Dirk Zöllner & Manuel Schmid: "Die schönsten
Balladen aus dem Land vor unserer Zeit II" (LP)
VÖ: 16.01.2026; Label: SPV; Katalognummer: SPV 453071, Musiker: Dirk Zöllner (Lead Vocals, Acoustic Guitar), Manuel Schmid (Lead Vocals, Keyboards, Body Percussion), André Gensicke (Keyboards, Backing Vocals), Marek Arnold (Saxophone, Keyboards); Bemerkung: Dieses Album ist auf CD und Schallplatte (blaues Vinyl) erschienen. Beides (und mehr) gibt es HIER;Titel: " Das Lied aus dem Land vor unserer Zeit", "Als ich wie ein Vogel war", "In uralter Zeit", "Am Abend mancher Tage", "Abendstimmung", "Wenn ich Dich so seh", "Mein Herz soll ein Wasser sein", "Das blaue Lied" |
Rezension:
Fast alles, was uns die DDR-Musikszene hinterlassen hat, ist ein großes Geschenk. Viele Musiker und Komponisten haben dort ihr handwerkliches Geschick bewiesen und uns zahlreiche Werke von hoher Qualität hinterlassen. Mir sind viele der Songs erst nach der Wende 1989 vor die Flinte gekommen. Allein was ich während meiner Zeit bei Deutsche Mugge kennenlernen durfte, ist unglaublich. Vieles von dem, was in der DDR erfolgreich war, ist in der BRD nicht angekommen, war für mich als Wessi also gar nicht greifbar. Das war der Grund, warum ich als Teil von Deutsche Mugge auch Jahre nach der Wende jeden Tag noch etwas Neues kennenlernen und mich begeistern lassen durfte.
Nun erleben wir, wie diese Szene nach und nach ausstirbt. Einige der Musiker haben diese Welt bereits verlassen, manch eine Band ihre Arbeit eingestellt. Wer heute Lieder aus diesem "Land vor unserer Zeit" live hören möchte, hat es darum nicht einfach. Stephan Trepte und der Gruppe Electra kann man nicht mehr zuhören, wie sie das Lied "Mein Herz soll ein Wasser sein" anstimmen. Auch die Schönheit von Karats "Abendstimmung" kann man heute nur noch aus der Konserve genießen, da der große Herbert Dreilich schon seit über 20 Jahren nicht mehr unter uns weilt. Und demnächst werden wir den Klassiker "Als ich wie ein Vogel war" von Renft auch nicht mehr von der Band hören können, die ihn einst schuf, da sie Ende dieses Jahres ebenfalls ihren Dienst einstellen wird. Man kann sich nun vor die Bühne einer der vielen Stadtfestkapellen stellen und sich diese und andere Songs aus der Zeit in teils gruseligen Arrangements um die Ohren wehen lassen - oder man besucht einfach Dirk Zöllner, Manuel Schmid, André Gensicke und Marek Arnold auf ihrer Tour mit den "schönsten Balladen aus dem Land vor unserer Zeit". Und eines kann man wohl mit Fug und Recht behaupten: Auch diese vier Musikanten sind ein großes Geschenk für uns Musikfreunde.
Bereits im letzten Jahr legte das Quartett die Dreier-LP "Die schönsten Balladen aus dem Land vor unserer Zeit" vor, auf der sich 24 der schönsten Lieder aus der Musikszene der ehemaligen DDR befinden. Ein knappes Jahr später wird mit dem zweiten Teil eine weitere Langspielplatte nachgelegt, und dieses Mal interpretieren sie nicht ausschließlich nur die Songs ihrer Kollegen, sondern die vier Herren bringen erstmals auch eigenes Songmaterial mit.
Da wäre z. B. "Das blaue Lied". Der Song, am Ende der Platte gesetzt, wirkt wie ein bewusst zeitlos angelegtes Stück, das stark von klassischer deutschsprachiger Liedermacher- und Rocktradition geprägt ist und obendrein die deutlich lesbare Handschrift von Marek Arnold trägt. Schon der Einstieg schafft eine ruhige, fast melancholische Atmosphäre, die den Hörer sofort in eine nachdenkliche Stimmung zieht. Die Instrumentierung bleibt über weite Strecken angenehm zurückhaltend und lässt dem Gesang der beiden Mikrofonakrobaten Zöllner & Schmid viel Raum - eine Entscheidung, die gut funktioniert, weil der Text klar im Mittelpunkt steht.
