - nicht einstudierten Plauderei zuzuhören.

c 20150330 2040749498Natürlich wäre das alles auch ohne "Beilagen" an keiner Stelle langweilig geworden, aber zwischendurch wurde dann auch noch gesungen. Ob "Wasser und Wein", "Der weite Weg", "Wenn die Blätter fallen", "Nach Süden", "Einmal ich, einmal Du", "Kampf um den Südpol" oder "Falsche Schöne" - die Sänger am Keyboard musikalisch begleitet von Bruno - ... es war kurzweilig, lustig und informativ zugleich. Auch zu so manchem Lied gab es kleine Geschichten, z.B. zu "Dicke Bohnen", welches Stephan in seiner Zeit bei REFORM schrieb und sang, oder zu "Schau in die Kerzen", einem Lied, welches zu vielen Anlässen passt. Auch die "Sixtinische Madonne", welche electra auch schon mit großem Orchester gespielt hat, fehlte an diesem Abend nicht. Ein kleiner Höhepunkt war auch der Song "Nie zuvor". Bei diesem electra-Titel wurde Stephan von Annabell, einem kleinen Mächen, gesanglich unterstützt. Annabell, so sagte mir ihre Mutti, stehe an diesem Abend zum ersten mal auf der Bühne und sie bekam für ihren Auftritt viel Beifall.

Am Ende des Programms bekamen auch Stephan Trepte, Werther Lohse und "Bruno" Leuschner reichlich Applaus - völlig zurecht! Vom Haus gab es ein Gläschen Likör und - es ist ja bald Ostern - einen Schokohasen. Natürlich durften die drei Herren auch noch eine Zugabe geben. Andreas Leuschner spielte an den Tasten, Werther Lohse dirigierte und das Publikum sang ... "Einer schenkt Wasser, einer schenkt Wein, tagtäglich sich ein"





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