Die Harmonik bewegt sich überwiegend in vertrauten Bahnen, was dem Song eine gewisse Wärme und Zugänglichkeit verleiht. Gleichzeitig entsteht dadurch ein nostalgischer Charakter, der sehr gut zum übrigen Songmaterial auf der Platte passt. Besonders auffällig ist, wie die Dynamik behutsam aufgebaut wird: Statt großer Effekte setzt das Stück auf stetige Entwicklung und feine Steigerungen, was dem Hörer Zeit gibt, in den Inhalt und die Musik hineinzuwachsen.
Die Stimmen von Zöllner und Schmid transportieren die Emotion glaubwürdig und ohne Übertreibung. Gerade diese unaufgeregte Interpretation macht die Nummer authentisch. Man spürt die hier besungene Melancholie. Textlich lebt "Das blaue Lied" von Bildern und der Stimmung. Es geht weniger um eine konkrete Handlung als um ein Gefühl, um Erinnerung und um eine leise Sehnsucht. Diese Offenheit lädt dazu ein, eigene Erfahrungen hineinzulesen, was das Stück nachhaltig wirken und vermutlich mit jedem Hören weiter wachsen lässt.
Das zweite eigene Lied ist das, das dem Album und dem Programm auch seinen Namen gibt. Für viele junge Hörer dürfte es sich wie eine Erinnerung anfühlen, die man nie selbst erlebt hat - und die trotzdem vertraut ist. Schon mit den ersten Tönen öffnet sich ein weiter Raum: weich, behutsam, fast schwebend. Die Musik tritt nicht nach vorn, sie lädt ein. Teilweise wirkt sie sakral. Man folgt ihr, ohne gedrängt zu werden, und die Melodie trägt etwas Unschuldiges in sich.
Inhaltlich wird hier ein Blick zurück auf eine Zeit geworfen, in der die Welt kleiner war und Fragen wichtiger als Antworten. Dabei liegt über allem eine sanfte Schwermut, die nicht traurig macht, sondern tröstet. Es ist die Art von Wehmut, die sagt: Es war einmal - und es durfte schön sein. Besonders berührend ist die Ruhe, die sich das Stück erlaubt und dem Inhalt so viel Raum gibt, richtig zu wirken. Jeder Ton scheint seinen Platz zu kennen, jede Pause hat Gewicht. Das Lied atmet - und man atmet mit. Hier ist von leuchtenden Sternen die Rede, und gemeint sind natürlich die Lieder, um die es in dem Programm geht. Sie sind eben die leuchtenden Sterne, die aus der Dunkelheit der Geschichte herausstrahlen. Und mit diesem Lied ist es dem Quartett gelungen, das Thema ganz wunderbar einzufangen und wie den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf zu treffen. Wenn das Lied zu Ende ist, bleibt kein lauter Nachhall, sondern ein sanftes Echo - so eines, das noch länger da bleibt, wenn die Musik längst verklungen ist, und das einen für einen Moment glauben lässt, dass es irgendwo dieses Land noch gibt und dass man es vielleicht nie ganz verlassen hat.
Das eben beschriebene Stück ist der Opener des Albums und eine wunderbare Einleitung zu dem folgenden Renft-Song "Als ich wie ein Vogel war". Live vor Publikum eingespielt und sehr sparsam instrumentiert wirkt der Klassiker aus den Siebzigern fast schon wie ein ganz neues Lied. Die akustische Gitarre und das Saxophon stechen hier heraus. Das ist insgesamt die Stärke, die auch auf dem Vorgängeralbum immer wieder anzutreffen war: Dem bei den Aufnahmen der Originalsongs im Studio damals oftmals verwendeten Bombast und dem Einsatz möglichst vieler Instrumente begegnen Zöllner, Schmid, Arnold und Gensicke mit Gelassenheit und dem feinen Gefühl für die Seele der Lieder. Sie stellen den Kern in den Vordergrund und verleihen den Kompositionen mit ihrer Auswahl an Klängen ganz andere Farben, ohne sie zu verfremden.
Das Stück "In uralter Zeit", im Original von Veronika Fischer, ist eigentlich eine Ballade mit Schlagzeug, Bass und gezupfter Gitarre. Die neue Version kommt dagegen etwas jazzig daher und erzeugt so auch eine ganz andere Stimmung. Auch hier wird die Songidee nicht verfremdet, sondern mit einer neuen Sichtweise anders gereicht.
Nostalgie pur und ein längst verlorengegangener Sound wehen einem dann bei "Am Abend mancher Tage" von Lift um die Ohren. Was die Originalband schon seit Jahren nicht mehr in der Lage ist, so abzuliefern, schaffen die vier Herren, die hier auf der Platte musizieren, scheinbar spielend. Heraus stechen der Stage-Piano-Sound des Keyboards, das Saxophon und der mehrstimmige Gesang. Die hier musizierende Kapelle rückt diese Nummer in ein wunderbar strahlend helles Licht. Wenn diese Platte nicht so übervoll mit Highlights wäre, würde ich glatt sagen: Das hier ist der Höhepunkt - doch schon der nächste folgt gleich im Anschluss: Karats "Abendstimmung". Zweistimmig gesungen, fühlt man sich sofort abgeholt. Auch hier kommt wieder das Stage-Piano zum Einsatz und lässt das Lied vertraut wirken. Ich glaube, Herbert Dreilich würde den beiden Kollegen am Mikro voller Respekt auf die Schulter klopfen, wenn er das hören würde.
Schließlich stellen wir bei dem Lied "Wenn ich dich seh'" noch schnell fest, dass Dirk Zöllner gesanglich eigentlich der bessere Manfred Krug ist und dass beim Lied "Mein Herz soll ein Wasser sein" kurz vor Schluss noch einmal Gänsehautgarantie geliefert wird. Beim Vorgängeralbum hatte man einige Lieder mehr, um sich einen bunten Abend zu machen. Auf dem Nachfolger ist es leider nur ein Drittel davon. Man würde aber gerne noch etwas länger vor dem Plattenspieler hocken und den vier Musikern bei ihrer Arbeit zuhören. Es empfiehlt sich eigentlich, beide Alben nacheinander zu hören.
Als Fazit kann man eigentlich nur sagen, dass die Mission von Zöllner, Schmid, Gensicke und Arnold als voller Erfolg zu bezeichnen ist. Sie tragen große Werke weiter in die Welt, sie lassen sie nicht in Vergessenheit geraten, und sie erinnern mit ihren Programmen an die Schöpfer von einst, die damals noch ein anderes Publikum unterhalten haben. Das Quartett zeigt der heutigen Welt mit dem, was sie hier aufgenommen haben, die Schönheit und Wichtigkeit der Lieder aus dem "Land vor unserer Zeit", die die Menschen hinter Marienborn damals kaum bis gar nicht zu hören bekamen. Mit viel Fingerspitzengefühl und dem richtigen Gespür, mit welchen Zutaten man in der Musikküche umzugehen hat, ist es ihnen gelungen, einmal mehr ein schmackhaftes Menü auf den Plattenteller zu bringen. Der Erfolg mit ausverkauften Konzerten gibt ihnen Recht und lässt in uns Musikfreunden die Hoffnung wachsen, dass dieses Projekt noch längst nicht am Ende ist - genug Songmaterial wäre ja vorhanden.
(Christian Reder)
Nun erleben wir, wie diese Szene nach und nach ausstirbt. Einige der Musiker haben diese Welt bereits verlassen, manch eine Band ihre Arbeit eingestellt. Wer heute Lieder aus diesem "Land vor unserer Zeit" live hören möchte, hat es darum nicht einfach. Stephan Trepte und der Gruppe Electra kann man nicht mehr zuhören, wie sie das Lied "Mein Herz soll ein Wasser sein" anstimmen. Auch die Schönheit von Karats "Abendstimmung" kann man heute nur noch aus der Konserve genießen, da der große Herbert Dreilich schon seit über 20 Jahren nicht mehr unter uns weilt. Und demnächst werden wir den Klassiker "Als ich wie ein Vogel war" von Renft auch nicht mehr von der Band hören können, die ihn einst schuf, da sie Ende dieses Jahres ebenfalls ihren Dienst einstellen wird. Man kann sich nun vor die Bühne einer der vielen Stadtfestkapellen stellen und sich diese und andere Songs aus der Zeit in teils gruseligen Arrangements um die Ohren wehen lassen - oder man besucht einfach Dirk Zöllner, Manuel Schmid, André Gensicke und Marek Arnold auf ihrer Tour mit den "schönsten Balladen aus dem Land vor unserer Zeit". Und eines kann man wohl mit Fug und Recht behaupten: Auch diese vier Musikanten sind ein großes Geschenk für uns Musikfreunde.
Bereits im letzten Jahr legte das Quartett die Dreier-LP "Die schönsten Balladen aus dem Land vor unserer Zeit" vor, auf der sich 24 der schönsten Lieder aus der Musikszene der ehemaligen DDR befinden. Ein knappes Jahr später wird mit dem zweiten Teil eine weitere Langspielplatte nachgelegt, und dieses Mal interpretieren sie nicht ausschließlich nur die Songs ihrer Kollegen, sondern die vier Herren bringen erstmals auch eigenes Songmaterial mit.
Da wäre z. B. "Das blaue Lied". Der Song, am Ende der Platte gesetzt, wirkt wie ein bewusst zeitlos angelegtes Stück, das stark von klassischer deutschsprachiger Liedermacher- und Rocktradition geprägt ist und obendrein die deutlich lesbare Handschrift von Marek Arnold trägt. Schon der Einstieg schafft eine ruhige, fast melancholische Atmosphäre, die den Hörer sofort in eine nachdenkliche Stimmung zieht. Die Instrumentierung bleibt über weite Strecken angenehm zurückhaltend und lässt dem Gesang der beiden Mikrofonakrobaten Zöllner & Schmid viel Raum - eine Entscheidung, die gut funktioniert, weil der Text klar im Mittelpunkt steht.
Die Harmonik bewegt sich überwiegend in vertrauten Bahnen, was dem Song eine gewisse Wärme und Zugänglichkeit verleiht. Gleichzeitig entsteht dadurch ein nostalgischer Charakter, der sehr gut zum übrigen Songmaterial auf der Platte passt. Besonders auffällig ist, wie die Dynamik behutsam aufgebaut wird: Statt großer Effekte setzt das Stück auf stetige Entwicklung und feine Steigerungen, was dem Hörer Zeit gibt, in den Inhalt und die Musik hineinzuwachsen.
Die Stimmen von Zöllner und Schmid transportieren die Emotion glaubwürdig und ohne Übertreibung. Gerade diese unaufgeregte Interpretation macht die Nummer authentisch. Man spürt die hier besungene Melancholie. Textlich lebt "Das blaue Lied" von Bildern und der Stimmung. Es geht weniger um eine konkrete Handlung als um ein Gefühl, um Erinnerung und um eine leise Sehnsucht. Diese Offenheit lädt dazu ein, eigene Erfahrungen hineinzulesen, was das Stück nachhaltig wirken und vermutlich mit jedem Hören weiter wachsen lässt.
Das zweite eigene Lied ist das, das dem Album und dem Programm auch seinen Namen gibt. Für viele junge Hörer dürfte es sich wie eine Erinnerung anfühlen, die man nie selbst erlebt hat - und die trotzdem vertraut ist. Schon mit den ersten Tönen öffnet sich ein weiter Raum: weich, behutsam, fast schwebend. Die Musik tritt nicht nach vorn, sie lädt ein. Teilweise wirkt sie sakral. Man folgt ihr, ohne gedrängt zu werden, und die Melodie trägt etwas Unschuldiges in sich.
Inhaltlich wird hier ein Blick zurück auf eine Zeit geworfen, in der die Welt kleiner war und Fragen wichtiger als Antworten. Dabei liegt über allem eine sanfte Schwermut, die nicht traurig macht, sondern tröstet. Es ist die Art von Wehmut, die sagt: Es war einmal - und es durfte schön sein. Besonders berührend ist die Ruhe, die sich das Stück erlaubt und dem Inhalt so viel Raum gibt, richtig zu wirken. Jeder Ton scheint seinen Platz zu kennen, jede Pause hat Gewicht. Das Lied atmet - und man atmet mit. Hier ist von leuchtenden Sternen die Rede, und gemeint sind natürlich die Lieder, um die es in dem Programm geht. Sie sind eben die leuchtenden Sterne, die aus der Dunkelheit der Geschichte herausstrahlen. Und mit diesem Lied ist es dem Quartett gelungen, das Thema ganz wunderbar einzufangen und wie den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf zu treffen. Wenn das Lied zu Ende ist, bleibt kein lauter Nachhall, sondern ein sanftes Echo - so eines, das noch länger da bleibt, wenn die Musik längst verklungen ist, und das einen für einen Moment glauben lässt, dass es irgendwo dieses Land noch gibt und dass man es vielleicht nie ganz verlassen hat.
Das eben beschriebene Stück ist der Opener des Albums und eine wunderbare Einleitung zu dem folgenden Renft-Song "Als ich wie ein Vogel war". Live vor Publikum eingespielt und sehr sparsam instrumentiert wirkt der Klassiker aus den Siebzigern fast schon wie ein ganz neues Lied. Die akustische Gitarre und das Saxophon stechen hier heraus. Das ist insgesamt die Stärke, die auch auf dem Vorgängeralbum immer wieder anzutreffen war: Dem bei den Aufnahmen der Originalsongs im Studio damals oftmals verwendeten Bombast und dem Einsatz möglichst vieler Instrumente begegnen Zöllner, Schmid, Arnold und Gensicke mit Gelassenheit und dem feinen Gefühl für die Seele der Lieder. Sie stellen den Kern in den Vordergrund und verleihen den Kompositionen mit ihrer Auswahl an Klängen ganz andere Farben, ohne sie zu verfremden.
Das Stück "In uralter Zeit", im Original von Veronika Fischer, ist eigentlich eine Ballade mit Schlagzeug, Bass und gezupfter Gitarre. Die neue Version kommt dagegen etwas jazzig daher und erzeugt so auch eine ganz andere Stimmung. Auch hier wird die Songidee nicht verfremdet, sondern mit einer neuen Sichtweise anders gereicht.
Nostalgie pur und ein längst verlorengegangener Sound wehen einem dann bei "Am Abend mancher Tage" von Lift um die Ohren. Was die Originalband schon seit Jahren nicht mehr in der Lage ist, so abzuliefern, schaffen die vier Herren, die hier auf der Platte musizieren, scheinbar spielend. Heraus stechen der Stage-Piano-Sound des Keyboards, das Saxophon und der mehrstimmige Gesang. Die hier musizierende Kapelle rückt diese Nummer in ein wunderbar strahlend helles Licht. Wenn diese Platte nicht so übervoll mit Highlights wäre, würde ich glatt sagen: Das hier ist der Höhepunkt - doch schon der nächste folgt gleich im Anschluss: Karats "Abendstimmung". Zweistimmig gesungen, fühlt man sich sofort abgeholt. Auch hier kommt wieder das Stage-Piano zum Einsatz und lässt das Lied vertraut wirken. Ich glaube, Herbert Dreilich würde den beiden Kollegen am Mikro voller Respekt auf die Schulter klopfen, wenn er das hören würde.
Schließlich stellen wir bei dem Lied "Wenn ich dich seh'" noch schnell fest, dass Dirk Zöllner gesanglich eigentlich der bessere Manfred Krug ist und dass beim Lied "Mein Herz soll ein Wasser sein" kurz vor Schluss noch einmal Gänsehautgarantie geliefert wird. Beim Vorgängeralbum hatte man einige Lieder mehr, um sich einen bunten Abend zu machen. Auf dem Nachfolger ist es leider nur ein Drittel davon. Man würde aber gerne noch etwas länger vor dem Plattenspieler hocken und den vier Musikern bei ihrer Arbeit zuhören. Es empfiehlt sich eigentlich, beide Alben nacheinander zu hören.
Als Fazit kann man eigentlich nur sagen, dass die Mission von Zöllner, Schmid, Gensicke und Arnold als voller Erfolg zu bezeichnen ist. Sie tragen große Werke weiter in die Welt, sie lassen sie nicht in Vergessenheit geraten, und sie erinnern mit ihren Programmen an die Schöpfer von einst, die damals noch ein anderes Publikum unterhalten haben. Das Quartett zeigt der heutigen Welt mit dem, was sie hier aufgenommen haben, die Schönheit und Wichtigkeit der Lieder aus dem "Land vor unserer Zeit", die die Menschen hinter Marienborn damals kaum bis gar nicht zu hören bekamen. Mit viel Fingerspitzengefühl und dem richtigen Gespür, mit welchen Zutaten man in der Musikküche umzugehen hat, ist es ihnen gelungen, einmal mehr ein schmackhaftes Menü auf den Plattenteller zu bringen. Der Erfolg mit ausverkauften Konzerten gibt ihnen Recht und lässt in uns Musikfreunden die Hoffnung wachsen, dass dieses Projekt noch längst nicht am Ende ist - genug Songmaterial wäre ja vorhanden.
(Christian Reder)
Seh- und Hör-Bar:

VÖ: 16.01.2026; Label: SPV; Katalognummer: SPV 453071, Musiker: Dirk Zöllner (Lead Vocals, Acoustic Guitar), Manuel Schmid (Lead Vocals, Keyboards, Body Percussion), André Gensicke (Keyboards, Backing Vocals), Marek Arnold (Saxophone, Keyboards); Bemerkung: Dieses Album ist auf CD und Schallplatte (blaues Vinyl) erschienen. Beides (und mehr) gibt es